Potemkinsche Stadt Kritik

DIE POTEMKINSCHE STADT“ von Mischka Popp und Thomas Bergmann (B + R; D 1988; 94 Minuten; Start D: 01.02.1990)

Im 18. Jahrhundert reiste die Zarin Katharina die Zweite durch Russland. Auf ihrer Reise besuchte sie auch den Fürsten Potemkin. Der hatte, um die Dame mit der Größe seines Besitzes zu beeindrucken, ein Dorf aus Pappmaché errichten lassen. In Wirklichkeit war alles nur Fassade Seit dieser Geschichte gibt es die Bezeichnung „potemkinsches Dorf“. Wer diesen Ausdruck nicht kennt, wird auch mit dem Titel „Die potemkinsche Stadt“ nichts anfangen können.

„Die potemkinsche Stadt“ ist ein Dokumentarfilm über europäische Trabantenstädte. Die Regisseure, Thomas Bergmann und Mischka Popp, erklären den Titel des Filmes an keiner Stelle. Vielleicht ist das ja auch besser so, denn eigentlich stimmt der gar nicht. Immerhin sind Trabantenstädte bewohnbar, also nicht nur Kulisse. Vielleicht haben die Regisseure mit der Wahl des Titels auch nur ihrem Hang zu den Künsten Ausdruck verleihen wollen.
Denn neben den Bildern von kaputten und verlassenen Hochhauskomplexen werden Texte mit geheimnisvoller Stimme gelesen. Erst im Abspann erfährt man, von wem diese Texte sind: nämlich von Kafka, Hugo und anderen namhaften Schriftstellern. Nicht genug damit, es gibt noch mehr künstlerisches im Film: Manchmal tanzen Schwarze in Overalls auf dem Dach eines Hochhauses zur Musik von Albert Mangelsdorff. Und manchmal steht ein Fernseher
in einer Ruine, im Hühnerstall oder auf einem Autowrack.

Diese Einstellungen sind .oft minutenlang, wobei die Kamera von links nach rechts schaukelt. Außerdem werden im Film ehemalige Bewohner von Hochhäusern interviewt. Die sind alle entweder neurotisch, kriminell oder drogenabhängig. t Was ist nun die Moral der Geschichte? Dass in verrückten Häusern verrückte Menschen leben? Oder das ignorante Architekten in ihren schrecklichen Gebäuden selbst krepieren sollen?

„Die potemkinsche Stadt“ bringt keine neuen Informationen über Trabantenstädte, der Film ist sterbenslangweilig und hat eigentlich nur eine Botschaft: Hochhäuser sind menschenunwürdig und hässlich.
Aber bitte sehr: wer wusste das nicht auch vorher (= 1 PÖNI)?