NIKITA

Der Franzose Luc Besson ist 31 Jahre alt und hat bisher 3 Filme gedreht, die alle als ‚außergewöhnlich‘ zu bezeichnen sind: “Der letzte Kampf“, ein futuristischer Thriller nach einer apokalyptischen Katastrophe; “Subway“, der New-Wave-Underground-Krimi mit dem schalen Geschmack, und “The Big Blue – Im Rausch der Tiefe“, das aufwendige Unterwasserdrama. Jetzt kommt der vierte Film von Luc Besson ins Kino und erweist sich wieder als ein harter,
faszinierender Tiefschlag. Titel: „NIKITA“ von Luc Besson (B+R; Fr 1990; 118 Minuten; Start D: 28.06.1990).

Das ist eine Sie, eine Kriminelle der schlimmsten Sorte, eine Drogenabhängige und Mörderin mit latentem Hang zur absoluten Brutalität. Nikita wird nach einem brutalen und blutigen Coup gefangengenommen und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Doch dann winkt plötzlich eine Chance. Der Staat sieht sich zunehmend außerstande, mit der alltäglichen Geheim-Kriminalität fertig zu werden. Also schnappt er sich völlig heruntergekommene Outlaws, trainiert sie, manipuliert sie, puhlt sie um und lässt die dann die Schmutzarbeit verrichten. Der Lohn: Ein schönes Schein-Leben draußen mit Doppelgeschmack. Nikita akzeptiert und beginnt ein ganz “normales“ Leben, das hin und wieder durch telefonische “Aufträge“ unterbrochen wird. Sie verliebt sich in den Supermarkt-Kassierer Marco, der sich nur wundert, dass sie keine Vergangenheit hat und auch nie von der Familie erzählt oder von Freunden besucht wird. Nikita wird zu einer perfekten Profi-Killerin. Eines Tages aber verläuft ein Auftrag nicht nach Plan.

“Nikita“ ist ein hochkarätiger Thriller. Zugleich unbarmherzig-brutal, kalt wie aus dem besten “film noir“ Haus, pechschwarz und pessimistisch. Es gibt dazu keine großen Erklärungen, sondern nur Fakten. Luc Besson, der auch das Drehbuch verfasste, moralisiert nicht, sondern handelt und erzählt. Von den üblen Schattenspielen von Menschen, von traurigen Romanzen und Überlebensversuchen, von der gemeinen, totalen und dennoch fast schon wie selbstverständlich wirkenden modernen Gewalt. Es gibt keine ‘Guten‘ und ‘Helden‘ mehr, das Leben ist wie ein andauernder Western, in dem nur der Stärkere, der Listige und Hinterhältige, Vorteile hat.

Die bislang nur als Foto-Püppi aufgefallene Anne Parillaud ist und spielt diesen weiblichen Roboter Nikita mit faszinierender Kühle und Dichte. Weil Sie “funktioniert“, überzeugt auch der Film, von dem man sich gerne ob der übergroßen und überdeutlichen Härte des Öfteren abwenden möchte, aber nicht kann. In einer Nebenrolle tritt kurz einmal Jeanne Moreau als Kosmetik-Beraterin auf, und es ist schön, sie wiederzusehen. Die Musik zum Film stammt von Eric Serra, der auch schon die anderen Luc-Besson-Filme klangvoll unterstützt hat (= 3 ½ PÖNIs).

Preis: EUR 11,99