Sweet and Lowdown

WOODY ALLEN liebt Musik…Gute Musik: Jazz-Musik. Die Klassiker der 30er und 40er New-Orleans-Jahre haben es ihm besonders angetan. Auch und gerade für seinen neuen Film. Titel: “SWEET AND LOWDOWN“. Übersetzt heißt das so viel wie “Süß und Gemein“.
Eine Künstler-Biographie also, davon erzählt

SWEET AND LOWDOWN“ von Woody Allen (B+R; USA 1999; 95 Minuten; Start D: 30.03.2000). Aber
EINE, die sich eben aus VIELEN Memoiren zusammensetzt.

EMMET RAY, der begnadete Gitarrist, aber auch – der ewige Selbstdarsteller. Der sich gerne und permanent überschätzt. Der sich nicht an Verpflichtungen und Verabredungen hält. Der neben seiner Musik vor allem schnelle Autos, modische Kleidung und schöne Frauen mag. Und der dabei immer mehr in sein Leben/für seinen Genuss investiert, als er besitzt. Ein Glücksritter, ein Teilzeit-Zuhälter, ein Pleite-Geier, ein MACHO-Star.

Doch dann “packt“ sie auch ihn – die Liebe. Emmet lernt Hattie kennen, die stumme Wäscherin. Sie himmelt ihn an, er benutzt sie lieber und verlässt sie dann. Für Blanche, einer attraktiven Mitläuferin und Möchtegern-Schriftstellerin. SIE passt wirklich zu ihm, meint Emmet.

Nach “Zelig“ und “Broadway Danny Rose“ befasst sich der bald 65jährige WOODY ALLEN in seinem 27. Regie-Spielfilm erneut mit einer fiktiven Lebensgeschichte. Dabei fällt die für Allen ungewohnte Leichtigkeit und Verspieltheit angenehm auf: Der Grübler ist in die weisen, “swingenden“ Jahre gekommen. Allen selbst tritt hier als einer der zahlreichen “Kommentatoren“ auf, die anekdotenhaft von dieser ebenso göttlichen wie lasterhaften Jazz-Existenz von einst berichten. DIE wird übrigens vom als Exzentriker verschrienen Schauspieler SEAN PENN einzigartig dargestellt. Wie er diese Prolo-Legende mit jeder Pore und Bewegung seines Körpers ganz dicht vorführt, ist meisterlich und beinhaltet KULTgeschmack und -Charakter.

Die „Oscar“-Nominierung in diesem Jahr für diesen grandiosen, packenden Auftritt war hochverdient. Neben ihm rührt die phantastische SAMANTHIA MORTON als stumme Begleiterin wie damals GUILIETTA MASINA in Fellinis “La Strada“: Ein leidendes Geschöpf zum liebhaben.

“Sweet and Lowdown“ von Woody Allen: Ein kleines kinematografisches und musikalisches MEISTERWERK (= 4 ½ PÖNIs)!