ÖDIPUSSI

LORIOT alias Vicco von Bülow, einer unserer Spitzen-Humoristen, hat seinen ersten Kinofilm gedreht. Titel: „ÖDIPUSSI“ von Vicco von Bülow (B, D+R; D 1988; 88 Minuten; Start D: 10.03.1988).

Paul Winkelmann ist 56 und ein Mutter-Söhnchen. Seine Mama bevormundet ihn wie zur Lausbubenzeit, und Er, der ‘Junge‘ mit dem schon graumelierte Haar, findet das meistens ganz prima. Nur “Pussi“, das soll nun seine Mama nicht mehr zu ihm sagen. Aber sonst… wäre alles in bester Familienordnung geblieben, würde da nicht eines trockenen Tages Margarethe in sein etwas verschusseltes Leben treten. Margarethe ist Diplom-Psychologin und im übrigen mit genauso einer herrischen Mutter ausgestattet. Und beide Mütter reagieren auch ziemlich säuerlich, als sie von den ersten Annäherungsversuchen ihrer beiden “Kinder“ erfahren. Paul aber will‘s wissen. Verschleppt Margarethe erst für ein Wochenende nach Mailand und dann, samt ihrer Eltern, zu seiner nun auch noch singend auftrumpfenden Mutter. Die Stimmung kann gar nicht frostiger …und komischer sein.

Ein verrückter Spaß, ein sympathischer Film. Loriot gibt erst gar nicht vor, ein außerordentlich gewiefter SPIELFILM-Regisseur zu sein, sondern setzt voll und ganz auf seine wunderschönen Nummern und Eskapaden, die jeden Zwischendurch-Leerlauf immer wieder vergessen lassen. Loriot hat wieder viel ins nervöse, spannungsgeladene Spießer-Leben gegriffen, hat wieder ganz präzise beobachtet und den Leuten aufs Maul geschaut und attackiert ebenso hinterfotzig wie nuanciert das “gehobene Bürger-Milieu“ und dessen albernes Getue. Als Autor, Regisseur und Hauptakteur‘ in einer Person erzählt er von diesen kleinen, banalen, ekligen, aber ebenso unsagbar komischen Alltagsdingen, die uns alle irgendwo mal oftmals verrückt werden lassen, Polt und jetzt Loriot im Kino: der deutsche Film vergnügt derzeit auf Hochtouren (= 4 PÖNIs).