KILLING SEASON

PÖNIs:   (1/5)

Verehrter ROBERT DE NIRO:

SIE sind mein filmischer HERO. Gelten nicht nur als, sondern sind wahrhaftig auch der beste lebende Charakter-Schauspieler überhaupt. Will SIE nicht langweilen, wenn ich einige Ihrer hervorragenden/überragenden Auftritte nochmal erwähne, aber durch Ihre Mitwirkung wurden Filme wie „Der Pate II“, „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Es war einmal in Amerika“, „Zeit des Erwachens“, „Casino“ zu ewigen Meisterwerken. Wenn man bereits am Anfang seiner Karriere auf einer solchen darstellerischen Überholspur agiert, ist – klar doch – irgendwann „die Luft“ ‘raus. Findet man sich in den „normalen Filmen“ ein. Dagegen ist auch überhaupt nichts zu sagen. Solange Ihr Ruf „unbefleckt“ bleibt. Also SIE mit „ganz Künstlerisch-Unten“ nichts zu tun haben. Mit Schrott-Movies etwa. Leider ist dies nun der Fall, denn mit Ihrer neuesten Arbeit befinden Sie sich in einem dermaßen dämlichen Umfeld, thematisch wie ausführend, dass sich der Robert De Niro-Fan schämt. Dass sein Idol „in SO ETWAS“ Blödem, Peinlichem, Dämlichen mitwirkt. Auch wenn der Film hierzulande „nur“ (und Gottseidank nicht auf der Leinwand) in der Heimkino-Masse gestartet wurde:

„KILLING SEASON“ von Mark Steven Johnson (USA 2012; B: Evan Daugherty; K: Peter Menzies Jr.; M: Christopher Young; 91 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 29.11.2013).

Robert De Niro als Benjamin Ford. Der geschiedene Ex-US-Soldat lebt zurückgezogen in den Rocky Mountains. In einer schmucken „Hollywood-Hütte“, mit rustikalen Design-Elementen außerordentlich gemütlich und atmosphärisch ausgestattet. Im Schaukelstuhl wird Hemingway gelesen („Wem die Stunde schlägt“), ab und zu eine Aspirin gegen die Schmerzen in seinem Bein eingepfiffen, in dem sich noch ein Metallsplitter befindet, während auf dem Plattenteller „Don’t Take Your Guns to Town“ von Johnny Cash läuft. Eine halbwegs beschauliche Stimmung. Die aber abrupt endet, als Emil Kovac (JOHN TRAVOLTA = mit eingefallenem Gesicht, kurzgeschorenem Haar und arg ekligem Abraham Lincoln-Bart, also von links oben bis rechts oben bzw. umgekehrt) auftaucht. Mit dem ehemaligen serbischen Elitesoldaten wird erst eine (gut in die Kamera gehaltene) Flasche Jägermeister geleert, dann rückt DER mit der Gewalt-Sprache heraus: Emil will Rache. Wurde einst im Bosnienkrieg von Benjamin „nur fast“ erschossen, überlebte und sinnt nun nach „Ausgleich“. In einem „echten“ Mann-gegen-Mann-Duell, hier in den Bergen, in der Wildnis. Also beginnen sich der 70-jährige Robert De Niro und der am 18. Februar 2014 die 60 erreichende John Travolta („Saturday Night Fever“) „zu kabbeln“.

Mal hat DER Vorteile, mal der Andere. Man beschießt sich mit Pfeil und Bogen, quatscht zwischendurch ellenlang über Gott und die schrecklich kriegerische Welt („Ich habe in drei verschiedenen Kriegen in vier verschiedenen Ländern gekämpft“, merkt Benjamin schamvoll ernst an), humpelt ein bisschen mehr oder weniger herum, bekommt Wunden ab, an denen jeder längst krepiert wäre, überlebt einen bestialischen Abhang-Autounfall ohne größere Verletzungen (De Niros Gesicht sieht danach wie aus dem Ei gepellt aus), während eine Rabauken-Musik „die Sache“ laut nervend begleitet. Emotional aufzuputschen gedenkt. Und die ganze Zeit schaust du ungläubig wie fassungslos zu und meinst: WER DENKT SICH SOWAS WARUM AUS? UND: WAS MACHT ROBERT DE NIRO HIER??? Sie foltern sich solange, bis es heißt „Du hast gewonnen“. Dann schließen sie Frieden und ziehen „gesundet“, also gestärkt zu ihren privaten Standorten zurück. Ihr Krieg ist jetzt beendet. Amen.

Krank, unlogisch, völlig ernst gemeint und ausgeführt und nicht etwa als apokalyptischer Privat-Trash „ulkig“-schwarz durchgezogen. Nein. Völlig bitter-blöd. Unsinnig. De Niro betrachtet im Bonus-Interview den Film bereits mit einer gewissen Skepsis (in der Art, bin mal gespannt, ob DAS verstanden bzw. angenommen wird); John Travolta faselt etwas von einem Antikriegsfilm und verweist stolz auf seine eigenen Recherchen, weil er ja in der Vorbereitung für dieses Projekt mit seinem eigenen Flieger in Bosnien, Serbien und Kroatien war, um „tolle Gespräche“ zu führen.

„Killing Season“, dermaßen Star-besetzt und schlimm missraten, zählt zu den absoluten Tiefpunkten in der langen Schaffensära Robert De Niros. Es kann sein, dass ihm nun erstmals – Travolta hat ja schon vier – die „Goldene Himbeere“ winkt. Und DAS tut RICHTIG weh. Schmeißt diesen Film-Müll auf den Haufen (= 1 PÖNI).

Anbieter: „Splendid Film“.

Mit bedenklichen Film-Grüßen zum Jahreswechsel

Hans-Ulrich PÖNI Pönack

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