Sergio Leone

Die Lebensgeschichte des Filmemachers SERGIO LEONE (3. Januar 1929 – 30. April 1989) umfasst rund 25 Jahre und ist aufgeteilt in nur sechs Filme, die aber allesamt ein Stück Filmgeschichte schrieben. Eigentlich sind es ja sieben Filme, die Leone selbst inszeniert hat, aber seinen allerersten kann man getrost als handwerkliche Fingerübung abhaken, er besitzt heute nur noch statistischen Wert. Er heißt „DER KOLOSS VON RHODOS“ (It 1961; 127 Minuten; Start D: 26.01.1962); nachdem der 1921 als Sohn des italienischen Filmpioniers Vicenzo Leone (der schon 1912 unter dem Pseudonym Roberto Roberti Westernfilme in der Nähe von Genua drehte) geborene Sergio lange Jahre das Filmgeschäft von der Pike auf erlernte und bei über 60 Spiel- und Kurzfilmen von teilweise sehr bekannten Regiestrategen wie Vittorio de Sica („Fahrraddiebe“, hier war Leone als Kleindarsteller aktiv), Mervyn LeRoy („Quo Vadis?“), Robert Wise („Die schöne Helena“) oder William Wyler („Ben Hur“) mitwirkte und sich schließlich bis zum ersten Regieassistenten hochgearbeitet hatte. Es war ein typischer Sandalenschinken jener Serienzeit, doch kommerziell so erfolgreich, dass Leone weitermachen konnte.

Ein Jahr später war er bereits zweiter („Action“-)Regisseur bei Robert Aldrichs Bibel-Spannung „Sodom und Gomorrha“, während 1964 dann endlich die große Stunde des Film- und Hollywoodnarren schlug: bei einer abgedrehten Produktion waren Geld und Kostüme übriggeblieben, und so entschloss man sich kurzerhand, dem aufstrebenden Newcomer, für ganze 500.000 „Rest“-Mark, die Chance für den nächsten eigenen Film zu geben. Dieser wurde unter gleich drei verschiedenen Arbeitstiteln produziert und angekündigt, bevor er hierzulande endgültig (originalübersetzt) „FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR“ hieß und am 05.03.1965 erstaufgeführt wurde (s. ausführliche Besprechung hier). Um ihn aber ans Publikum zu bringen, glaubten Produktion und Verleih den Beteiligten (soweit sie nicht schon „Amis“ waren wie der Hauptakteur Clint Eastwood, ein bislang kaum aufgefallener US-TV-Serien-Bubi) amerikanische Pseudonyme verpassen zu müssen. Aus Leone wurde ein Bob Robertson (seine Verbeugung vor dem Pseudonym seines Vaters), John Wells war in Wirklichkeit Gian Maria Volonte, und der italienische Komponist Ennio Morricone, ein enger Freund Leones, tauchte mal als Leo Nichols, mal als Dan Savio auf. Das Weitere ist Geschichte. Die Kritik rümpfte ziemlich einhellig die Nase („man sieht ein mäßiges Talent an einer guten, aber riskanten Geschichte scheitern“, schrieb Uwe Nettelbeck in der ‚Filmkritik‘), während das Publikum in Scharen kam, so dass der Streifen alleine in Europa binnen kürzester Zeit an die 7 Millionen Dollar einspielte und Leone sich mit dem Produzenten des Akira-Kurosawa-Films „Yojimbo“ außergerichtlich einigen konnte. Denn er hatte ganz einfach Kurosawas Story, fast szenengetreu, übernommen und in den Wilden Westen versetzt, ohne zu fragen oder gar zu bezahlen. Über Nacht löste dieser erste „Dollar“-Film einen Boom an Nachfolge-Western „Marke Italo“ aus. Was war geschehen? Worin lag dieser immense Erfolg, zumal in einem Genre, das doch als reichlich abgegrast galt, begründet?

Die Antwort fällt genauso simpel aus wie viele dieser dann als „Spaghetti-Western“ titulierten Billig-Streifen: Leone veränderte beileibe nicht bewährten Muster der Gattung, sondern nur die Spielregeln. Gut gegen Böse war vorbei, Böse gegen Ganz-Böse hieß das Motto der Stunde. Wer überlebte, konnte besser schießen und war noch gemeiner als die anderen. Während in amerikanischen Produktionen der Kostümbildner nach den Aufnahmen die Klamotten nur abzustauben brauchte, stanken sie bei Leone & Co. nach haufenweisem Ketchup-„Blut“ und hatten riesige Löcher. Leone präsentierte Gewalt so wie sie war, aber dabei so direkt und genüsslich, dass sie schon wieder übersteigert-unwirklich überspitzt-komisch rüberkam. Als der Erfolg sich abzeichnete, wechselten die Beteiligten schnell wieder zu ihren wirklichen Namen und wurden bald populär. Auch Ennio Morricone, der für Leone ein unersetzlicher Partner für seine weitere Arbeit werden sollte.

„Künstlerisch gesehen, leben Ennio und ich in einer katholischen, also unauflöslichen Ehe“, äußerte sich Leone Jahre später über seinen Freund und Mitstreiter, ohne dessen opernhafte Partituren die Stimmungen nie so aufgeheizt, die Spannung nie so vorangetrieben worden wäre. Damals wie heute ist Morricone von Anfang an dabei, wenn Leone sich an die ersten Ideen und Vorbereitungen zu einem neuen Projekt macht. Er erzählt Morricone die Story, der fängt danach an zu komponieren, woraufhin dann Leone das Drehbuch schreibt.

FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR“ (It/USA/Spanien/D 1965; 132 Minuten; Start D: 25.03.1966); war ein Jahr später die Verfeinerung des ersten Themas und bedeutete für den bis dahin nur im zweiten Hollywoodglied aufgetretenen Lee van Cleef („High Noon“) den internationalen Durchbruch. Zugleich wurde Klaus Kinski zu einem der faszinierenden Schurken des Kinos. 1966 stiegen die Hollywood-Studios in das nun riesige europäische Western-Geschäft mit ein und gaben viel Geld für Leones dritten Western: „Zwei glorreiche Halunken“ (Original: „Il bueno, il brutto, il cattivo“ – Der Gute, Der Böse, Der Hässliche). Sergio Leone war nun selbstsicherer geworden und trieb seine Künste ausdauernd (159 Minuten) bis zur Perfektion: Härte bis zur totalen Brutalität, Verzicht auf Edelmut und Moral, gemischt mit einer kräftigen Portion Ironie. Zugleich war dieser Film sein Abschied von der neuen europäischen Western-Epoche, die auf einer ähnlichen Linie lag, wie Jahre zuvor die hollywoodschen Gangsterfilme der berühmten „Schwarzen Serie“: Anstelle des Helden, der den Sieg über die finsteren Elemente davonträgt, existiert lediglich eine Art höhere Gerechtigkeit, die die ganz fiesen Taten schließlich nicht ungestraft lässt. Während viele seiner Kollegen so weitermachten, wandte sich Leone seinem Lieblingsthema seit jeher zu – der „Entdeckung“ Amerikas.

Inzwischen war das Jahr 1968 angebrochen. In italienisch-amerikanischer Co-Produktion entstand der Film, mit dem Sergio Leone und Ennio Morricone „klassisch“ wurden und mit dem CHARLES BRONSON zum Weltstar avanciert: „C’era una volta il West“ (Übersetzung: Es war einmal im Westen), einem 164minütigen Opus über die Anfänge im amerikanischen Westen, dem unter dem deutschen Titel „SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD“ (It/USA 1968;164 Minuten; Start D: 14.08.1969); anfangs überhaupt kein Erfolg beschieden war, bis nach etwa einem Jahr Laufzeit in kleineren Häusern die Schlangen vor den Kinos immer länger wurden. Der Rest ist wiederum Geschichte, und es gibt heute wohl kein Kino, das diese Legende nicht mindestens einmal im Programm hatte. Drei Jahre später, 1971, kam sein neuer Film „Giu la testa“, der bei uns reißerisch „TODESMELODIE“ (It 1971; 154 Minuten; Start D: 02.03.1971) betitelt wurde, heraus:

