Mit Herz und Hand Kritik

MIT HERZ UND HAND“ von Roger Donaldson (Neuseeland/USA/Schweiz/Japan 2006; 127 Minuten; Start D: 26.10.2006); einem in Australien geborenen Filmemacher, der schon seit vielen Jahren in Hollywood arbeitet und sich mit unterhaltsamen Spannungsstreifen wie „No Way Out – Es gibt kein Zurück“ (1987, mit Kevin Costner), „Cocktail“ (1990, mit Tom Cruise) oder „Thirteen Days“ (2000, mit Kevin Costner) profiliert hat. „Mit Herz und Hand“, der auch schon mal unter dem Titel „Burt Munro“ im Frühjahr in unseren Kinos annonciert war und dann verschoben wurde, ist eine Co-Produktion Neuseeland/USA von 2004.

Erzählt die wahre Geschichte des Neuseeländers Burt Munro (1899 – 1978) als Hommage an all die „Spinner und Verrückten“, die noch an ihre Träume glauben und auf deren Verwirklichung beharren. Wir schreiben die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der Traum des eigensinnigen Neuseeländers Burt Munro lautet: Er will mit seiner antiquierten Indian den Geschwindigkeitsrekord für Motorräder dieser Klasse brechen. Doch dazu müsste der in der neuseeländischen Provinzstadt Invercargill lebende stolze Eigenbrötler an einem Wettbewerb in den USA teilnehmen. Die Reisekosten dorthin sind hoch. Doch als dem kauzigen 63jährigen anno 1962 ein Herzfehler attestiert wird, nimmt der Lebenstraum konkrete Züge an. Er verpfändet sein Haus und wagt den Sprung nach Übersee. Sein Ziel: Die amerikanischen Salztonebenen in Bonneville/Utah, dem Austragungsort der „Speed Week“.

Mit seinem 46 Jahre alten Motorrad, einer „Indian Scout“ mit 600 ccm, Baujahr 1920, will er einen Landgeschwindigkeitsrekord brechen (übrigens aus einer Serie, die nur noch bis 1931 hergestellt wurde). „Der Weg ist das Ziel“ für Burt Munro, und wir schreiben die 60er. „Unschuldig“ lautet aus heutiger Sicht diese Epoche: Keine Angst vor Terror/Terroristen/Fanatismus, vor Gier, „Heuschrecken“, Überwachung, Gewalt. Auf seiner Odyssee durch den Mittleren Westen der USA trifft Burt auf Transvestiten, Indianer, liebevolle Witwen sowie auf den ungewohnten Rechtsverkehr. Durch seine einfache, gradlinige, offene Art meistert er viele Schwierigkeiten mit Charme und Humor.

„Mit Herz und Hand“ ist ein wunderbar-„handgemachter“ Film, lässt Tricks/“Falltüren“/Krakeel-Spektakel links liegen, bietet stattdessen und bebildert eindrucksvoll Prima-Erzählkino. Handelt von einem couragierten, sturen alten Mann, der sich UNBEDINGT und gegen alle (Lebens-)Regeln seinen großen Traum erfüllen will. Großartig wie sehr beeindruckend in der Hauptrolle: „Oscar“-Preisträger Sir ANTHONY HOPKINS („Das Schweigen der Lämmer“). Wie er diesen kauzigen Tüftler „füllt“, wird von ihm ebenso sanft wie herrlich-durchtrieben dargeboten.

MAN ist jederzeit „dran“ an dieser Figur, folgt ihr gerne; es bereitet großes Vergnügen, diesem außerordentlichen wie sympathisch-exzentrischen Typen überhaupt zu begegnen. Denn Regisseur Donaldson benötigt nicht unbedingt viele Worte für ihn, die leinwandfüllende Präsenz, die spannende, mitteilsame Körpersprache eines Anthony Hopkins reicht/dominiert/triumphiert. Jedweder mögliche/machbare Kitsch-hier bleibt außen vor: Dies ist ein vergnüglich-„langsames“ Road-Movie der Extra-Klasse, ist eine phantastische, würdevolle, herzergreifend-berührende, authentische Menschen-Geschichte (= 4 PÖNIs).