Portugal, mon amour Kritik

PORTUGAL, MON AMOUR“ von Ruben Alves (Co-B + R; Fr/Portugal 2012; Co-B: Jean-André Yerlès, Hugo Gélin; K: André Szankowski; M: Rodrigo Leao; 87 Minuten; Start D: 29.08.2013); heißt im französischen Original “La cage dorée”, also “Der goldene Käfig”, und trifft es präziser:

Seit über zwei Jahrzehnten lebt die portugiesische Familie Ribeiro in Paris. Im noblen 16. Arondissement. Wo Maria Ribeiro (RITA BLANCO) sich als Concierge in einem herrschaftlichen Haus unentbehrlich gemacht hat. Ihre Gutmütigkeit, ihr Fleiß und ihr Rat sind permanent gefragt. Dass sie „dabei“ eigentlich ständig in Anspruch genommen ist, ausgebeutet wird, ist ihr egal. Sie akzeptiert dies und tut es gewohnt pflichtbewusst gerne. Ebenso wie Ehemann José (JOAQUIM de ALMEIDA). Der als fleißiger Spitzenarbeiter in einer Baufirma ebenso bzw. deswegen auch sehr geschätzt wird. Die Kinder von Maria und José wurden in Frankreich geboren und fühlen sich natürlich hier heimisch. Während die Eltern immer mal wieder von einer Doch-Rückkehr in die alte Heimat träumen. Eine Haus-Erbschaft in Portugal lässt plötzlich diese Träume in reellem Licht erscheinen. Doch weder die Eigentümergemeinschaft im Wohnhaus der Beiden noch der Chef des Bauunternehmens wollen dies „zulassen“. Haben vom möglichen „Ausstieg“ der Ribeiros gehört und setzen nun alles dran, sie „hier“ „zu behalten“. Ohne dass Maria & José ahnen, dass man drumherum von ihren neuen (Abreise-)Plänen bereits weiß. DIE wundern sich nur über die plötzlichen umfangreichen materiellen wie wohnlichen neuen „Zugeständnisse“ und über die plötzlichen privaten wie respektvollen Annehmlichkeiten. Die ihnen bereitet werden. Natürlich werden sie bald stutzig und bekommen mit, warum wie der Hase SO läuft. Und nehmen hübsch „Revanche“.

Eine gutmütige Culture-Clash-Komödie. Mit einem gut aufgelegten Ensemble. Lief am 24. April 2013 in den französischen Kinos an und entwickelte sich dort zu einem Publikumshit. Mit weit über einer Million Interessenten. Einmal mehr – es ist amüsant, WIE das „die Franzosen“ hinkriegen: Eine multikulturelle Geschichte charmant aufzutischen; diese sowohl mit einer schelmischen Leichtigkeit wie auch mit einem überzeugenden gesellschaftlichen Bewusstsein zu vermengen; also diese eigentlich „leichte Handlung“ mit ernsten Themen wie Klassenschranken und der kritischen Betrachtung von sozialen Verhältnissen spitzbübisch –lächelnd zu verbinden. Ohne Kitsch, Trara und trockenem Botschaftsterror. Alle Achtung. Mal wieder.

„Portugal, Mon Amour“ ist ein verschmitztes, melancholisch- angehauchtes Vergnügen über unsere bekannte Umgangsart, nämlich dass wir bestimmte Menschen mögen, dies aber bisweilen erst „richtig“ erkennen und zu (be-)werten wissen, wenn sie sich längst nicht mehr in unserem Umfeld bewegen. Nichts filmisch Großes, sondern eine schöne, clevere Kleinigkeit. Von französischer „Volkskomödie“ (= 3 PÖNIs).