Der Film ist 1915, zur Zeit der mexikanischen Revolution, angesiedelt, der Leone-Western wurde nun auch (zeitgemäß) „politisch“. Aber ursprünglich wollte Leone die Regie gar nicht selber führen. Der riesige Aufwand, dreieinhalb Millionen Dollar Gesamtkosten, die nicht gerade sehr amerikafreundlichen symbolhaften Bilder sowie die typisch breite, ausführliche Erzählweise Leones veranlassten Produktion und Verleih, das Werk auf 154 Minuten Erfolglosigkeit zu stutzen und zusammenzuschneiden (Anmerkung: das ZDF bemüht sich gegenwärtig um eine vollständige Rekonstruktion und Neusynchronisation). In jenen Tagen aber trug sich Leone schon mit den Gedanken für sein nächstes, das dritte und größte „Amerika“-Projekt, das wie ein Märchen klingen sollte: „ES WAR EINMAL IN AMERIKA“ (USA 1982-1984; Co-B+R; K: Tonino Delli Colli; M: Ennio Morricone zunächst 167 Minuten; Start BRD: 12.10.1984; später 228 Minuten; Start DDR: 13.6.1986; siehe auch ausführliche Besprechung hier).

„Irgendwo ist es natürlich ein Märchen. Realität und Fiktion fließen nahtlos ineinander“, sagte Sergio Leone über seine bislang größte Arbeit. „Die Vereinigten Staaten haben mich immer interessiert, der Film ist also ein Ausflug in den Mythos meiner Jugend. Ich fahre voller Respekt in eine Welt, die nicht die meine ist. Amerika ist für mich ein Land der Kinder. Diese Erkenntnis ist nicht neu, Charlie Chaplin war der erste, der sie für seine Arbeit nutzte, Steven Spielberg der vorerst letzte. Deshalb auch die Form des Märchens. Mich faszinieren Phantasie und Spektakel, und das Märchen verfügt über beides“. Dabei geht es eingangs alles andere als märchenhaft zu. Leone macht dort weiter, wo er 12 Jahre früher aufhörte, mit der totalen Gewalt. Mit einem der brutalsten, härtesten Einstiege in einen Film überhaupt, beginnt das Puzzlespiel um alle nur denkbaren erhabenen Gefühle: Liebe, Sex, Abenteuerlust, Gewalt, aber auch Zärtlichkeit, Kindheit und vor allem – Freundschaft.

Die Freundschaft ist ein wichtiges Thema, das in allen meinen Filmen vorkommt“. Die erste Stunde dieser langen, wunderbaren Kino-Reise ist ein einziges Verwirrspiel. Leone springt mit Zeit, Raum und Personen dermaßen geballt herum, dass man verflixt aufpassen muss, um in diesen ungewöhnlichen geschichtlichen Rhythmus hineinzukommen, den Ennio Morricone einmal mehr sentimental-kraftvoll vorgibt. Schauplatz der Handlung ist zunächst New Yorks jüdisches Einwanderer-Viertel an der Lower East Side zur Zeit der Prohibition, wo eine Gruppe Jugendlicher selbst für ihr Wohlergehen sorgt. Ihre einzige Chance, jemals auf die Sonnenseite Amerikas zu gelangen, ist das Verbrechen. Wollen sie es also schaffen, wollen sie Geld und Glück machen, wollen sie jemals Macht ausüben, müssen sie ihre eigenen Geschäfte tätigen, müssen sie sich ihre eigenen Gesetze schaffen, müssen sie aber auch schmerzhafte Rückschläge in Kauf nehmen. Zwei kristallisieren sich heraus: Noddles (Scott Tiler/ROBERT DE NIRO) und Max (Rusty Jacobs/JAMES WOODS). Sie werden Freunde, und Freundschaft ist ein Ehrenkodex. Aber Freundschaft ist dann auch mittenmal Verrat, Bruderschaft wie Kain und Abel, Zerstörung des Lebens. Wahrheit und Lüge, Erinnerungen und Gegenwart purzeln immer wieder gehörig durcheinander, ergeben aber dann 45 Jahre später das Bild eines grausamen Schicksals, das sich wie ein morsch gewordener Knoten bitter löst.

