DAS WUNDER VON MARSEILLE

PÖNIs:      (3,5/5)

„DAS WUNDER VON MARSEILLE“ von Pierre Francois Martin-Laval (Co-B + R; Fr 2018; Co-B: Thibault Vanhulle, Philippe Elno; nach dem Buch „Spiel um dein Leben, Fahim!“ von Fahim Mohammad und Xavier Parmentier; K: Régis Blondeau; M: Pascal Lengagne; 107 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.11.2019); eine auf authentischen Begebenheiten basierende französische Geschichte, die fürs Kino „etwas aufgehübscht“ wurde und als gut unterhaltender, sinnvoller Mensch-Streifen berührt. Im Mittelpunkt: Ein Junge von 11 Jahren, Fahim, der bei unserem Nachbarn 2012 zum „öffentlichen Thema“ avancierte. Weil er, ein illegaler Flüchtling, französischer Schach-Champion in seiner Altersklasse wurde.

Fahim Mohammad (ASSAD AHMED) stammt aus Bangladesch. Hals über Kopf muss der achtjährige Fahim aus seiner Heimat fliehen. Während seine Mutter und die Geschwister in dem politisch zerrütteten Land zurückbleiben, machen sich er und sein Vater Nura (MIZANUR RAHAMAN) auf den beschwerlichen Fluchtweg nach Frankreich, um dort Asyl zu beantragen. Doch die begehrte Aufenthaltserlaubnis in Créteil, einem Pariser Vorort, zu bekommen, lässt bürokratisch auf sich warten. Derweil entdeckt ein renommierter örtlicher Schach-Trainer, Sylvain (GÉRARD DEPARDIEU), die enorme Schach-Begabung Fahims. Und der komplizierte Weg eines Jungen kann starten, der schließlich zu dieser überraschenden Meisterschaft führt. So dass sich sogar der französische Innenminister einschaltet.

Natürlich haben wir dies schon viele Male filmisch gekostet. Aber Frankreich ist nicht Hollywood. Hier ersetzen Authentizität und Nähe sowie Figuren-Glaubwürdigkeit Oberflächlichkeit, reißerischen Nervenkitzel und Heldenepos. Zudem wird dieser Werdegang zweier Außenseiter, Sohn und Vater, mit herzergreifender Emotionalität, dabei aber ohne jedwede Süße erzählt. Ein Drama, das natürlich vom Verhältnis zwischen diesem bärbeißigen Trainer und seinem eigenwilligen Schützling gelenkt und bestimmt wird. Und WIE hier der große französische Superstar Gérard Depardieu seinem jungen lebhaften Partner ASSAD AHMED die Rampe überlässt, das zeugt schon von Größe und Sympathie: „Ich hoffe, dass die Leute durch den Film verstehen, dass das Leben von Einwanderern nicht einfach ist“, erläutert er (im Presseheft) seinen Blickwinkel, sich für diese (vergleichsweise) kleine Produktion zur Verfügung zu stellen.

„Das Wunder von Marseille“ bricht fein-listig wie angemessen-emotional Barrieren auf zwischen „Uns und Denen“ und berührt auf angenehm unspektakuläre, schöne „französische Film-Weise“ (= 3 1/2 PÖNIs).

Teilen mit: