Lincoln Verschwörung Kritik

DIE LINCOLN VERSCHWÖRUNG“ (USA 2010; 122 Minuten; Start D: 29.09.2011) von Robert Redford; für seinen 8. eigenen Kinospielfilm hat Hollywoods liberaler Star, „Oscar“- + und Ehren-„Oscar“-Preisträger eine SEHR amerikanische Geschichte ausgegraben, angesiedelt gegen Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Als die Truppen der Südstaaten kapitulierten. Aber der innere Krieg im Lande längst noch nicht aufgegeben war. Anno 1865. Beginnend am 14. April. In Washington. Als der amerikanische Präsident Abraham Lincoln während einer Theateraufführung vom fanatischen Südstaaten-Schauspieler John Wikes Booth erschossen wird. „Die amtlichen Maßnahmen“ laufen. Führen bald zu Verhaftungen. Angeführt vom mächtigen Kriegsminister Edwin Stanton (KEVIN KLINE).

Der strebt eine schnelle juristische Klärung an. Ein Militär-Tribunal einsetzt, bei dem die 8 Angeklagten so schnell wie möglich „schuldig“ gesprochen und hingerichtet werden sollen. Schließlich geht es um den nationalen Zustand. Erhalt. Um die „Außen-Wirkung“. Motto: Der Staat „existiert“. Zeigt Härte. Und nicht um juristische Winkelzüge. Der Minister will „Ergebnisse“. Um jeden Eifer. Weil es aber ein juristisches Verfahren geben MUSS, gibt es auch einen Verteidiger. Den jungen, unerfahrenen Frederick Aiken (JAMES McAVOY). Und DER ist bestrebt, seine Mandantin Mary Surratt (ROBIN WRIGHT) herauszupauken. Sie, die verwitwete Südstaatlerin, betreibt eine Pension. In der haben sich über Monate offensichtlich die Attentäter aufgehalten. Und beraten. Mit darunter: Ihr verschwundener Sohn John. Den die Mutter schützt, der aber ganz offensichtlich mit zu den aktiven Verschwörern zählt. ER könnte der Mutter helfen. Müsste sich aber dafür stellen. Selbst opfern. Was die Mutter auf keinen Fall will. Der Anwalt kämpft buchstäblich an sämtlichen Fronten.
Das Duell der „fairen“ Argumente hat begonnen. Mit vorhersehbarem Ausgang. So fragwürdig bis ungerecht dies auch sein mag. Das Land „braucht“ einen vorzeigbaren „Erfolg“. Das System „Demokratie“ wird deshalb quasi außer Kraft gesetzt. Außer Recht.

Der Film ist ein Plädoyer für das Recht. Das demokratische Recht. Und seine schützenden Regeln. Die unantastbar sind. Sein sollten. Und für Nichts und Niemanden „kurz mal“ abgelegt werden dürfen. Auch nicht für wichtige staatspolitische Zwecke. Das Recht und der Einzelne. Sind stets zu schützen. Sind absolut schützenswert. Für das Funktionieren in einem demokratischen Gemeinwesen. Das die Vereinigten Staaten von Amerika ja sein wollen. Sollen. Robert Redford seziert in akkurater, seriöser, reizvoller Historie. Obwohl natürlich die Parallelen zu den amtlichen Folgen nach dem Terror vom 11. September 2001 auf der Denk-Hand liegen. Der emsige Kevin Kline-Minister erinnert sicherlich nicht zufällig an den „emsigen“ Donald Rumsfeld, den Verteidigungsminister der USA unter George W. Bush. Der ebenfalls das Recht pervertierte.

Das Ensemble ist grandios. „Anführer“ JAMES McAVOY, bekannt seit „Der letzte König von Schottland“ (2006), als junger Wilder von Anwalt eine Wucht. ROBIN WRIGHT („Pippa Lee“/2009) als gepeinigte Mutter-Seele von tragischer Intensität. Die weiteren namhaften Akteure, TOM WILKINSON („Michael Clayton“), EVAN RACHEL WOOD, DANNY HUSTON sowie COLM MEANY seien noch genannt, ziehen in den Bann. Überzeugen in ihren sorgfältigen wie bedeutsamen Nebenparts. Lassen das juristische wie emotionale Tauziehen faszinierend verspüren. Die packenden Innen-Aufnahmen von Kameramann NEWTON THOMAS SIGEL unterstreichen die spannende, brisante politische Menschen-Unruhe jener amerikanischen Epoche.

Robert Redford hat ein interessantes Schuld-Sühne-Gerichtsdrama geschaffen. Als „höhnische“ Demokratie-Hymne. Mit aktuellem USA-Polit-Geschmack. Das nach seinem „normalen“ Kinoeinsatz sicherlich bzw. gerade auch für das Schulkino außerordentlich diskutabel erscheint (= 4 PÖNIs).

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