Mehr noch als in seinen vorherigen Filmen interessiert Leone nicht so sehr die Figuren oder eine stringente Geschichte, beides ist für ihn im Grunde nur Mittel zum Zweck. Zweck, von „seinem“ Amerika zu erzählen. Die Bilder sind dabei riesiger, wichtiger als die Beteiligten, die sich darin bewegen. Nicht zufällig taucht das gewaltige, monumentale, aber auch erschreckende Bild der Brooklyn-Bridge des Öfteren auf, Symbol für einen Kontinent, in dem damals das Verbrechen zur Philosophie wurde, in dem moralische Kriterien beim Kampf um die gesellschaftliche Platzverteilung nicht existierten. Ohne seine ausgezeichnet geführten Figuren zu denunzieren, skizziert Leone damit ein realistisches Porträt Amerikas gegen Anfang und Mitte dieses Jahrhunderts, obwohl er doch eigentlich nur „meiner Phantasie freien Lauf lassen“ wollte, natürlich aber nicht ohne „dem Zuschauer ein paar kleine Wahrheiten zu vermitteln“. Die Outlaws der frühen Pionierzeit haben Pferd gegen Limousine, Colt gegen MP getauscht und machen sich nun daran, die besten „Weideplätze“ am Dollar auszukämpfen. „Mein Verhältnis zu diesem Land ist in der Tat eine Hassliebe“, bestätigt der Regisseur. „Und nur wer solche Gefühle empfindet, kann sich auch mit etwas auseinandersetzen. Es ist schwierig, als Europäer Amerika nicht zu kritisieren. Mein Film blickt mit den Augen eines alten Europäers auf dieses Land, dem gleichzeitig bewusst ist, dass er sich Lichtjahre davon entfernt befindet“. Wenn es zu dieser explosionsartigen, konsequent-lustvollen Eskalation der Gewalt kommt, sicherlich ein wieder riesiger Angriffspunkt in dieser aufwendigen (letzten?) Leone-Komposition, so ist sie meist, nicht immer, integraler Bestandteil der Geschichte, also: amerikanische Normalität. Statt moralischer Wertungen, liefert Leone wieder einmal brutalste Dokumente der Realität. Und es ist diese kalte, faszinierend-abstoßende Objektivität eines fremden Beobachters, von der diese ungeheure Intensität der Bilder ausgeht. Die dann, am Ende, zu einem großen, kulinarischen Rausch geworden sind. Nicht weil es so ungewöhnlich viele von ihnen gibt, sondern weil sie trotz der bombastischen Aufmachung nichts von der Lust und von der Hoffnung, von der Feigheit und dem Mut, von Hass und vom Glück, von der Gier und von der Liebe auslassen, also von Eigenschaften, die bekanntlich nicht nur Bestandteile des „American dream“ sind.

„Amerika“, sagt dann auch Sergio Leone, „gehört der ganzen Welt und nicht nur den Amerikanern, die leider dazu neigen, den Wein des Mythos von Amerika mit dem Wasser des ‚Amerikanischen way of life‘ zu vermengen. Amerika war etwas, was Philosophen, was Träumer und Vagabunden, was die Erniedrigten dieser Erde sich erträumten, lange bevor es entdeckt wurde. Die Amerikaner haben es nur auf Zeit geliehen bekommen. Wenn sie damit nicht umgehen können, wenn sie den Mythos von Amerika verraten, wenn ihre Filme nicht mehr stimmen, wenn alles wieder in Alltagsmachenschaften untergeht, dann können wir es ihnen wieder wegnehmen. Oder ein anderes Amerika entdecken“.

