STONE

Wenn ein neuer amerikanischer Spielfilm annonciert ist, in dem Stars wie der zweifache „Oscar“-Preisträger ROBERT DE NIRO (67), der großartige EDWARD NORTON (41/“Zwielicht“; „American History X“; „Fight Club“) sowie die attraktive MILLA JOVOVICH („Das fünfte Element“; 3 x „Resident Evil“-Movies) die Hauptrollen spielen, sollte man annehmen, dass solch ein Werk natürlich zuerst in die Kinos kommt. Doch weit gefehlt, denn ihr neuer gemeinsamer Film

STONE“ von John Curran (USA 2009; B: Angus MacLachlan; 101 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 15.03.2011)

hat hierzulande die Leinwände der Lichtspielhäuser nie gesehen; ist soeben als „deutsche Premiere“ auf (Kauf-)DVD erschienen. Hat man den Film gesehen, kann man „die Ignoranz“ von Verleihern und Kinoleuten nachvollziehen. Eine „dolle“ wie „unbedingte“ Kino-Nummer ist der Film beileibe nicht. Obwohl es sich durchaus lohnt, DIESE Schauspieler-Asse zu sehen, zu erleben. Auch wenn Story und Inszenierung dabei „nicht mitzuhalten“ verstehen.

Der mit einem Budget von rd. 22 Millionen Dollar größtenteils in Michigan gedrehte Streifen lebt also fast ausschließlich vom Top-Niveau dieser phantastischen männlichen Ausnahme-Akteure. Wobei sich Robert De Niro und Edward Norton bereits zum zweiten Mal „duellieren“: In „THE SCORE“ von Frank Oz (s. KINO-KRITIK) waren sie 2001 Meister-Dieb und tückischer Junior-Partner, wobei Norton in der Schluss-Pointe den ausgetricksten Gelackmeierten (ab-)gab. Übrigens – ihr Auftraggeber war damals kein Geringerer als MARLON BRANDO, der als „Max“ seine letzte Kinorolle vor seinem Tod im Jahr 2004 spielte.

Hier nun fighten sie erneut mit- bzw.- gegeneinander. Wir befinden uns „abseits“. Auf dem überschaubaren Land. Mit viel Ruhe-Charme. Und noch mehr Religiosität. Was permanent in „entsprechenden Sendungen“ übers Radio vermittelt wird. „Gott“ ist Dauer-Thema. Gebetsmühlenartig geht es nur um „das eine“ Glaubensthema. In Dauer-Diskussionsforen mit Hörern.
Jack Mobry (De Niro) lebt in dieser Region. Mit seiner Ehefrau. Sie sind seit 42 Jahren verheiratet. Man hat sich „eingerichtet“. Jack ist Gutachter und Bewährungsbeamter. Begutachtet Häftlinge, ob sie vorzeitig aus dem örtlichen Gefängnis entlassen werden können. Inzwischen eine Routine-Arbeit. Bis er auf „Stone“ trifft, der eigentlich Gerald Creeson heißt (Norton) und wegen Brandstiftung und Totschlag einsitzt. DER geht gleich in die Vollen. Will mit Jack „sprechen“, diskutieren, ausloten, wie weit er gehen kann: „Wieso dürfen SIE frei herumlaufen und ich nicht?“ „Ich wurde nicht für ein Verbrechen verurteilt“. Geschickt versteht es „Stone“, sein Gegenüber ein- ums andere Mal „anzumachen“. Zu foppen. „Brüchig“ werden zu lassen. Mit viel listigem Psycho-Dampf. Obwohl Jack weiß Gott den Schlaumeier und Coolen herauskehrt. Und gänzlich „umfällt“, als ihm „Stone“ seine verführerische Sexy-Ehefrau Lucetta (Jovovich) auf den Hals und nicht nur dorthin hetzt. Denn die „schlichte erwachsene LOLITA-Schlange“ vermag den Alten „zu beeindrucken“. Sogar SEHR. Wodurch sich „die Positionen“ der Protagonisten „erheblich“ zu verschieben beginnen. Ebenso wie die individuellen Wertebestimmungen. Von Sinn, Dasein, Existenz, Leben. Und überhaupt. Vorteil, Nachteil. Sein oder Nichtsein. Das ganze Glaubens- wie Seelen-Programm. Auch übrigens bei der mehr und mehr „aufwachenden“ Ehefrau vom alten Jack.

Keine sonderlich neue Geschichte. Drehbuch-Autor Angus MacLachlan, 2004 für das exzellente Drehbuch zum feinen Debütantenfilm „Junebug – Junikäfer“ von Phil Morrison verantwortlich, setzt auf menschliche Urfragen nach Schuld/Moral/Sünde/Sühne. Verpackt dies in einen Psycho-Thriller, der ziemlich vorhersehbar winkt: Deprimierter alter Sündenbock sucht Sinn-„Antworten“ zu/über sein „auslaufendes Leben“. Begegnet überall Gottlosigkeit, selbst bei den gläubigsten Gläubigen. Oder so. Der Mensch ist willig, aber das Fleisch…; niemand ist wirklich REIN. Grübeleien zuhauf. „All unsere Rechtschaffenheiten sind wie dreckige Lumpen“, heißt es einmal. Weil uns ja sowieso von Geburt an „die Sünde angeboren“ sei; wir also alle „automatisch“ Sünder sind, ob wir wollen oder nicht. Wodurch die Moral-Fundamente einer demokratischen Wertegesellschaft von Anfang an „schieflaufen“. Gestört sind. „Deine Seele zahlt Schulden zurück für vergangene Sünden aus früheren Leben“, weiß abschließend Jacks Ehefrau Madylyn (FRANCES CONROY) zu bilanzieren. Amen.

Robert De Niro (mit seiner packenden deutschen Dauerstimme von CHRISTIAN BRÜCKNER) und Edward Norton (mit seiner ebenfalls exzellenten deutschen Dauerstimme von ANDREAS FRÖHLICH) sorgen für Neugier, Interesse, Anteilnahme. Die meiste Zeit jedenfalls. Zum Schluss ufert der Streifen von John Curran („Der bunte Schleier“/2006, mit Naomi Watts + Edward Norton; kam bei uns ebenfalls „nur“ auf DVD heraus) ins biblische, trostlose Nirwana aus. Motto: Der arme ewig sündige Mensch.
Wie gesagt, ein purer Schauspieler-Film. Die DREI in den Hauptrollen sind richtig gut. Faszinierend. Mit packenden Verbal-Tiraden. Vor allem vermag auch die oft nur als „Fleisch-Beiwerk“ engagierte MILLA JOVOVICH ihren Schlampen-Part auf den überzeugenden, exzellenten Punkt zu bringen. Ein formidabler Auftritt um DIESES hochkarätige Kerle-Duo herum.
Ansonsten: Die große Identitätskrise der Amis läuft nun auch filmisch „auf Touren“; so oder so ähnlich darf man dies hier wohl interpretieren. Wobei nun auch GOTT zum „Rätsel“ geworden ist…..

Anbieter: „Ascot Elite Home Entertainment“.