LARA

PÖNIs:   (1/5)

„LARA“ von Jan-Ole Gerster (D 2017/2018; B: Blaz Kutin; K: Frank Griebe; M: Arash Safaian; 98 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.11.2019); nach seinem vielversprechenden Spielfilm-Debüt mit „Oh Boy“ (s. Kino-KRITIK), der 2013 beim „Deutschen Filmpreis“ gleich sechs Auszeichnungen einheimste, ist das zweite Werk des 1978 in Hagen geborenen JAN-OLE GERSTER gänzlich misslungen. Und erinnert in Sachen Feuilleton-Jubel hierzulande an den ebenfalls stark hofierten Streifen „Toni Erdmann“ (s. Kino-KRITIK) von Maren Ade, den ich 2016 so grässlich fand. Warum nun schon wieder?

1.) Schon in den ersten Momenten „glüht“ sie fürchterlich. Steht in ihrer Wohnung auf ihrer Fensterbank und will offensichtlich hinausspringen. Macht das dann aber doch nicht. Weil zwei Polizisten klingeln. Denen soll sie „als Zeugin“ bei einer nachbarlichen Wohnungsdurchsuchung helfen. Schließlich sei sie doch auch Beamtin … Ein gleich mal lächerlicher Vorgang.

2.) Lara (CORINNA HARFOUCH), die Verwaltungsbeamtin, hat heute Geburtstag. 60 ist sie geworden. Und zieht ab sofort meistens einen Flunsch. Bedeutet – bin immer schlecht drauf. Mag nichts und niemanden. Bei Kerlen würde man sagen (dürfen), er zieht eine Hackfresse. Mit „entsprechender“ = unleidlicher Kommunikation.

3.) Wenn sie schon mal am und im Leben bleibt, zieht sie am Ehrentag durch die (Berliner) Gegend. Bemüht sich vergeblich, ihren Sohn Victor zu erreichen. Doch der ruft nicht zurück. Victor, so erfahren wir, ist Pianist, der heute Abend ein wichtiges Konzert gibt, dabei erstmals ein eigenes Stück vorspielen will. Lara kauft an der Konzerthaus-Kasse 22 Restkarten für den Konzertabend. Damit dieser „ausverkauft“ ist. Und verteilt diese Billets ab sofort nach Belieben.

4.) Sie raucht permanent. Zigarette an, lautet das Dauer-Motto. Sehr langweilig. Zeit-füllend. Während wir erfahren, auf ihrer ehemaligen Dienststelle, wohin sich Lara warum auch immer begeben hat und Irritationen verursacht, dass sie „erheblich“ krank war. Und so, wie sie sich aufführt, deuten wir, dass sie dies auch sicherlich weiterhin noch ist. Depressionen, tippe ich mal. Denn:

5.) Lara benimmt sich wie eine aktive Giftspritze. Signalisiert stumm: Bin schwierig, natürlich völlig unverstanden, benutze gerne die Arschlochfassade. Bitte nicht berühren. Oder ansprechen. Beziehungsweise: umgekehrt. Was die meisten – ziemlich verklemmt geschilderten – Menschen, denen sie begegnet, nicht (be-)merken. Können oder wollen. Weil sie doof oder ignorant sind. Oder beides. So wie sie sich geben. Aufführen. Stumpfsinnig sprechen.

6.) Lara trifft ihre Mutter, von der sie laute Beschimpfungen erhält. Von wegen des Immer-noch-diktatorischen-Einflusses auf ihren sensiblen Sohn Victor (TOM SCHILLING). Der taucht auf und bestätigt diese großmütterliche Ansicht. Mutter und Sohn raufen sich verbal. Thema: seine Kunst. Die sei doch „ziemlich fragwürdig“. Meint die „besorgte“ Mama. Lara benimmt sich scheiße. Der Sohn ist daraufhin irritiert. Wirkt verunsichert. Angeschlagen. In seiner Garderobe. Im Konzerthaus. „Wer braucht meine Musik?“, säuselt er verzweifelt zu seinem loyalen Manager-Vater (RAINER BOCK), der Lara, was absolut nachzuvollziehen ist, einst verlassen hat.

7.) Um dann doch aufzutreten und großen Erfolg zu haben. Lara sitzt im Parkett und zieht – belämmerte Schnute. Was auch sonst.

8.) Dann die Offenbarung: WARUM IST/BENIMMT SICH DIESE LARA SO? Na ja: Weil sie einst selbst eine „ziemliche“ Klavier-Begabung war und auf Grund eines falsch interpretierten negativen Satzes ihres Professor-Ausbilders damals ihre künstlerischen Ambitionen aufgab, damit fortan der von ihr drangsalierte Sohn „die Rolle“ des Maestros übernehme. Für Lara blieb nur der öffentliche Dienst. Was bei ihr dann für inneren Dauer-Frust und ständige Lebens-Unzufriedenheit sorgte. Ach herrje.

9.) Stelle mir das so vor: Die sonst von mir vergötterte CORINNA HARFOUCH („Die Schauspielerin“/1988; „Das Versprechen“/1995; TV: „Vera Brühne“/2001; die „Magda Goebbels“ in „Der Untergang“/2004; „Whisky mit Wodka“/2009) am Set. Was soll ich machen?, raunzt sie den Regisseur an. Zieh einfach eine Schnute, lautet dessen Anweisung. Der sie Folge leistet.

10.) Sehr gelangweilt. Über eine Keine-Story mit episodenhaften Ausrufungszeichen! Mit stümperhaft gezeichneten, dick-deutsch-dümmlich aufgetragenen, also völlig uninteressanten Figuren. „Lara“ ist eine vielfach geförderte, arg belästigende, typisch problemlastige deutsche „Charakter“-Narretei. Für Raucher (= 1 PÖNI).

Teilen mit: