Side Effects Kritik

SIDE EFFECTS“ von Steven Soderbergh (USA 2012; B: Scott Z. Burns; K: Peter Andrews (= Steven Soderbergh); Schnitt: Mary Ann Bernard (= Steven Soderbergh); M: Thomas Newman; 106 Minuten; Start D: 25.04.2013); er ist neulich, am 14. Januar 2013, 50 Jahre jung geworden. Seit seinem sensationellen Debütfilm „Sex Lügen und Video“, der 1989 auf den Filmfestspielen von Cannes den Hauptpreis, die „Goldene Palme“, zugesprochen bekam, hat er in rund einem Vierteljahrhundert 25 Filme gedreht, Mal Mainstream-Hits wie die drei „Ocean’s“-Movies oder „Out of Sight“, mal Independent-Movies wie „Kafka“, „König der Murmelspieler“ oder die beiden „Che“-Filme, mal kommerzielle Zugriffe wie zuletzt mit „Magic Mike“, „Haywire“ und „Contagion“. „Trafic – Macht des Kartells“ (2000/ mit 4 „Oscars“, darunter für die „Beste Regie“, prämiert und „“Erin Brockovich“ /ebenfalls 2000/“Oscar“ für Julia Roberts) runden sein Werk vorzüglich ab: STEVEN SODERBERGH zählt zu den derzeit spannendsten Filmkünstlern auf der Welt. DER aber in den letzten Jahren, wie gerade erst kürzlich wieder, immer wieder betont, er sei nunmehr ausgepowert. Erschöpft. Will – mindestens sieben Jahre – jetzt pausieren. Dazu passt, dass uns heute, am 18. April 2013, die Meldung erreichte, dass Steven Soderbergh mit seinem nächsten Film gerade in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes im Mai eingeladen, „aufgenommen“, wurde: „BEHIND THE CANDELABRA“, hochkarätig besetzt mit Michael Douglas, Matt Damon sowie Rob Lowe und Dan Aykroyd. Wie schön – der Rücktritt vom neuen Rücktritt. Erst einmal.

In der sonntäglichen ARD-Kultur-Nachtsendung „t – t – t“ („Titel, Thesen, Temperamente“) vom 7. April 2013 wurde es zu diesem neuen Soderbergh-Film thematisiert: Zahlen, Fakten, Daten beweisen – mindestens 20% der Amis nehmen täglich eine Tablette ein. In den USA tobe der „allgemeine Pillenwahn“. Der Psychiater und Autor ALLEN FRANCES hat ein Sachbuch darüber veröffentlicht, das jetzt auch bei uns erschienen ist („Normal“) und in dem es um die „besorgten Gesunden“ geht. Tenor: Für viele bereits hergestellten (teuren) Pillen „gibt“ es noch gar keine „passenden“ profitablen Krankheiten. Die junge Emily Taylor (ROONEY MARA/die Lisbeth Salander aus der US-Adaption von „Verblendung“) leidet offensichtlich an einer schweren Depression. Das New Yorker Saus-und-Braus-Leben mit Ehemann Martin, einem Banker (CHANNING TATUM/“Magic Mike“), ist passé, seitdem dieser wegen Insiderhandels für mehrere Jahre ins Gefängnis musste. Sie ist bei Dr. Jonathan Banks (JUDE LAW) in Behandlung, einem forschen wie engagierten Psychiater. Doch seine verordneten Antidepressiva führen zu keiner Besserung. Ganz im Gegenteil. Banks kontaktiert die frühere Emily-Ärztin, Dr. Victoria Siebert (CATHERINE ZETA-JONES, derzeit viel aktiv, zuletzt unsäglich in „Kiss the Coach“), und verschreibt seiner offensichtlich suizid-gefährdeten Patientin ein völlig neu entwickeltes und soeben auf dem Markt „angepriesenes“ Medikament. Doch die Nebenwirkungen erweisen sich zunehmend als verheerend. Zunächst für den inzwischen freigekommenen Emily-Ehemann Martin wie vor allem dann auch für den – völlig überrumpelten – guten, also gutgläubigen Doktor. Dessen Karriere plötzlich mit schweren Turbulenzen knickt. Beunruhigende Entwicklungen tauchen an der vielschichtigen Medizin(er)-Front auf. Seine Reputation ist erheblich in Gefahr. Seine Existenz steht auf dem raffiniert eingefädelten bösen Spiel. Ebenso wie seine Ehe. Dr. Jonathan Banks muss sich ganz schön erfindungsreich strecken, um nicht in diesem merkwürdigen Sumpf aus Verdächtigungen, Intrigen und rätselhaften Wendungen unterzugehen.

Alfred Hitchcock kommt in den Klasse-Sinn. Steven Soderbergh erweist sich als exzellenter Meister der Suspense. Führt zunächst wunderbar in die thematische Irre, zwischen geklonter Depri, heftigem Burn-Pseudo-Out und Pharma-Schurkereien, um sich dann genüsslich in süffisante, vielschichtige weitere Spannungsposen zu begeben. Elegant bewegt sich STEVEN SODERBERGH auf und in diesem Taumel aus psychologischen Fußnoten, faszinierenden Unschärfen und clever arrangierten Zeitraster. Soderbergh jongliert mit den vielfältigen Mustern von Anspannung, Spannungsfopperei und herrlicher Vollspannung. Virtuos lässt er uns auflaufen, um dann genüsslich die Neben- und Vollwirkungen zusammen zuführen. Mit teuflisch faszinierenden Twists. Um wahre Lügen. Und schmutzigen Wahrheiten. Mehr darf einfach nicht verraten werden:

„Side Effects“ setzt Genre-Maßstäbe. Ein neuer Soderbergh vom Spannungs-feinsten. Der Film chillt prächtig. Als Ensemble-Knaller: Mit einem „Schnüffler“ Jude Law, der seinen sinnlichen „Dr. Watson“-Part aus den „Sherlock Holmes“-Parties mit Robert Downy, Jr. („Sherlock Holmes“ + „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“/2009 +2001) unterkühlt glänzend fortführt. Der 40jährige Kerl hört einfach nicht auf, immer noch besser zu werden. Aufzutrumpfen. Und so ist dies hier einmal mehr „seine Rampe. Als phantastisch verführender Verführter (= 4 PÖNIs).