PÖNIs BLOG (21): EINNEHMENDE MOMENTE & MOTIVE

„Billy Elliot“ (Universal Pictures)

1.) Pöni-PRIVAT: Heute, am Donnerstag, 29. November, war es wieder einmal soweit. Ich war, während einer Pressevorführung, „weg“. „Gefangen“ in einem großartigen neuen. Film. WIE gefangen? Es gibt sie wirklich, diese Magie, die nicht unbedingt etwas mit Zauberern zu tun haben muss; diese Faszination, die einen bisweilen total einnimmt. Weil einen das Geschehen auf der Leinwand riesig packt. Bewegt. Berührt. Mit-nimmt. Völlig vergessen lässt, dass man sich doch – wie täglich-gewöhnlich – „nur“ in einem Lichtspielhaus befindet und sich dort „nur“ einen Film anschaut. Ich nenne dies seit vielen Jahren das „Billy Elliot“-Motiv. In diesem einzigartigen britischen Spielfilm aus dem Jahr 2000 (inszeniert vom Debütanten Stephen Daldry/s. Kino-KRITIK) will ein junger Bursche aus dem nordenglischen Durham anstatt Bergarbeiter, wie es in seiner Familie seit Generationen üblich ist, Ballett-Tänzer werden. Eine Szene darin zählt zu denen, die ich NIE vergessen werde: Billy stellt sich in London bei der Ballett-Akademie vor und wird gefragt, WARUM er denn Tänzer werden will. Lange kommt aus dem Jungen nichts ´raus bis es schließlich aus ihm heraussprudelt: Wenn er tanzt, ist ihm, als bewege sich nicht nur sein Körper, sondern auch seine Seele einverständlich mit.

François Truffaut (1965 vor dem Kino „CinéTol“ in Amsterdam); Quelle: http://proxy.handle.net/10648/aa9940a0-d0b4-102d-bcf8-003048976d84 //
Nijs, Jac. de / Anefo

In jungen Jahren gab es viel Stress. Familie, Schule, private Scharmützel, die Anforderungen, der unerhörte Druck. Für einen zu früh ins reale Leben „Geschmissenen“ (mit 5 Jahren bereits: Einschulung; plus fortwährende „Folgen“). Diesem konnte ich – sehr oft – nur aus dem Weg gehen, in dem ich mich ins Kino begab. Ganz besonders „halfen“ mir die Filme des Franzosen FRANCOIS TRUFFAUT (*6. Februar 1932 – †21. Oktober 1984). Vor allem – Truffaut war Humanist. In seinen Werken wie: „Sie küßten und sie schlugen ihn“ (1959) – ein 14-jähriger lernt das Leben über das Kino kennen anstatt in der Schule und im Elternhaus -; „Jules und Jim“ (1962) – eine Liebe zu dritt (mit Jeanne Moreau + Oskar Werner); „Liebe mit zwanzig“ (1962) – ein fünfteiliger Episodenfilm von namhaften europäischen Filmemachern, bei dem die 20-minütige Truffaut-Episode „Antoine und Colette“ (mit Jean-Pierre Léaud) herausstach; „Fahrenheit 451“ (1966) – sein einziger englischsprachiger Streifen um eine zwangs-glückliche Gesellschaft, in der Bücher verboten sind und verbrannt werden (mit Oskar Werner + Julie Christie), spürte ich Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, das glaubhafte Bemühen um Menschlichkeit. Inmitten eines gedrillten Umfelds. Später kamen wunderbare filmische Lebens-Balladen dazu wie „Die amerikanische Nacht“ (1973) – um die Leidenschaft „Film-Herstellen“ (mit Jean-Pierre Léaud + Jacqueline Bisset) sowie „Taschengeld“ (1976) –  der Alltag in einer französischen Kleinstadt aus der Sicht von drangsalierten Kindern. Truffaut bezog Stellung für Schwächere, ohne dabei die ideologische oder aggressive Fahne zu bemühen. Zu hissen. Seine Filme waren, trotz der vielen (An-)Spannungen, auf unglaubliche Weise von einfacher spielerischer Leichtigkeit. NACH einem Truffaut-Film war „vieles besser“ und die eigene aufgewühlt Seele „beruhigt“.

