NUR EIN KLEINER GEFALLEN

„NUR EIN KLEINER GEFALLEN“ von Paul Feig (Co-Produzent + R; USA 2017; B: Jessica Sharzer; nach dem Roman „A Simple Favor“ von Darcey Bell/2017; K: John Schwartzman; M: Theodore Shapiro; 118 Minuten); dem 56-jährigen Schauspieler, Drehbuch-Autoren, Produzenten und Regisseur PAUL FEIG gelang 2011 mit dem ironischen Komödien-Rabatz „Brautalarm“ mit Melissa McCarthy („Oscar“-Nominierung) ein Überraschungserfolg. Danach schuf er, ebenfalls mit Melissa McCarthy, die (mehr-oder-weniger-gelungenen) Vergnüglichkeiten „Taffe Mädels“ (2013), „Spy – Susan Cooper Undercover“ (2015) und „Ghostbusters“ (2016). Für „A Simple Favor“, so der Originaltitel, ließ er Melissa zuhause und realisierte mit zwei „neuen“ Mädels einen diesmal taffen Spannungsfilm.

Stephanie (ANNA KENDRICK) und Emily (BLAKE LIVELY). Könnten unterschiedlicher nicht sein. Stephanie, Witwe, alleinerziehende Mutter von Miles und mittelmäßig erfolgreiche Video-Bloggerin mit Haushaltstipps, und ihre extravagante Freundin, die attraktive Mode-PR-Chefin Emily, mit Sohn Nicky. Die in einem Traumhaus residiert und mit einem Traummann, einem bekannten Schriftsteller, verheiratet ist. Zwei Welten, eine Frauen-Einheit. Als die vielbeschäftigte Emily ihre Freundin bittet, doch ihren Sohn von der Schule abzuholen, kommt Stephanie natürlich diesem Wunsch nach. Doch dann – bleibt sie weg. Emily. Taucht nicht mehr auf. Und Stephanie und wir fragen uns, was ist los? Geschehen? Passiert? Währenddessen die nette Stephanie sich fortan gemeinsam mit dem Emily-Ehemann Sean (HENRY GOLDING) um Nicky kümmert. Was dazu führt, dass man sich peu à peu näher kommt. Dann wird die Leiche von Emily gefunden und Stephanie beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Fühlt sich zwar „ganz wohl“ in/mit ihrer „neuen Familie“, möchte jedoch schon wissen, was – warum und überhaupt. Eine Komödie wechselt das Fach.

Mehr wird nicht ausgeplaudert. Denn längst empfinden wir – übrigens zu Recht -, nichts ist hier so zu nehmen, zu verstehen, zu akzeptieren, wie es sich zeigt. Nichts glauben, was die Handelnden behaupten, lautet das angesagte Motto. Wie sie sich präsentieren, ist nicht koscher. Und dies macht diesen unterhaltsamen Suspense-Streich aus, wenngleich a) der Tiefgang in den Figuren = Charakterbeschreibungen überschaubar bleibt und b) der Twist in der finalen Wendung zwar überrascht, aber eigentlich auch wieder nicht. Zu oft wurden wir zwischenzeitlich kitzlig-gefoppt und mit Bosheiten kräftig eingelullt, aber irgendwie war man auch „auf so etwas“ innerlich eingestellt. Motto: Erst die Burleske, dann der Psycho-Thrill.

Ein pikanter Thriller. Angesiedelt in der feinen Welt der Lügen. Mit viel herber Lust am bösen Spaß. ANNA KENDRICK, die als stets lächelnde Listige im Hollywood-Kino „nebenbei“ aufstieg (3 x „Pitch Perfect“; „Mike and Dave Need Wedding Dates“) und sich zuletzt angenehm-eigenwilliger in ihren Rollen entwickelte („Cake“; die Cinderella in „Into The Woods“), mimt die Brave und Vernünftige mit raffiniertem Matchball. BLAKE LIVELY („Für immer Adaline“) ist endlich einmal nicht nur schmuckes Blond-Beiwerk für Männer-Phantasien, sondern als (lange) nicht zu identifizierendes kitzliges Frauen-Rätsel die spannendere Figur. „Nur ein kleiner Gefallen“ zählt in seiner boshaften Konstruktion in die Kategorie von Frauen-Power-Raffinessen wie „Gone Girl“ (gut = s. Kino-KRITIK) und „Girl On the Train“ (misslungen = s. Kino-KRITIK).

Schöner, biestiger, elegant-schmackhafter Genre-Teig, der passabel schmeckt und mit schönen Retro-Balladen von Brigitte Bardot & Francoise Hardy nett-gagig klingt. Allerdings nicht vollends angerichtet wurde. Merke: Da war mehr (Gaumen-Sinne-)Reiz möglich (= 3 PÖNIs).