Motel Room 13 Heimkino

Der Auftrag ist eindeutig: Hole DIE Tasche, bringe diese in DAS Motel, und warte dort im ZIMMER 13, und nur dort, auf mich. Dann gibt es viele Belohnungsdollar für dich. Und, die weitere UNBEDINGTE Bedingung: Du darfst auf gar keinen Fall jemals in die Tasche schauen. Sonst gäbe es nämlich nicht nur keinen Lohn, sondern auch immensen Ärger.

Die Anweisungen vom Syndikatsboss Dragna (ROBERT DE NIRO) sind eindeutig. Für „seinen“ Profikiller Jack(JOHN CUSACK). Also macht DER sich auf den – scheinbar einfachen -Weg. DEN man dann in etwa so formulieren darf: Viel Blut und eine dementsprechende Anzahl Leichen pflastern selbigen. Denn ganz offensichtlich haben es auch andere Fiesköppe auf diese mysteriöse Beute-Tasche abgesehen. Kein Wunder, dass dem „staunenden“ wie genervten Jack fortan eine stattliche Anzahl merkwürdiger Gestalten begegnen. Über das kalte, düstere Pflaster laufen. In dem nagelneuen US-Independent-Thriller:

MOTEL ROOM 13“ von David Grovic (Co-B + R; USA 2013; Co-B: Paul Conway; K: Steve Mason; M: Tony Morales, Edward Rogers; 109 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 06.03.2014),
der Ende Februar 2014 in zwei US-Kinos (!) Uraufführung mit einem Wochen-Kassenumsatz von 14.616 Dollar hatte.

Bei uns wurde er zeitgleich für die Heimkino-Premiere bestimmt. Der Originaltitel „The Bag Man“ gibt die Themenrichtung vor: Ein „Bagman“ ist ein Milieu-Bote, der „schmutziges Geld“ einsammelt. Wie hier. Wo ein erfahrener Killer einen Job bekommt, der gemäß seiner „Qualifikation“ eher Unterforderung bedeutet. Eigentlich. Meine Güte, eine Tasche abholen, dort hinbringen, um dann viel Geld dafür zu bekommen, was ist denn daran schon dabei? Was soll denn dabei schon schiefgehen? Von wegen. Wir treten in die Geschichte richtig ein, als Jack in Richtung besagtem Motel unterwegs ist. Er sieht ziemlich ramponiert aus, während sich im Kofferraum seines Autos eine Leiche befindet. Von einem Kerl, der diese Tasche auch haben wollte. Im Motel erwartet ihn ein – sich im Rollstuhl befindender – „Hausherr“ namens Ned (CRISPIN GLOVER), dessen Verhaltensstörungen eindeutig sind und den höflichen Jack nachhaltig irritieren. Nerven.

Aus einem Nachbarzimmer taucht die nuttige Rivka auf (REBECCA DA COSTA), die auf seine Hilfe pocht. Offensichtlich befindet sie sich „in Besitz“ zweier dubioser wie brutaler Typen (darunter Hip-Hop-Hüne KIRK „STICKY FINGAZ“ JONES von der Band „Onyx“), die sie übelst schikanieren. Jack, der auf seinen Chef Dragna wartet, ist wütend und kaputt, vermag sie aber zu beschützen. Vorerst. Jedenfalls. Denn die „üblen Raufereien“ nehmen hart zu. Was nun auch noch den örtlichen Sheriff auf den gemeinen Plan ruft, denn dieser uniformierte Larson (DOMINIC PURCELL) und sein Kollege sind alles andere als zartbesaitet. Ganz im Gegenteil. Sie sind vollends korrupt und schließlich widerlich gewalttätig. Wobei es wieder um diese Tasche und deren anscheinend wertvollen Inhalt geht. In die Jack aber nicht hineinsehen will. Abmachung ist Abmachung. Doch bis endlich Dragna auftaucht, passieren noch eine Unmenge von aggressiven Schweinereien. Und dann…

