Mystery Train Kritik

MYSTERY TRAIN“ von Jim Jarmusch (B+R; USA 1989; 110 Minuten; Start D: 30.11.1989).

Das ist ein eigenwilliger amerikanischer Künstler aus Ohio, der seit 15 Jahren in New York-City arbeitet. Und dessen bisherige drei Filme, “Permanent Vacation“, “Stranger Than Paradise“ und “Down By Law“, Kultstatus besitzen. Jarmusch interessieren nicht so sehr die glatten, durchschaubaren, “sauberen“ Bilder, sondern mehr d i e Momente, die andere Regisseure lieber aus ihrem Material herausschneiden. Das Essen eines Menschen, das lange Gehen auf einer Straße, das Sitzen und Blicken von zwei Angestellten an einer schäbigen Hotel-Rezeption. Wie er “so etwas“ sieht, betrachtet, formuliert das ist ein spannendes und sinnliches Geheimnis und seine Kunst. Während seine “Helden“ oft ganz normale, dröge, aber auch schlitzohrige Typen sind, die unkonventionell herum tapern, um über die existenziellen Lebens-Runden zu kommen.“Mystery Train“, das neue, gute Filmstück, besteht gleich aus dreien.

Erstens: Die kargen Erlebnisse eines matten japanischen Teenie- Pärchens an den Überresten der Kultstätten des Rock ‘n‘ Roll in Memphis, Tennessee. Zweitens: Zwei fremde Frauen teilen sich in demselben Hotel für eine Nacht ein Zimmer. Drittens: Einige arbeitslose Kumpels besaufen sich, schießen sich in einem Laden neuen Whisky frei und landen schließlich auch in dem Hotel, wo alles zusammenläuft. Die Uhrzeit 2.17 Uhr spielt ebenso eine Rolle wie der Geist von Elvis Presley und eine unerwünschte Pistole. Am nächsten Morgen zieht jeder für sich weiter. Wie gehabt, ein neuer Tag, der nächste Versuch.

“Mystery Train“ von Jim Jarmusch, das sind Gesten, kleine, eckige Bewegungen, stumme Blicke, die vielen Anspielungen über die Musik von John Lurie und Elvis, die heruntergekommenen Gebäude, die schmutzigen Straßen, die lädierte Sprache. Und diese Typen: von pech-schwarz bis griesgrämig-ironisch. Ein Film wie ein dampfender Zug, dessen einzelne Wagen erst noch zusammengehängt werden müssen. Ein Film wie: einen guten Moment Anhalten, Staunen, Kucken. “Mystery Train“ von Jim Jarmusch (= 4 PÖNIs).