Men & Chicken Kritik

MEN & CHICKEN“ von Anders Thomas Jensen (B + R; Dänemark/D 2014; K: Sebastian Blenkov; M: Frans Bak & Jeppe Kaas; 104 Minuten; Start D: 02.07.2015); sein Cineasten-Ruf ist erstklassig: ANDERS THOMAS JENSEN, geboren am 6. April 1972 im dänischen Frederiksvaerk. Sowohl als Drehbuch-Autor („In China essen sie Hunde“; „Nach der Hochzeit“; „In einer besseren Welt“) wie auch gleichzeitig als Regisseur („Flickering Lights“; Dänische Delikatessen“). Für seinen bislang (auch im Kino-Deutschland) größten Erfolg – „Adams Äpfel“ (s. Kino-KRITIK) – erhielt er 2005 den „Nordisk Film Award“, den einheimischen „Oscar“.

Vor seinem neuesten Film sollten sensible Seelen gewarnt werden. Von wegen Geschmack. Bei grenzüberschreitenden Absurditäten. Vor diesem makabren Schwarz-Humor. Inmitten einer grotesken Slapstick-Fabel, die etwa so definiert werden kann: Wenn exzentrische dänische Monty Pythons (mit Hasenscharte) mit sinnfremdem tierischem Horror kalauern. Thema: Eine schrecklich heftige Familie.

In der die höchst ungleichen Brüder Gabriel (DAVID DENCIK), frustrierter Akademiker, und Elias (MADS MIKKELSEN), schrulliger „Nichtsnutz“, von ihrem sterbenden Vater gerade noch erfahren, dass er gar nicht ihr leiblicher Vater war. Also wird der Sippen-Ursprung gesucht. Und auf der entlegenen dänischen 41 Einwohner-Insel Insel Ork auch gefunden. Wo drei weitere Brüder hausen. Besser: Halbbrüder. Und ihr etwa 100jähriger Vater. Wie sie glauben. In einem verfallenen ehemaligen Sanatorium. Dolch die „innerfamiliäre Kommunikation“ erweist sich, sagen wir mal, als ziemlich kompliziert. Zunächst.

Frei nach dem provozierenden Motto: Wenn städtische Gestörte auf ihre entfernte animalische Verwandtschaft treffen, auf verstörte, besser degenerierte, infantile und cholerische Provinzler prallen, die mit den Altersheim-Mädels und mit ihren Tieren – speziell mit Hühnern – einen, sagen wir mal wieder, „ungewöhnlichen Umgang“ pflegen. Marke: Was die „Natur“ so alles an irritierenden „Aktionen“ zulässt.

Was sich verstörend, möglicherweise obszön anhört, schaut auch so aus. Gewollt. Mit vielen scharfen Piksern der Anarchie und der Philosophie. In Richtung: Bibel und Darwin: Wer bin ich, wo komme ich her, was ist meine Identität, wie besteht doch eine Möglichkeit der Eingemeindung in die Gesellschaft. Es menschelt auch. Mitunter tief und letztlich sogar pointiert.

Anders Thomas Jensen hat seine ungewöhnliche filmische Performance bewusst überlagert wie konsequent ausgereizt. Süffisant mit Deftigkeiten nur so durchsetzt. Über „Verträglichkeit“ sollen andere urteilen. Mit dabei – neben Dänemarks Superstar MADS MIKKELSEN („Casino Royale“; kürzlich: „The Salvation“) als Elias auch unter anderen „Hackfresse“ Nikolaj LIE KAAS („Erbarmen“; Schändung“) sowie Dickbacke NICOLAS BRO („Adams Äpfel“), der zu den meist beschäftigten Schauspielern Dänemarks gehört, als seine quergestörten Brüder.

Eine munter abwegige, skurrile dänische Komödie mit An-Trieb: „Dänischer Humor ist vielleicht ein wenig radikaler als der deutsche. Denn ihr habt einen großen Stapel an Geschichte hinter euch, mit dem ihr seit Generationen ringt. Da fürchtet ihr euch wohl, jemandem auf die Füße zu treten und so politisch unkorrekt zu sein, wie wir das sein können. Ihr solltet solche Bedenken vergessen, aber ich verstehe, dass das schwer ist“ (Mads Mikkelsen im Interview/“Berliner Morgenpost“ vom 14.6.2015).

„Men & Chicken“ oder: Witzichkeit kennt keine haarsträubenden Grenzen (= 3 PÖNIs).