PASSENGERS

PASSENGERS“ von Morten Tyldum (USA 2015/2016; B: Jon Spaihts; K: Guy Hendrix Dyas, Rodrigo Prieto; M: Thomas Newman; 116 Minuten; Start D: 05.01.2017); mit seinem dritten Spielfilm „Headhunters“ (s. Kino-KRITIK), dem erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten in Norwegen, hat sich 2011 der norwegische Regisseur MORTEN TYLDUM, Jahrgang 1967, die Eintrittskarte nach Hollywood verschafft. Sein erstes englischsprachiges Werk „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (s. Kino-KRITIK) erhielt acht „Oscar“-Nominierungen und bekam die Trophäe in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Die aktuelle Produktion, „Passengers“, budgetiert mit 110 Millionen Dollar, hat Morten Tyldum verpatzt.

Dabei klingt die Idee hochinteressant. Motto: Es waren einmal – zu viele Menschen auf dem Planeten Erde. Erst 7 Milliarden, wie derzeit, dann immer mehr. (In absehbarer Zeit werden wir 10 Milliarden Lebewesen sein, behaupten die amtlichen Vorausschauer). Deshalb wurde dieses gigantische wie feudale Luxus-Raumschiff namens AVALON gebaut. Mit beziehungsweise in diesem düsen über 5000 Passagiere in Richtung eines neuen, besser bewohnbaren Planeten, genannt Homestead Two. Dauer dieses Trips: 120 Jahre. Damit Mensch dort nicht „alt“ und Greisen-gebrechlich ankommt, wurden die Reisenden in eine Kapsel verpackt und in Kälte-Schlaf versetzt.

Jim Preston, um die 30, Mechaniker (CHRIS PRATT), wacht 90 Jahre zu früh auf. Grund: Ein Meteoriten-Sturm erwischte die Avalon, schüttelte sie kräftig durch und ließ Jim viel zu früh wach werden. Erst ist Jim irritiert, dann nimmt er zwangsläufig „das Angebot“ an: Er, gut versorgt, aber ganz alleine in diesem All-„Titanic“-Raumschiff. Ein Jahr kaspert er dort so herum, bis ihm schließlich dieser Solo-Zustand zu langweilig und einsam wird. Eine „Eva“ muss her. Sie ist jung, schön, blond und heißt Aurora (JENNIFER LAWRENCE). Er weckt sie verbotenerweise auf. (Sagt ihr dies aber nicht, also dass ER sie aufgeweckt hat, jedenfalls vorerst nicht). Jetzt kommt Leben in die große Bude. Jim & Jane treteln wie Adam & Eva – jetzt neu im Paradies-All. Beziehungs-Motto: Es geht wieder los. Erst wird gebalzt, dann gepoppt. Diese Turteltäubchen. Aber: irgendwann läuft auch DAS aus dem emotionalen Ruder. Also wird Hokuspokus-Spannung verbreitet. Die aber auch nicht richtig zündet.

Nochmal: Eigentlich ein tolles Fiction-Thema: Die Menschheit haut „woanders-hin“ ab. Weil die Erde immer unwohnlicher geworden ist. Aber: Thema verschenkt. Vermurkst. Verfehlt. Außen hui, mit dieser bombastischen, überdimensionalen Avalon-Architektur; innen neckisch, mit diesen sich ewig hinziehenden üblichen Flirt- & Sex-Kabbeleien. In schmucken, vielversprechenden, aber arg schlichten 3 D-Hochglanz-Bildern.

„Oscar“-Star JENNIFER LAWRENCE („American Hustle“), 26, tritt als gut geputztes Modell-Püppchen auf, als eine verlockende, verführerische Aurora-Eva, ganz auf „taff“ getrimmt. CHRIS PRATT, zuletzt einer der matten „glorreichen Sieben“-Nachfolger und davor in der „Jurassic World“ aktiv, mimt den soften Lover-Boy mit einiger Helden-Puste.

Und was können wir daraus empfangen: Auch künftig dominierten Triebe, Liebe, Hiebe zwischen den Geschlechtern. Heute wie morgen. Unten wie oben. „Passengers“, der Film, wird – nach furiosem Anfang – immer langweiliger, „stehender“, einfallsloser. Nach dem Pusteblumen-Motto: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie…gähn. Und wenn dann nichts mehr geht, wird halt irgendwie eine imposant-gefährlich ausschauende Feuer-Brunst lauthals installiert.

„Passengers“ ist eine nur mäßige All- und Raumschiff-Show (= 2 PÖNIs).