SAITEN DES LEBENS

SAITEN DES LEBENS“ von Yaron Zilberman (Co-B + R; USA 2012; Co-B: Seth Grossman; K: Frederick Elmes; M: Angelo Badalamenti (Score), Ludwig van Beethoven; 105 Minuten; Start D: 02.05.2013); drei „wichtige Sachen“ zuvor – selten war ein deutscher Filmtitel „schöner“ im Sinne von zutreffender als hier (im Original heißt der Film „A Late Quartett“); 2.) = ER ist einer der profiliertesten (und viele Jahre in seinen Rollen auch „bösester“) US-Charakterschauspieler überhaupt, der sowohl in „heißen“ Mainstream-Produktionen (Bond-Gegenspieler in „Im Angesicht des Todes“) wie vor allem auch in hin- wie mitreißenden Independent-Movies (zuletzt:“7 Psychos“) herausragte: CHRISTOPHER WALKEN, am 31. März 2013 coole 70 Jahre alt geworden, der hier grandios einen sensiblen Musiker ausbreitet.. Sowie 3.) = IHN kennt man über die Leinwand hierzulande am wenigsten, dennoch bindet ER bei seinen wenigen Auftritten IMMER faszinierend: WALLACE SHAWN, 69, New Yorker Autor, Regisseur für Theater/Film/Fernsehen und brillanter „Körper“-Schauspieler („Mein Essen mit André“ von Louis Malle; „Radio Days“ von Woody Allen), der hier kurz in einem Nebenpart als Konzert-Agent Gideon Rosen überzeugt. Einmal mehr wunderbar anspricht.

Dustin Hoffman kommt in den Sinn. Er hat zwar mit diesem Projekt nichts zu tun, hatte aber neulich mit seinem wonnigen Regie-Debüt „Quartett“ einen humanen, themenähnlichen Film geschaffen: „Fröhliche“ Typen „in den Jahren“, in einem äußerst musikalischen britischen Altersheim auf dem schönen Land. Hier nun befinden wir uns in New York. Wo seit einem Vierteljahrhundert das weltbekannte Kammermusikensemble FUGUE STRING QUARTET zu Hause ist. Anlässlich dieses Jubiläums steht demnächst Beethovens „schwieriges“ Streichquartett Nr.14 cis-Moll, op. 131 auf dem Spielplan. Das aus dem Jahr 1826 stammende Stück dauert rund 40 Minuten, besteht aus sieben Sätzen und muss ohne Pause durchgespielt werden. Auch wenn sich die Instrumente während dieser langen Zeit „abarbeiten“. Verstimmen. Eine monumentale Herausforderung für die vier Musiker. Zumal es jetzt noch „dicker“ kommt: Cellist Peter Mitchell, das älteste Mitglied und der geistige Kopf des Quartetts (CHRISTOPHER WALKEN), ist „langsam“ erkrankt. An Parkinson. Noch kann er mitwirken, aber bald schon wird es damit vorbei sein. Seine Kollegen – die Viola-Spielerin Juliette Gelbart (CATHERINE KEENER) und ihr Ehemann Robert, die zweite Geige (PHILIP SEYMOUR HOFFMAN) – sind ebenso bestürzt und irritiert wie der erste Geiger Daniel Lerner (MARK INVANIR). Der zudem mit der Tochter von Juliette und Robert gerade eine „heimliche Liaison“ begonnen hat. Die beruflichen wie privaten Strukturen in diesem bislang immer fest gefügten Team beginnen plötzlich Risse zu bekommen. Was zu herben „Auflösungserscheinungen“ führt. Die über die vielen Jahre gepflegte Harmonie und professionelle Abstimmung beginnt zu bröckeln. Dabei geht es um die „üblichen“ zwischenmenschlichen Gepflogenheiten: Eifersüchteleien, Mauscheleien, plötzlicher Egoismus. Neue Führungsansprüche. Kommen zu Gehör. Während sich das Rest-Ensemble „fein“ zu duellieren beginnt, will Chef Peter unter allen Umständen dem renommierte Quartett noch einmal zu einem phänomenalen Bühnen-Auftritt verhelfen. Aber wie, wenn mittenmal „derartige“ Missstimmungen und Gefühlsausbrüche offen zu Tage treten?

Ein zweigeteilter Film. Toll und banal. Profan in seinen schwächlichen Story-Motiven. Mit harmlosen (An-)Spannungen. Fast ein bisschen seifenopernhaft. Ätsche – bätsche. Ebenso konstruiert, bemüht wie auch ziemlich untönig. Nicht sehr ansprechend. Dafür aber entschädigen DIE SCHAUSPIELER. An der Rampe. Sie sind phantastisch. Wischen quasi das hölzerne inhaltsschwache Drumherum lakonisch locker und intelligent-lässig weg. Adeln das trockene Gedöns von Seelen-Kränkungen mit ihrem charismatischen, phantastisch präsenten, bärenstarken Alpha-Auftreten. „Saiten des Lebens“ ist ein pfundiges, großartiges Schauspieler-Ereignis. So dass gar keine „misstrauische“ Denk- und Ballaststimmung erst Besitz ergreifen kann. So ungeheuerlich gut sind hier diese vier Interpreten. Als überragendes Klasse-Ensemble. Als faszinierende „Marionetten ihrer Instrumente“. Motto: Im Leben eher hop, auf der täglichen Bühne dagegen absolut top. Weil eben dort mit viel einzigartigem Sauerstoff fürs Leben. Berührend. Hantierend. DIES so interpretationstoll ´rüberzubringen, das man „alles Andere“ hinnimmt, locker wegdrückt, kommt auch nicht alle Kinotage vor. Co-Autor, Mit-Produzent und Regisseur YARON ZILBERMAN hat bei seinem melancholischen Spielfilmdebüt das Glück der großen Schauspieler-Gnade gehabt mit diesen vier überragenden, extravaganten, wunderbaren Klassik-Helden Christopher Walken/Philip Seymour Hoffman/Catherine Keener/Mark Invanir (= 4 PÖNIs).

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