Rock of Ages Kritik

ROCK OF AGES“ von Adam Shankman (USA 2011; 123 Minuten; Start D: 14.06.2012); fängt grauenvoll an. Da sitzt so eine junge Provinz-Blondine namens Sherrie aus Oklahoma in einem Bus nach Los Angeles und fängt plötzlich an zu singen. Polemisch könnte man auch sagen: zu kreischen. Und die anderen Leutchen (wie der Busfahrer) stimmen mit ein. Von irgendwoher kommt die Musik und Du denkst – häh, etwa wieder so ein blödes Musical mit der abgehalfterten Story um eine naive Land-Pflanze, die in DER amerikanischen „Hollywood“-Großstadt L.A. auf die große Chance hofft? Über ihren läppischen Grinse-Charme und der blonden Mähne? Und dem Allerweltsstimmchen? Ach du liebe Güte. In was für einen Film-Schmarren bin ich denn hier nun wieder geraten? Dann wird ihr gleich mal auf dem Sunset Strip auch noch der (leere, so fuchtelt sie mit dem herum) Koffer geklaut, was aber den lieben City-Boy Drew auf den (Begegnungs-)Plan ruft. Natürlich wird DER sogleich zum Verbündeten und verhilft ihr schnell zu einem Job. In einer nahegelegenen dampfenden Rock-Pinte. Wo sie dann kellnert und singt, und wo dann auch die Romanze mit Talent Drew ihren Lauf nehmen kann. HALT. Bis hierher und keinen Deut weiter. Furchtbar. Im Schauen und Zuhören. Mit dieser schmierig-schmalzigen (krächzenden) Originalstimme von JULIANNE HOUGH (schon nervend in „Burlesque“ und vor allem im Remake von „Footloose“) und dem Tongedöns vom Debütanten DIEGO BONETA.. Es ist extrem, man will schon abschalten, als der wahre Rock-Spuk beginnt. Der Film sich total verändert. Und die wirklichen Profis aufmarschieren. DURCHHALTEN ist also zunächst angesagt.

USA: Die Geburt des Rock ´n´ Roll: Es war bekanntlich der 17. April 1954. Als BILL HALEY & THE COMETS in einem Studio der Plattenfirma Decca „ROCK AROUND THE CLOCK“ „wegweisend“ aufnahmen. Der Urknall des Rock ´n´ Roll. Danach durften Jerry Lee Lewis („Great Balls of Fire“), Chuck Berry („Sweet Little Sixteen“), Little Richard („Lucille“) und ein Elvis Presley („Tutti Frutti“) “obszön” ´ran. Die musikalische Rebellion. Der „sündige“ Protest. Die Erzeuger waren geschockt. Soviel Bewegung, dermaßen “Geschrei”, und dann dieser empörende Geruch von “SEX”…: Ein TV-Moderator haut in seiner Sendung eine „dieser“ Schallplatten kaputt: „Das sollte man mit diesem Rock ´n´ Roll tun“. Ein Gebrauchtwagenhändler verspricht im Fernsehen, beim Kauf eines seiner Autos „in Gegenwart des Käufers“ Elvis-LPs zu zertrümmern. Das Geschäft blüht. Die Alten waren stinksauer. Hatten aber keine Chance mehr. Rock ´n´ Roll war nicht mehr zu bremsen. Doch die „Gegenwehr“ von den gesellschaftlichen Moral-Aposteln lies nie ganz nach.

„Rock of Ages“ basiert auf dem gleichnamigen Musical von Chris D´Arienzo, der hier auch – gemeinsam mit Justin Theroux + Allan Loeb – das Drehbuch verfasste. 2006 war die L.A.-Premiere, 2008 lief das Stück am Off-Broadway, 2009 kam es am New Yorker Broadway heraus, um danach auf Welttournee (Toronto, Melbourne) zu gehen. 2011 schließlich lief es am „West End“ in London an. ADAM SHANKMAN, 1964 im kalifornischen L.A. geboren, ist Tänzer, Choreograph, Produzent und Filmregisseur. Letzte filmische Duftmarken von ihm waren das Remake von „Hairspray“ (2007, mit John Travolta) sowie „Bedtime Stories“ (2008, mit Adam Sandler). Hier nun foppt er uns in der halben Stunde. Lässt „eklig“ trällern und schmalzen, dass man fast schon „aus dem Gleichgewicht“ gerät, um dann doch loszulegen. Anzustimmen. Die Hymne auf die Achtziger Jahre. Auf DEN Jahrgang. Des wilden, des echten, des einzigartigen, des WAHREN Rock ´n´ Roll. In Hardcore-Version. Mit all seinen Volldampf-Interpreten: Joan Jett & Bon Jovi & Foreigner & REO Speedwagon & Poison & Guns N´ Roses & Scorpions….. ; deren Songs hier die Grundlage bilden. Für den heißen, lauten, coolen Rhythmus. Von Interpreten wie TOM CRUISE („Rock You Like A Hurricane“), ALEC BALDWIN & RUSSEL BRAND („I Love Rock ´n´ Roll”), CATHERINE ZETA-JONES (“We Built This City”) und PAUL GIAMATTI (“Here I Go Again”).

