BILLY ELLIOT – I WILL DANCE

Um es gleich vorwegzunehmen – heute werden Sie kein gestrenges Kritiker-Wort hören. Heute gibt es ausnahmslos – eine HYMNE. Eine Hymne auf einen neuen und wirklich schönen Kinofilm aus Großbritannien. Titel:

„BILLY ELLIOT- I WILL DANCE“ von Stephen Daldry (GB 2000; B: Lee Hall, K: Brian Tufano; M: Stephen Warbeck; 110 Minuten; deutscher Kino-Start: 30.11.2000). Der Regisseur war bis vor kurzem Direktor des „Royal Court Theatres“ in London; “Billy Elliot“ ist sein beeindruckendes Debüt als Spielfilm-Regisseur. Basierend auf einem Drehbuch des Fernseh-, Theater- und Radio-Autoren LEE HALL. Der sich beim Drehbuch-Schreiben durch eigene Jugenderfahrungen inspirieren ließ.

Wir befinden uns im Jahr 1984 in einer kleinen Bergarbeiter-Region im Norden Englands. Dort sollen die Kohleminen geschlossen werden, deshalb sind die Leute in Aufruhr und die Zechenkumpel auf der Straße. Eine explosive Stimmung. In der der 11-jährige Billy mit seinem alleinerziehenden Vater und seinem älteren Bruder und seiner etwas verwirrten Großmutter aufwächst. Vater und Bruder möchten aus Billy einen “ganzen Kerl“ machen und schicken ihn zum Boxen. Doch Billy hegt keinerlei Interesse am Faustkampf, stattdessen zieht es ihn magisch zu den Ballettübungen der Schulmädchen nach nebenan. Wo die Lehrerin, Mrs. Wilkinson (JULIA WATERS), sofort auf die außergewöhnliche tänzerische Begabung dieses Jungen aufmerksam wird. Doch die häuslichen Konflikte sind vorprogrammiert. Ein Junge und Ballett? Igitt: sowohl Vater als auch der Bruder sind strikt dagegen. Doch was sich so ein selbstbewusster, sturer kleiner Bursche einmal in den schlauen Kopf beziehungsweise in den talentierten Körper gesetzt hat, das lässt er und das lässt ihn nicht mehr los: Billy Elliot besteht vehement auf sein gutes Recht, Tänzer zu werden. Gegen alle Widerstände.

Das Sprichwort “Wo ein Wille ist auch ein Weg“ in bester filmischer Umsetzung. Weil eben nicht auf kitschigem Hollywood-Niveau à la “Vom Tellerwäscher zum Millionär“, sondern inzwischen typisch und ganz wunderbar “britisch“. Also mit vielen überzeugenden Haken- und Ösen-Motiven, mit einer gescheiten Dramatik und einer akzeptablen, angenehmen Sentimentalität: Emotionen/Gefühle werden originell entwickelt und sind HERZlich willkommen. Dazu: Diese großartigen Ensemble-Darsteller. Der hierzulande wenig bekannte GARY LEWIS zum Beispiel als Vater berührt ungemein mit seiner intensiven Körper-Sprache. Während der heute 14-jährige Debütant JAMIE BELL als Billy eine sagenhafte Ausstrahlung besitzt. Wie er kraftvoll und sensibel seinen kleinen couragierten Helden vorführt, ist ebenso wie seine tänzerische Energie von immensem Unterhaltungswert. Jamie Bell ist ein in jeder Hinsicht tolles Talent.

Fazit also: “Billy Elliot – I Will Dance“ ist ein neuer Kinofilm, der richtig gut tut! Der soziales Klima und individuelle Geschichte klug zu verbinden versteht. Der die Arbeiter-Milieu-Atmosphäre und die private Figuren-Entwicklung stimmungsvoll wie seriös einfängt und beschreibt. Ohne Übertreibungen, ohne künstliches Gehabe und faule Tricks, dafür eben mit sehr viel faszinierendem, überzeugendem Gefühl. “Billy Elliot – I Will Dance“ ist ein Glücksfall für das Kino. Einer der ganz wenigen in diesem Jahr… (= 5 PÖNIs).

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