Abschied ist wie das Lösen von einem großen Gemälde, einem feinen Buch, einer wunderbaren Schallplatte, einer atemberaubenden Schauspielaufführung, einem guten Freund. Noodles-De Niro liegt auf der Pritsche in der chinesischen Opium-Arena und nuckelt genüsslich an seinem Pfeifchen, hebt nochmal den Kopf bevor er „wegtaucht“, und blickt uns dann direkt, unverschämt-frech grinsend an. So als ob er sagen will – so das war’s Leute, das war noch einmal schönes, großes, altes, richtiges Kintopp. Hoffentlich habt ihr’s auch voll genossen. Oft wird’s das nun nicht mehr geben. Was Sergio Leone nur bestätigt: „Ich habe versucht, in diesem Film alle meine Leidenschaften für das amerikanische Kino auszudrücken. Ich bin mit aber auch darüber bewusst, dass diese Art von Kino bald nicht mehr gefragt sein wird. Heutzutage sehen die Filme den Cartoons und Werbespots immer ähnlicher. Eine Entwicklung, die wiederum in Amerika vorangetrieben wird. Ich wollte diesen Film drehen, bevor das Kino ganz verschwunden ist“.

RIAS 2 – Special „Film aktuell“ vom 02.Mai 1989

Die Nachricht kam gestern, der Schmerz ist groß. SERGIO LEONE ist tot. Einer der ganz großen Filmemacher der Neuzeit starb im Alter von 60 Jahren an Herzversagen. Mit seinem Namen verbinden sich die besten und wichtigsten „Italo-Western“ der Sechziger und drei ganz persönliche, zusammenhängende Meisterwerke über die Liebe zu Amerika.

Sergio Leone war der Sohn eines Filmpioniers. Unter dem Pseudonym Roberto Roberti schuf Vincenzo Leone schon 1912 in der Gegend von Genua Western. Die Karriere des Juniors begann als Darsteller in Vittorio de Sicas „Fahrraddiebe“/1949 und setzte sich mit Tätigkeiten als Assistent bei über 80 Kurz- und Spielfilmen fort. So arbeitete er bei Robert Aldrich, Fred Zinnemann, Raoul Walsh oder William Wyler mit, wenn die in Europa drehten. 1960 entstand der erste eigene Film „Der Koloß von Rhodos“. 1964 war bei einer deutsch-span. Produktion Geld übriggeblieben, und Sergio Leone wurde mit der schnellen Fertigstellung eines weiteren Films beauftragt. Als er für diesen den amerikanischen Cowboy-Darsteller Clint Eastwood engagierte, glaubte niemand an einen Erfolg. In Italien wurde für den Film ein Bob Robertson genannt, für die Bundesrepublik hieß der Regisseur auf Verleihwunsch Georg Schock. Doch der Erfolg des Filmes war für viele ein unglaublicher Schock.

„Für eine Handvoll Dollar“ kam riesig an und begründete den „Italo“-, den „Spaghetti-Western“. Ein Jahr später folgte „Für ein paar Dollar mehr“, und 1966 schließlich „Zwei glorreiche Halunken“. Immer nach dem gleichen, wirkungsvollen Schema: Die Guten waren nie ganz gut und edel, die Bösen besaßen ebenso viel fiesen Charakter. Aber diese Filme begründeten, neben Clint Eastwoods Aufstieg zum Superstar, noch eine große europäisch Karriere: die des italienischen Komponisten und Arrangeurs Ennio Morricone. „Künstlerisch gesehen, leben Ennio und ich in einer katholischen, also unauflöslichen Ehe“, sagte Leo später über diese geniale Zusammenarbeit. Die sich bei dem nächsten Film noch verstärken und intensivieren sollte. Denn Sergio Leone machte sich 1968 daran, seinen Traum von Amerika und seiner dramatischen Entstehung zu erzählen.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ war d i e große Western-Oper. Guiseppe Verdi gleichermaßen verpflichtet wie John Ford. Wieder wurde ein darstellerischer Nobody zum Superstar: Charles Bronson, der Mann mit der Mundharmonika. 1971 entstand „Todesmelodie“, die Fortsetzung der „privaten“ Entstehungsgeschichte Amerikas durch Sergio Leone. Aufgrund seiner Länge und Brutalität kam er hierzulande bislang nur verstümmelt zur Ansicht. 12 Jahre danach schließlich der gigantische und nun leider auch endgültige Abschluss einer großen Trilogie: „Es war einmal in Amerika“. Natürlich wieder mit Ennio Morricones Musik.

Sergio Leone ist tot. Der Schmerz ist groß. „Im Tal der Einsamkeit: Spiel mir das Lied vom Tod“.