RED HILL

Manchmal bedarf es eines Hymnen-Anstoßes von Kollegen, um einen Film auf DVD auch endlich wahrzunehmen. Der, den ich heute vorstelle, steht schon seit Monaten in den Videothek-Regalen, dennoch bin ich erst jetzt auf ihn aufmerksam geworden. Über eine Kritik des von mir sehr geschätzten „Süddeutsche Zeitung“-Kritikers IVO RITZER (vom 6. Juli 2011). – DER mir übrigens vor einiger Zeit mittels seiner Kritik schon einmal geholfen hatte, den vorzüglichen britischen Hardcore-Thriller „TEN DEAD MEN“ zu entdecken -.
Dabei stand „sein“ neuer Film aus Australien bereits im Special-Programm des letztjährigen Berlinale-„Panoramas“ und war danach auch im Aufgebot beim FANTASY-Filmfest von 2010 vorhanden, einem im Übrigen immer film-wertvoller werdenden internationalen Film-Festival. Dennoch bekommt er erst jetzt die verdiente Würdigung:

RED HILL“ von Patrick Hughes (B, Prod., Schnitt+R; Australien 2009; K: Tim Hudson; M: Dmitri Golovko; 95 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 9.12.2010).

Wieder so ein B-Movie-Genre-Hammer. Diesmal angesiedelt im Hochland von Australien. Wohin sich der junge Stadt-Polizist Shane Cooper (RYAN KWANTEN) versetzen ließ. Er hat von der Großstadthektik die Schnauze voll. Und möchte in diesem abgelegenen Kaff namens RED HILL zur Ruhe kommen. Auch und vor allem, weil seine Ehefrau hochschwanger ist und beide ihren Nachwuchs lieber auf dem „ruhigeren Land“ bekommen und aufwachsen sehen wollen. Doch kaum angekommen, findet er im Umzugsgepäck seine Pistole nicht und wird nicht nur deshalb von seinem neuen Vorgesetzten, Polizeichef Old Bill (STEVE BISLEY), mächtig angemacht. Beziehungsweise abgewatscht. Doch allzuviele Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Kommunizieren bleibt nicht, denn ein Jimmy Convoy (TOM E. LEWIS) ist im Anmarsch. Auf Red Hill. Was dort für allgemeine wie „spezielle“ Unruhe sorgt. Denn Jimmy, der Aborigine, DER mit dem Monster-Face, stammt von hier. Ist ein rechtskräftig verurteilter Mörder. Dessen linke Gesichtshälfte verbrannt ist. Aber nicht nur DIE. Auch seine Seele ist völlig verbrannt. Zerstört. Worden. Jimmy gelang gerade der Ausbruch aus dem Knast. WO es ihn hinzieht, ist den Alteingesessenen in der Gemeinde sofort klar. Und in der Tat, die ersten Meldungen bestätigen die Vermutungen: Leichen pflastern unaufhaltsam seinen stummen Weg. Gen Red Hill.

Und je mehr nun auch Cop-Neuling Shane Cooper hierin verwickelt wird, je mehr muß er seine eigene Rechts- und Moralposition überdenken. Denn die Gesetzesvertreter in Red Hill, so zeigt es sich bald, sind keineswegs nur „die Guten“. Ganz im Gegenteil Und schon gar nicht Ober-Sheriff Old Bill, der hier das Sagen hat und dies weidlich nutzt(e). Benutzt(e). Ausnutzt(e). Shane gerät nun mitten hinein in diese Konfrontationen um üble Alt-Geschehnisse und unbeglichene, blutige Rache-Rechnungen. WIE soll ER sich positionieren? „Amtlich“ oder „privat“??? Jimmy Convoy setzt währenddessen die Music-Box mit seinem persönlichen Lied vom Tod stimmungsvoll in Gang. Und zieht eiskalt „sein Django-Ding“ weiter durch.

„Red Hill“ ist ein moderner Polizeifilm-Western. Mit Horror-Elementen. Im australischen Heute angesiedelt. Erinnert an die billigen wie fasznierenden Kult-Anfänge eines John Carpenter („Assault – Anschlag bei Nacht“/1978). A la: Wenn die Kälte dominiert. Und es nicht vieler Worte bedarf, um die spannende Show voranzutreiben. In der sich Gut & Böse bei dieser aggressiven Typen-Performance nicht ausmachen lassen. Zynismus triumphiert. Verdorbenheit. Grausamkeit. Viehische Brutalität. Und mittendrin: Das „Bübchen“ Shane. Ein ganz und gar friedfertiger netter Bursche. Der noch niemals in seinem Berufsleben auf jemanden schießen mußte. Und DEN es jetzt gleich „voll erwischt“. Der sich nun entscheiden darf. Von wegen WER bin ich und WAS mache ich. Verantworte ich. Denn:
Wie rotzte es schon Western-Legende „KEOMA“ in dem gleichnamigen Pracht-Western von 1976 cool-nüchtern ‚raus: DIE WELT IST DRECKIG. DER MENSCH IST SCHLECHT. Also nimm‘ gefälligst das Gesetz in die eigenen Hände. Wenn es halbwegs „gerecht“ zugehen soll. Beim Kino. Shane Cooper muß sich also entscheiden. Und zwar schnell. SEHR schnell.

„Red Hill“ wurde ohne Zuschüsse innerhalb von vier Wochen mit dem Geld von privaten Investoren in OMEO, im australischen Hochland, gedreht. Vor phantastischer, beeindruckend eingefangener Naturkulisse. Sein Debütfilm, so Patrick Hughes im Bonusmaterial, sei inspiriert von Klassikern wie „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (von John Boorman/1971) und „Ein Fremder ohne Namen“ (von + mit Clint Eastwood/1972). Aber auch von einem schwarzen Neulich-Western wie „No Country For Old Men“ von den Coen-Brüdern (2007). Thema: Einer wurde einst isoliert. Ausgestoßen. Aus der Gemeinschaft. Wurde reingelegt. Übelst gedemütigt. Vernichtet. Und wehrt sich nun. Nach Jahren. Als Quasi-Toter, der nichts mehr zu verlieren hat. Den nichts mehr zu erschrecken vermag. Dessen Herz ein Stein ist, das nur noch nach Vergeltung schreit. Was die einstigen Schänder und heutigen „braven Bürger“ in Angst und Panik versetzt. Und einen sensiblen jungen Polizeimann in arge Bedrängnis bringt. Versetzt.

Ein „Racheengel in Australien“ heißt es in der Kritik-Überschrift der „Süddeutschen“ zu diesem DVD-Film. Trifft die Pointe genau: Ein übler Bursche zieht seinen vorbestimmten, schmutzigen, elenden Weg. Denn die Schuldigen müssen endlich leiden. Büßen. Oder umgekehrt. Thema: Gebe ihnen Saures, Du alter australischer Django-Bronson-Dirty Harry-Fighter.
„Red Hill“ ist ein tolles Rotz-Movie von B-Spaß. Das Genre lebt. Und bebt schön-dreckig-unterhaltsam (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „Kinowelt Home Entertainment“