Lichter der Vorstadt Kritik

LICHTER DER VORSTADT“ von Aki Kaurismäki (B+R; Finnland/Russland 2006; 78 Minuten; Start D: 21.12.2006); dem finnischen Melancholiker vom Jahrgang `57, der seit vielen Jahren in den lakonisch-traurigen „Tramp“-Fußstapfen eines Charlie Chaplin feine „Unterschichten“-Klassiker (wie „Schatten im Paradies“; „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“) geschaffen hat. 1996 begann der depressive Trinker-Philosoph mit seiner „TRILOGIE DER VERLIERER“. Während es im ersten Film – „WOLKEN ZIEHEN VORÜBER“ – um den Verlust der Arbeit ging, thematisierte Kaurismäki 2002 in/mit „DER MANN OHNE VERGANGENHEIT“ den Verlust der Wohnung/die Obdachlosigkeit.

Jetzt behandelt er den Verlust der sozialen Existenz. Sein Protagonist ist ein einsamer Wachmann in einer modernen Kaufhaus-Passage. Koistinen heißt er. Unauffällig versieht er seinen Dienst, wird aber im Kollegenkreis gerne gehänselt/angemacht. Weil er kaum etwas sagt, meistens nur traurig vor sich hin blickt und trübe Gedanken pflegt. Ein typischer Außenseiter-Außenseiter, der, wenn er dann doch ab und an mal etwas sagt, eher spinnert-träumt.

Als er der schönen Mirja begegnet, hofft er auf Partnerschaft, gerät aber stattdessen in den Strudel von Verbrechern und Menschenschindern. Die ihn, den Schwachen, den Loser, „den naiven Tölpel“, das EWIGE OPFER, gerne für ihre kriminellen Zwecke benutzen. Waren in den vorigen Kaurismäki-Filmen „irgendwo entfernt“ noch Außenseiter-Gefühle von Nähe, Berührung, Hoffnung denkbar, hat sich nun bei Kaurismäki endgültig DIE TOTALE MENSCHLICHE KÄLTE durchgesetzt. Allerdings dermaßen stilisiert, manieriert, unpoetisch, erbarmungslos und DICK aufgetragen, dass das sonst so hochgeweckte Interesse, das sonst so berührende Verständnis mit DIESEN Menschen nunmehr in die Nähe von Desinteresse, Unglaubwürdigkeit, Langeweile rauscht. Diese Dauer-Regungslosigkeit, in der dieser Koistinen verharrt, wirkt nur noch verstörend bis egal. Der chancenlose GUTE Mensch, der gegenüber „dem Ausbeuter“ keine Chance mehr hat, wird mehr als übertrieben dargestellt.

Zudem: Wenn man an die ergreifenden TYPEN der Kaurismäki-Klassiker denkt, männlich wie weiblich (Matti Pellonpää/Kati Outinen), wirkt der heutige Hauptakteur JANNE HYYTIÄINEN wie ein armer Depp mit „selbstverschuldeter Doofheit“. Ein kleiner, radikaler Höllenfilm mit einem Menschen und vielen Unmenschen und nur begrenzter Anteilnahme-Wirkung (= 2 ½ PÖNIs).

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