THE PURPLE ROSE OF CAIRO

PÖNIs:       (5/5)

„THE PURPLE ROSE OF CAIRO“ von Woody Allen (B + R; USA 1984; K: Gordon Willis; M: Dick Hyman; 82 Minuten; deutscher Kino-Start: 03.10.1984).

Woody Allen, der intelligenteste Filmemacher in den Staaten und zugleich der europäischste. Dabei hat er, weil er eben noch Stories, Ideen entwirft, die nicht am Computer oder in einem Trickstudio entstehen und noch etwas mit Figuren, Menschen zu tun haben, wieder einmal so einen richtig “altmodischen“ Film gemacht, der schon während seiner europäischen Erstaufführung bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes auf riesige Kritik- und Publikumsbegeisterung stieß. (Und nur deshalb keinen Preis bekam, weil er nicht im Wettbewerb, sondern außerhalb lief.) Er spielt während der amerikanischen Depression in den Dreißigern.

Cecilia, hinreißend von der Allen-Ehefrau Mia Farrow gespielt, schlägt sich und ihren arbeitslosen, grobschlächtigen und stets hungrigen Ehemann als Bedienung in einem kleinen Imbissladen durch und findet nur Abwechslung und totale Ablenkung vor dem grauen Alltag im Kino an der Ecke. Wo eines Tages etwas Ungeheuerliches passiert. Die Lieblingsfigur aus ihrem Lieblingsfilm „The Purple Rose Of Cairo“ staunt darüber, dass sie sich den Streifen nun schon das dritte Mal hintereinander ansieht, steigt kurzerhand aus dem Film aus und flitzt zu ihr hin ins Parkett. Und brennt mit ihr durch. Eine unglaubliche Romanze beginnt, während die Filmfiguren verunsichert sind, das Publikum vor so viel “Eigenständigkeit“ erbost reagiert und Hollywood aufgeschreckt ist ebenso wie der Schauspieler, der diese Figur kreierte, die nun abhandengekommen ist. Wird Tom Baxter, so heißt der charmante Filmboy, wieder auf die Leinwand zurückkehren, damit der Film endlich weiterlaufen kann?

Woody Allens neuester Geniestreich ist eine himmlische Hymne auf das geliebte Kino, ist eine wunderbare Verbeugung vor dem “verführerischen Charme: der Phantasie als Gegensatz zur schmerzlichen Härte des wirklichen Lebens“, wie Allen es nennt, ist eine cineastische Poesie, die ihresgleichen sucht (= 5 PÖNIs).

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