Adams Äpfel Kritik

Der dänische Film zählt seit vielen Jahren zu den spannendsten Ereignissen im europäischen Kino. Was einst Lars von Trier mit seinen „Dogma“-Filmen in Bewegung brachte, artete quasi zu einer „künstlerischen Explosion“ aus. Brachte hochinteressante wie äußerst kreative Talente hervor und führte das nunmehr vielbeachtete dänische Filmschaffen mit an die Spitzenposition der interessantesten Filmländer.

Eines dieser Klasse-Talente ist der heute 35jährige ANDERS THOMAS JENSEN. Der gehört sowohl als Drehbuch-Autor („In China essen sie Hunde“/1999) wie auch als Regisseur („Dänische Delikatessen“/2003) zu den gefragtesten Filmkünstlern. Weil er – ähnlich wie die Briten – gerne mit sehr viel SCHWARZEM HUMOR unterhaltsame Geschichten in „realistischer Menschen-Nähe“ erzählt. 2005 entstand sein letztes Movie (B+R), das auch bei uns im letzten Kino-Sommer auf eine vielzählige neugierige Kino-Gemeinde stieß. Titel:

ADAMS ÄPFEL“ von Anders Thomas Jensen (B+R; Dänemark 2005; 94 Minuten; Start D: 31.08.2006).

Im Blickpunkt/Mittelpunkt dabei ein inzwischen auch außerhalb Dänemarks/Europas bekannter, populärer Schauspieler: Der heute 41jährige MADS MIKKELSEN. Als faszinierender Bösewicht/Schurke Le Chiffre hatte er im letzten James-Bond-Abenteuer „Casino Royale“ seinen ersten großen internationalen Leinwand-Auftritt. Hier nun spielt er einen total naiven Provinz-Geistlichen namens ADAM. Der scheint in seiner Naivität und (fast schon krankhaften) Grundgüte gegenüber dem weltlichen Bösen sowie den düsteren Schattenseiten des Lebens völlig immun zu sein. Deshalb läuft bei ihm auch dauerhaft eine Art ständiges Resozialisierungsprogramm für ganz üble Gesellen ab: Er ist sozusagen die Anlaufstelle Nr.1, wenn es darum geht, Schwerverbrecher „auf den rechten Weg des Lebens“ zu bringen: Vergewaltiger, Mörder, Spinner gehören zu seinen ständigen Mitbewohnern.

Sein neuestes „Produkt“ ist ein dumpfer, aggressiver, wortkarger Neo-Nazi namens Ivan. Der will sich natürlich auf gar keinen Fall hier eingemeinden, geschweige denn „unterkriegen“ lassen, also riecht das Ganze/gibt es natürlich permanenten Zoff. Denn Adam kann ein mehr als sturer, unverbesserlicher „gütiger Guter“ sein und legt sich einmal mehr gerne mit diesem „unappetitlichen Gesellen“ an…

Eine „irre“ Fabel, eine spannende Menschen-Geschichte, ein gesellschaftliches Brachialstück zum Thema „Gut/Böse“; voller absurder Überraschungen, ebenso heiter wie düster zugleich, immer auf neugierig-spannende (hinterfotzige) Kopf-Pointen setzend. Vorurteile werden dabei ebenso augenzwinkernd-tückisch-nervig hinterfragt/angeprangert wie dumpfbackige Unterschicht-Typen. Wer auf mal trockenen, mal auf bitterbösen hintergründig-doppelbödigen Humor steht, wird sich hier bestens/intelligent/scharf aufgehoben fühlen. „Adams Äpfel“ ist wieder einer dieser tollen, außergewöhnlichen „Späße“, mit denen Dänemark filmisch derzeit weltweit Klasse-Unterhaltungspunkte sammeln (= 4 PÖNIs).