Perfect Kritik

PERFECT“ von James Bridges(USA 1985; nach einem Artikel, erschienen im ‘Rolling Stone‘, von Aaron Latham, K: Gordon Willis; 115 Minuten; Start D: 12.12.1985)

Schon die Mama, die mit bürgerlichem Namen Jeannette Morrison hieß, war eine Augenweide. Als Janet Leigh bezirzte sie in den Fünfzigern und Sechzigern in zahlreichen Unterhaltungsbeiträgen Hollywoods Männerelite. Während mittendrin kein geringerer als Alfred Hitchcock ihr 1960 mit einer einzigen Szene in “Psycho“ ein Denkmal setzte, als sie unter der Dusche in der berühmt-berüchtigten Schwarz-Weiß-Spannung vom tobenden Anthony Perkins effektvoll gekillt wurde. Aus der Ehe mit Tony Curtis ging 1961 Tochter JAMIE LEE CURTIS hervor, eine hochgewachsene Attraktion, die seit 1978, seit dem Debüt in dem Carpenter-Schocker “Halloween“, in die Fußstapfen ihrer berühmten Erzeuger getreten ist und nach etlichen Rollen in meistens sehr schlechten Gruselfilmen schließlich vom Fachmagazin “Fangoria“ 1980 als die “Königin des Horrorfilms“ tituliert wurde. Nach einigen TV-Arbeiten darf nun die gut gebaute Schönheit in diesem Fitness-Spektakel endlich einmal zeigen, was sie drauf hat. Als Aerobic-Trainerin Jessie tollt und springt sie durch die bunte Szenerie, als gelte es, auch die letzten Körperkultur-Muffel zu überzeugen. In ihrem Schlepptau aalt sich der schnurrende “Rolling Stones“-“Reporter“ Adam Lawrence, den JOHN TRAVOLTA als feuchte Playboy-Imitation vorführt, die zwischendurch schnell mal noch die Berufsehre verteidigen muss, ehe es nach den lauen Spierenzchen der Süßen endlich mit den Beiden funktioniert.

Schöne Menschen inmitten einer gesunden, sauberen Umgebung, klar, dass da die Probleme kaum auffallen, schnell erledigt und abgehakt werden, schließlich Lebensfreude durch Fitness, heißt das Motto und der Seelenreiniger. Medizin nach Noten ist out, Aerobic-Erotik ist das Gebot der Stunde. Das so ernst und dämlich verkauft wird (und mit so plumpen Macho-Sprüchen: „Sie ist das am meisten benutzte Gerät im Raum“), dass hin und wieder lachen angesagt ist. Ein doofes Macho-Getue im schicken Milieu mit Schöner-Wohnen-Atmosphäre und lauter Leuten, die in der Mehrzahl wissen, was sie in dieser Gute-Laune-Welt wollen. Die für diese Plastik-Zeit wie geschaffen sind. Die es zu was gebracht haben und perfekt sein wollen. Im Geschäftemachen wie im Aussehen.

Der Streifen ist ein flotte Fleischbeschauung mit Pseudo-Sprüchen und aufgesetzten Gesellschaftsproblemchen, die nur Tarnung für die immer wieder laut und deutlich herausgestellte Überschrift sind: “Ich bin perfekt – ich bin verfügbar“. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte man diesen verlogenen, oberflächlichen Hokuspokus in den Müll gepackt, heute verdient man damit schon wieder Millionen (= 1 PÖNI).