Man traut seinen Augen und Ohren nicht – die angesagtesten “seriösen” Hollywooder in – buchstäblich, wortwörtlich – geilsten Rock-Posen. Denn darum geht es hier „nur“: „Rock of Ages“ ist eine kirre, herrlich überkandidelte, power-rockige Nummernrevue. Die bei richtigem Kino-Ton (wie bei unserer Berliner Pressevorführung) wahnsinnig-toll „abgeht“. Und gierig mitstampfen lässt. In einem Interview mit dem US-„Playboy“ beschrieb der am 3. Juli 2012 50 Jahre alt werdende Tom Cruise die täglichen Vorbereitungsanstrengungen für diesen besonderen Gig: Jeden Tag acht Stunden Training, fünf Stunden Singen, drei Stunden Tanzen. Was sich offensichtlich gelohnt hat. Cruise mimt den exzentrischen Star Stacee Jaxx. Einen tätowierten Exaltierten, mit schwarz lackierten Fingernägeln, einer koddrigen Pelzjacke, darunter „lauert“ der muskulöse nackte Oberkörper, der gerne dauernd „präsentiert“ wird, sowie mit der engen schwarzen Lederhose und einer fettigen Mähne. An seiner ständigen Seite: Halbnackte Groupies und ein intelligenter kleiner Affe als „Gesprächspartner“ und Zureicher. Für die vielen Whisky-Gläser. Stacee Jaxx ist nämlich stets „voll“. Ein Alki mit lallendem Sexy-Durchblick. Wie es eine (attraktive) Interviewerin vom „Rolling Stone“-Magazine hautnah „erlebt“. TOM CRUISE kriecht sensationell „voll peinlich“ und wunderbar lächerlich wie mutig in diesen „riechenden“, taumelnden Macho-Mutanten. Der auf der Rock-Bühne fetzig abgeht, irre explodiert. Cruise, der emotionale Feuermelder und überkandidelte Brandherd, fasziniert. Als Sänger und (Luft-)Gitarren-Akrobat. Mit jeder Pore. Und in JEDER ungestümen Torkel- und Ferkel-Pose. Ebenso wie (der inzwischen 54jährige) ALEC BALDWIN als bauchiger, langhaariger heruntergekommener, sympathischer Club-Besitzer, der sein schwules „Coming Out“ hinreißend mit dem (31jährigen) ewigen Anarcho-Bubi RUSSELL BRAND („Männertrip“) und ihrem Duett „Can’t Fight This Feeling“ feiert. Während die feurige, kostüm-rote CATHERINE ZETA-JONES als besorgte Bürgermeister-Ehefrau und Moral-Zicke kräftig dagegenhält, um endlich diesem „unsittlichen Rock-Treiben“ mit ihrer Tea-Clique ein Ende zu bereiten. Dabei ist sie in Wirklichkeit „scharf“ wie eine Rasierklinge. Auf diesen „heißen“ Stacee Jaxx. Mit dem sie noch eine (intime) Rechnung offen hat…..

Was für eine Klasse Rock-Show. In sattem Hardcore. Als phantastische Sex-Bomb-Performance. Mit viel coolem Augenzwinkern. Und fetzigem Stimmungs-Pfeffer. Bierdeckel-Handlung, was soll’s. Die beiden „Kinderchen“ vom Anfang, wurscht. Auch wenn sie ab und an kärglich weitermachen. Mit Singen. Und doofem Herumtun. Hier dominieren, brillieren die großen Stars. Die als dauerpubertäre, kindische Affen prächtig wie selbstironisch ihren „schmutzigen“ Rock-Zucker WOW ablassen. In skurrilsten Kostümen und „bekloppten“ Neon-Farben. Die 80er halt. Wer die Rock-Musik und speziell DIE VON DAMALS mag, kommt hier voll auf seine Unterhaltungskosten. Die Anderen dürfen weiter-spießen. In der Tat, wie der Untertitel es verspricht:: „NOTHING BUT A GOOD TIME“ ! (= 4 PÖNIs).