MEIN LEBEN MIT AMANDA

PÖNIs:       (4,5/5)

„MEIN LEBEN MIT AMANDA“ von Mikhael Hers (Co-B + R; Fr 2017; Co-B: Maud Ameline; K: Sébastien Buchmann; M: Matthieu Sibony; 107 Minuten; deutscher Kino-Start: 12.09.2019); dieser französische Film ist ein großartiges, aufwühlendes Spätsommer-Film-Angebot für unsere Arthaus-Kinos. Bewegend, zauberhaft, traurig. Sehr-sehr einfühlsam. In einer emotionalen Souveränität, die buchstäblich unter die Haut geht.

Nur die Franzosen vermögen es, solch eine Trauer-Geschichte mit einer solchen Leichtigkeit emotional-stimmig zu erzählen. Schon vorab: Ein zutiefst empfundenes BRAVO für diese Produktion!

Paris. Es ist Sommer. Laue, schöne Tage. Das einfache dahinfließende urbane Leben. Inmitten einer sich unaufgeregt zeigenden Großstadt: David (VINCENT LACOSTE). Der 24-jährige genießt die Tage. Entspannt sich. Jobbt in den städtischen Grünanlagen und ist als zuverlässiger Bote für einen Immobilien-Geschäftsmann unterwegs. Zu gerne ist er mit seiner siebenjährigen Nichte Amanda (was für eine Entdeckung: ISAURE MULTRIER) zusammen. Die Tochter seiner älteren Schwester Sandrine ist sein Familien-Liebling. Als in der Nachbarschaft die hübsche Klavierlehrerin Léna (STACY MARTIN) einzieht, scheint der Sommer emotional-prächtig zu werden.

Doch das unbeschwerte Dasein findet jäh ein Ende. Ein Terroranschlag erschüttert Paris. Zu den Opfern zählen auch Sandrine und Léna. Während die Mutter von Amanda stirbt, überlebt Léna schwer verletzt. Von jetzt auf gleich verändern sich die Gewohnheiten. Positionen. Die Lebensempfindungen. Über die Täter wird kaum gesprochen („Wer macht sowas?“). Denn der Film konzentriert sich fortan auf einen jungen Mann, der plötzlich „gefordert“ wird. Und auf ein kleines Mädchen, dessen kindliche „Orientierung“ aus den emotionalen und seelischen Fugen gerät. Geraten muss. Während David vor „praktischen“ Entscheidungen steht, die sein Leben völlig umkrempeln. Würden. Werden. Zwangsläufig müssen.

Dabei kommt es auch schon mal zu „Umkehrungen“: wenn Amanda den jungenhaften David „aufbauen“ muss. Der hin- und hergerissen ist. Inmitten der Verarbeitung solch unfassbarer Ereignisse von eben und den Auswirkungen fürs Morgen. Für das Weiter-Leben. Für David werden die Wiedereingliederungen in die „Normalität“ zu einer Herausforderung. Zudem: David muss wohl oder übel jetzt ganz-erwachsen werden.

Schauen. Aufnehmen. Annehmen. Sich einfühlen. Ein Erlebnis. Gemütszustände werden unaufdringlich beschrieben. Ohne viele Worte. In vielen kleinen Momenten sichtbar. Eine nachvollziehbare Geschichte entwickelt sich unaufdringlich. Ohne Schmalz. Ohne falsche Töne. Ohne bemühtes, erdrückendes Trauern. Sondern: behutsam klingend. Wehmütig. Mit einer feinen Art von charmanter Würde. In kleinen Details sanft ausgedrückt. Samt ebensolcher diskreter Gesten. Erstaunlich: wie wunderbar feinfühlig und, pardon, ernsthaft-„locker“.

Das Hauptdarsteller-Team ist von überragender sensibler Ausstrahlung. VINCENT LACOSTE wird inzwischen beim Nachbarn als d i e Nachwuchs-Ikone hofiert; die kleine ISAURE MULTRIER (in ihrer ersten und mit Sicherheit nicht letzten Rolle) ist unglaublich berührend, glaubhaft, „echt“ im Ausdruck von Gefühlen und Bewegungen.

Geht ans Herz, liebt den Verstand: „MEIN LEBEN MIT AMANDA“ begeistert mit einer wunderbaren filmischen Nähe (= 4 1/2 PÖNIs).

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