Pappa ante portas

PAPPA ANTE PORTAS“ von Renate Westphal-Lorenz und Vicco von Bülow (B+R; D 1991; 89 Minuten; Start D: 21.02.1991).

ER hat wieder zugeschlagen. ER, das ist Vicco von Bülow, den wir besser als LORIOT kennen und schätzen. Loriot, das ist wie ein ganz hervorragender Wein: Je älter, desto besser. 67 ist er inzwischen, aber kein bisschen leiser, sondern frecher und böser denn je. Loriot, das sind die berühmten Cartoons, das ist aber auch Satire im Fernsehen, Theater, Oper und seit 1987 endlich auch Kino. Und: Das ist diese andeutungsvolle, doppeldeutige, unvollständige Satz-Sprache, das sind Gesten, Bewegungen und Humor, wie es “deutscher“ gar nicht mehr geht. Loriot, das bedeutet: den Leuten aufs Maul und in den Kopf zu schauen. Was dabei herauskommt, sieht und hört sich im ersten Moment unverfänglich und albern an, ist aber Pointe pur. Ging es in “Ödipussi“, dem ersten Kinofilm, noch um das ewige Muttersöhnchen, ist jetzt in “Pappa ante portas“, also: “Pappa vor der Tür“, der ganze Mann und Familienvorstand gefragt.

Er heißt Heinrich Lohse und benimmt sich auch so. Heinrich ist 60, Einkaufsleiter einer großen Firma und pensionsberechtigt. Zuhause, in einer gutbürgerlichen Villa, hat man es sich lange Zeit ohne ihn gemütlich eingerichtet. Ehefrau Renate schätzt die wohlige Sicherheit und Ruhe, und der 16jährige Sohn Dieter vermisst Pappa eigentlich auch nicht. Jetzt aber steht selbiger vor der Tür und droht mit ständiger Anwesenheit. Der schöne Haus-Frieden gerät erst in Unordnung, dann in Gefahr. Denn ein Heinrich Lohse ist es gewohnt zu bestimmen. Zu sagen, was wann wie wo und mit wem gemacht wird. Und eckt jetzt damit natürlich überall an. Das komische Unglück nimmt seinen Lauf.

Loriot‘s “Pappa“ ist köstlich. “Mann und Frau passen einfach nicht zusammen“, lautet sein aufmüpfiges Thema. Und er ist auf angenehm böseste Weise permanent bemüht, dies unnachgiebig vorzuführen. “Pappa ante portas“ ist eine prächtige, schwarzhumorige Revue von teilweise urkomischen, unanständigen, hintergründigen Gag-Nummern, die den alltäglichen Geschlechterkampf und das deutsche Seelen-Gemüt ziemlich gemein genau treffen. Dabei spielt Loriot wie ein kleines Kind, scheut vor keiner Albernheit und Frechheit zurück und gibt uns lachend zu denken. Der wunderbare Humorist Loriot hat wieder einen wunderbaren Film gemacht (= 4 ½ PÖNIs).