Heute war es wieder einmal „so“. Ich vergaß alles um mich herum. Bei einem ISLÄNDISCHEN FILM betitelt: „GEGEN DEN STROM“. Kommt am 13. Dezember in unsere Kinos und entpuppte sich sowohl als hervorragendes Frauen-Drama wie auch als süffisanter, stänkernder Polit-Thriller. Einzelheiten in zwei Wochen zum Kino-Start, doch schon jetzt: „Gegen den Strom“, der Titel ist spannendes Programm, zählt mit zu den besten Kinofilmen des Jahres 2018. Er zieht einen in den unterhaltsamen Bann, vermag dabei prächtig kopflastig zu formulieren, ist über seine „doppelte“ Hauptakteurin Halldóra Geirhardsdóttir eine überragende darstellerische Wucht; erzählt von einer ganz starken, wunderbaren kämpferischen Öko-Frau. In unseren bedrohten Zeiten. Die Film-Empfehlung gilt ab sofort. P.S.: Heute war ein guter Tag. Denn man sollte nicht nur täglich einen Apfel für die Gesundheit verspeisen, sondern auch mindestens einen guten Film sehen. Gesehen haben. Danke Island. 

2.) Pöni-LITERATUR: Bin beim Schmökern in meiner Lieblings-Bücherei, der Bücherstube Marga Schoeller, gleich bei mir um die Ecke in Berlin-Charlottenburg, kurz vorm Ku’damm, auf einen Taschenband gestoßen, der nicht nur Spaß versprach, sondern auch einhielt: „DER BERLIN-CODE“. Untertitel: „Eine Bedienungsanleitung in elf Geboten“. Stammt zwar von 2016, ist aber weiterhin „gültig“. Thema: Der Berlin-Boom und seine Folgen. Für Einheimische wie Zugereiste. Beziehungsweise: Kurz-Zureisende. Die Initiative „Like Berlin“ hat Hauptstädter nach ihrer Meinung gefragt, wie das so (geworden) ist: Mit dem Da-Sein in Berlin. Wie sie, die Befragten, die Grundwerte dieser „speziellen“ Stadt definieren. Aus ihren Antworten auf den Frage-Plakaten haben Alexander S. Wolf und Brenda Strohmaier eine Bedienungsanleitung in elf Geboten kreiert. Motto: Wahnwitzig, originell, aufrichtig-kess als eine Art typische Berliner Schnauze-GmbH & Co. KG. Oder so. 173 Seiten Berlin als brodelnder Kultur-Vulkan. Riecht lässig-locker Papier-gut.

3.) Pöni-MUSIK: Fängt schon früh an. „Das“ mit „Weihnachten“. Kaum naht der 1. Advent, schmeißt sich dieser Jedes-Jahr-um-diese-Zeit-Ohrwurm wieder in den Sinn. Natürlich: Der Klassiker – „DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL“, diese legendäre Märchenfilm-Co-Produktion DDR/Tschechoslowakei von 1973. Mit dieser unglaublich schönen, einfühlsamen Titel-Musik vom tschechischen Komponisten KAREL SVOBODA (*19.12.1938 – †28.1.2007). Als ich diese warm-seeligen Klänge das erste Mal hörte, werde ich nie vergessen, war ich ganz sicher, sie stammen vom italienischen Soundtrack-Meister Ennio Morricone. Um so überraschter war ich, als ich erfuhr, wer sie wirklich komponiert und arrangiert hat. Ab sofort: Das alljährliche Mitsummen und das unweigerlich dazugehörige lächelnde Bewegen ist wieder fröhlich annonciert. P.S.: Der Film läuft vom 24. bis zum 28. Dezember insgesamt 12 x in verschiedenen ARD-Kanälen.

Wünsche eine tänzerische gute Woche. HERZlich: PÖNI Pönack