Der am Drehbuch mitbeteiligte Regisseur DAVID GROVIC ist unbekannt. Im umfangreichen Bonusmaterial, das von den Dreharbeiten in New Orleans und viel Setatmosphäre informiert, gibt er in den Interviews einige urige Anekdoten preis und zeigt sich als ein in die Jahre gekommener Debüt-Spielleiter. DER offensichtlich das faszinierende Glück hatte, dass sich für sein Billig-Projekt zwei so namhafte Hollywoodstars wie de Niro & Cusack interessierten. Wobei der 70jährige Robert de Niro, mit einem urhässlichen Brillengestell verunstaltet, die zweite Hauptgeige spielt. Als Gangster-Mephisto, dem es über alles geht, „Vertrauen“ „herzustellen“. Und davon alles und jedes Detail abhängig macht. Für diesen Gewissenzustand ist ihm jedes Überprüfungs- und Gewaltmittel recht. Was Jack (sehr) betrifft. Betreffen soll. Bei der fulminanten (Taschen-)Auflösung.

JOHN CUSACK, Jahrgang 1966, ist seit 1983 im Filmgeschäft. Hat sich zu einem der beliebtesten Hollywood-Akteure in Filmen wie „Bullets over Broadway“; „Grosse Pointe Blank“; „High Fidelity“; „Das Urteil – Jeder ist käuflich“; „2012“ hochgestemmt. War aber in den letzten Jahren in Werken wie „The Numbers Station“, „The Paperboy“ oder „Frozen Ground“ nicht mehr so intensiv und „auffällig“ wie davor. Hier nun duftet er wieder herausragend. Als konsequenter „Überbringer“ mit moralischem Hauch. Als Austeiler und „Einstecker“ vom Milieu-Dienst. DER sich arglistig getäuscht, verarscht, sieht und nun, „dreiviertel beschädigt“, agieren muss, um irgendwie seine Haut doch noch retten zu können. Attraktiv wie kess begleitet von der brasilianischen Modell-Schauspielerin REECA DA COSTA („7 Below – Haus der dunklen Seelen“, neben Val Kilmer + Ving Rhames/2012) als pfiffiger weiblicher Haudegen, deren rotzige, rüde Figur Rivka lange Zeit nie eindeutig zu identifizieren ist. Eine darstellerische Überraschung in diesem B-Movie mit A-Charme aber ist auch DOMINIC PURCELL als „Drecksau“-Sheriff Larson: Lakonisch widerlich, lässig brutal und hinterhältig gefährlich tritt der Typ „scharf“ auf. Und wird zur „Besten-Marke“. Einer Bestie. Der 1970 in England als Sohn eines norwegischen Vaters und einer irischen Mutter geborene und in Sydney aufgewachsene Schauspieler, der sich zunächst zum Landschaftsarchitekten ausbilden ließ, spielte von 2005 bis 2009 die Hauptrolle des Häftlings Lincoln Burrows in der populären US-TV-Serie „Prison Break“ und liefert hier als „spezieller“ Fiesling eine hervorragende Nebendarsteller-Performance mit Großduftmarke ab.

„MOTEL ROOM 13“ ist ein spannender wie härte-konsequenter Gangster-Thriller (FSK-Freigabe: ab 18 Jahren). Mit sehr viel Noir-Atmosphäre. Vor allem auch in den packenden Bilder-Motiven von Kameramann Steve Mason, die in den besten Momenten durchaus an die grandiosen Bilder von EDWARD HOPPER erinnern. Sinnlich verweisen. Und dessen Unterhaltungswert sich nicht nur über die intensiven Aktionen, sondern vor allem auch über die gedanklichen existenzialistischen Verbrecher-Regeln ausbreiten. Stichwort: Totale Abhängigkeit. Du „gehörst“ mir. Weil du zu „Größerem“ zu dumm bist. Ich bin dein (Lebens-)Regler. Und Bestimmer. Was Jack schließlich in und außer Rage bringt. Merke: Was in jedem erklärten Loser alles drinsteckt, wenn er denn „äußerst“ gefordert wird. Das Gangsterfilm-Genre hat einen neuen Knüller.

Übrigens: Im Bonus-Epos erfahren wir auch, dass die im Film verwandten edlen Kunstwerke allesamt vom Vater von Robert De Niro stammen! Wie schön.

Anbieter: „Highlight Communications + Constantin Film“