Schimpansen Kritik

SCHIMPANSEN“ von Alastair Fothergill + Mark Linfield (USA 2008-2012; K: Martyn Colbeck, Bill Wallauer; Beratung: Dr. Jane Goodall; Prof. Dr. Christophe Boesch/Direktor des Max-Planck-Instituts, Leipzig; M: Nicholas Hooper; dtsch. Erzähler: Alexander Brem; 78 Minuten; Start D: 09.04.2013); mit ihrem abendfüllenden Dokumentarfilm „Unsere Erde – Der Film“ (2007) schufen die beiden renommierten und vielfach preisgekrönten britischen Naturfilmer ein Genre-Ausnahmewerk (s.KINO-KRITIK). Ihre neueste Produktion haben sie für das „Kuschelfilmhaus“ Walt Disney bzw. für die Unterabteilung „Disney Nature“ geschaffen. Als monumentalen (Ein-)Blick auf die nächsten lebenden Verwandten des Menschen: SCHIMPANSEN. Deren Existenz, wie inzwischen so viele Existenzen auf unserem Planeten, stark gefährdet ist. 1960 lebten eine Million Schimpansen in freier Wildbahn. Heute ist ihr Bestand auf ein Fünftel geschrumpft, heißt es im Film.

Der Tai-Nationalpark befindet sich im Südwesten der Republik Elfenbeinküste. Ist an der Grenze zu Liberia gelegen. Umfasst 5.360 Quadratkilometer. Ist eines der letzten westafrikanischen Gebiete mit ursprünglichem tropischem Regenwald. Seit 1982 wird er als UNESCO-Welterbe geschützt. Hierin wurde eine Geschichte“ platziert. Richtig: Eine GESCHICHTE. Denn wir haben heutzutage zwei Möglichkeiten der besseren Vermittlung von Ökopflege und Arten- bzw. Tierschutz: Mittels einer – optisch beeindruckenden – Dokumentation oder über einen faszinierenden, spannenden, überzeugenden „Spielfilm“. Jetzt streiten gerade die Gelehrten. Während die Produktionsfirma Disney und die Filmemacher im Presseheft zum Film von einer „authentischen“ Geschichte sprechen, meint der Autor Jörg Blech in seinem „SPIEGEL“-Artikel (Ausgabe 18/2013), dass dies nicht der Wahrheit entspreche. Sondern dass die „vermeintliche Geschichte“ um ein Affenbaby konstruiert, also „herbeigeführt“ worden sei. Und so weiter. Ich will dies nur benennen, aber nicht weiter verfolgen. Denn mir ist es völlig wurscht, ob sich dieses einzigartige Abenteuer SO tatsächlich abgespielt hat oder nicht. Erfunden wurde oder nicht. Für mich zählt als Hauptsache – die gute Absicht. Bei einem spielfilmähnlichen Dokument etwas Engagiert-Großartiges zu zeigen. Eben SCHIMPANSEN. Ganz nah, ganz dicht, gedanklich wie emotional, ganz ergreifend. So wie noch nie beobachtet. Begleitet. Erlebbar. Zum (Be-)Schützen SEHR geeignet.

Es geht um „Oscar“. Einen kleinen Schimpansen. In einer Affensippe. Die von der nachbarlichen „Konkurrenz“ wegen Nahrung heftig attackiert wird. Dabei verliert der kleine Junge seine Mutter. Seine bislang wichtigste Bezugs“person“. Die Überlebenssituation scheint aussichtslos, doch dann passiert ein Wunder, indem der Gruppenanführer, der mächtige „Freddy“, ganz unüblich sich des Kleinen annimmt. Ihn adoptiert. Und somit dessen Überleben sichert. DAS ist hier die GESCHICHTE. Erzählt von ALEXANDER BREM (im Original von Tim Allen) in märchenhafter Tonart. Familien -kompatibel. Mit und in einzigartiger, überwältigender Landschaftsoptik, sagenhaften Affen-„Arrangements“. „Auf Augenhöhe“. Bei entsprechender Rücksichtnahme: Es durften nie mehr als drei Crewmitglieder mit den Tieren im Wald sein. Sie durften sich auf keinen Fall näher als sieben Meter nähern. Mussten stets eine OP-Maske tragen, „um das Übertragungsrisiko menschlicher Krankheiten auf die Tiere zu minimieren“ (Presseheft).

Wir lernen. Begreifen. Fühlen. Empfinden. Neugier, Interesse, Anteilnahme entstehen. Der humane Film, ohne Altersbeschränkung freigegeben, vermittelt viel Gutes. An Wissenswertem. An Denkwertem. An menschlichem Affenverhalten. An affigem Menschenverhalten. Von Natur-Schöpfung. Und Sinn-Werten. Der Lern-Spaß ist furios und wirkt enorm. Nach (= 4 PÖNIs).

Für alle, die helfen wollen, so lautet die Nachspann-Schlusszeile: http://www.wildchimps.org