KILLER BABES

Es kommt bei uns nicht sehr oft vor, dass wir auf einen (na ja) neuen Spielfilm aus den Niederlanden stoßen. In dieser Woche aber ist das der – komische – Fall. Dabei handelt es sich um ein Werk, das ursprünglich „De Botox methode“, für den internationalen Markt „The Botox method“, heißen sollte. Da Botox jedoch ein geschützter Markenname ist, musste dieser Titel aus juristischen Gründen „ausfallen“. Deshalb heißt diese 3 Millionen EURO budgetierte Produktion im Original nunmehr „Moordwijven – Niemand is perfect“, in der englischsprachigen Fassung „Murdering Wives – No body is perfect“ sowie bei uns

KILLER BABES“ von Dick Maas (B, M, Prod.+R, Niederlande 2007; 100 Minuten; deutschsprachige TV-Erstausstrahlung am 19.7.2009 bei RTL; DVD-Veröffentlichung: 15.4.2011).

DICK MAAS, am 15. April 1951 in Heemstede geboren, das ist der holländische „Steven Spielberg“. Drei der dort vier erfolgreichsten einheimischen Kinofilme der letzten zwei Jahrzehnte stammen von ihm, darunter die auch bei uns bekannten, beliebten „FLODDER“-Familienfilme („Flodder – Eine Familie zum Knutschen“/Teil 1 bis 3/1986, 1992, 1995). Dick Maas ist ein Multi-Talent, weil er oft sowohl als Produzent, Drehbuch-Autor, Filmkomponist (spielt Gitarre und Klavier) und Regisseur gleichzeitig kreativ tätig ist. Sein Ersterfolg war 1983 der „Schocker“ „FAHRSTUHL DES GRAUENS“. Das Remake schuf er 2001 gleich selbst, als amerikanisch-niederländische Co-Produktion, unter dem Neutitel „Down“. Mit „VERFLUCHTES AMSTERDAM“ (s. KIno-KRITIK) inszenierte er 1988 eine Art holländische Leinwand-Bond-Show. Mit vielen rasanten Action-Szenen durch die Grachten der attraktiven Hauptstadt.
„Killer Babes“, sein jüngstes Projekt, war an den holländischen Kinokassen ebenso erfolgreich und wurde Ende 2007/Anfang 2008 Zuhause mit dem „Goldenen“ und dem „Platin“-Filmpreis für mehr als 100.000 bzw. 400.000 Kinobesucher ausgezeichnet. Behandelt ein aktuelles Personality-Thema: Jugend-, Schönheits- und Konsumwahn. Von „der Meute“, die sich das leisten kann. Die in einer luxuriösen Parallelgesellschaft abgehoben lebt. Schon während des tückischen Vorspanns werden die „Zutaten“ süffisant sichtbar: Spritzen, Zangen, Absaugschläuche. Botox-Flaschen. Dann tauchen SIE auf, werden SIE vorgestellt:
1.) Name: Estelle; Alter: 42; Aussehen: 36; letzter Eingriff: Falten glätten; Botox-Behandlungen: 8″.
2.) Name: Nicolette; Alter: unbekannt; letzter Eingriff: Fettabsaugung; abgezapfte Liter: 4″;
3.) Name: Kitty; Alter: Jünger als Nicolette; letzter Eingriff: Nasenkorrektur; Schmerzmittel: 1 Schachtel zu viel“.

So lernen wir die Millionärsgattinnen kennen. Man versammelt sich auf einer „Konferenz der Schönheit“. Wo ein Dr. Bilderberg, leitender Hand-Langer und Chirurg der gleichnamigen Fabrik-Klinik, gerade eine schwärmende Rede hält. Über die herrlichen Frauen, die das alles mit bzw. an sich „durchführen“ lassen. Im Dienste der Schönheit. Wunderbar. (Profitabel). Als seine maskenhaft starr lächelnde Ehefrau-Hässlichkeit aufsteht, um ihren „Liebsten“ mit einer kleinen Pistole ruhig niederzustrecken. Die Zicken-Gemeinde ist entsetzt. Empört. Solch eine „Verschwendung“. Wo doch die Welt mit solchermaßen Spitzenpersonal nicht gerade gesegnet ist. Oder so. Jedenfalls treffen wir die drei Grazien Estelle, Nicolette und Kitty danach auf dem Friedhof wieder. Wo eine ausgesprochen giftige Heuchel-Atmosphäre vorherrscht. Was jetzt? Wo jetzt? Hin?  Von wem jetzt? Weiter behandelt werden? Denn es muss ja weitergehen, man, besser frau, wird ja nicht jünger. Schließlich will Mann täglich „gut aussehendes Fleisch“ angeboten bekommen. Sonst sucht er sich womöglich „besseres Material“. Jüngeres.

Kitty (BRACHA VAN DOESBURGH) hat so einen Verdacht. Weil ihr Gemahl des Öfteren mit einer Pamela telefoniert. Wie sie mitbekommt. Und andauernd aushäusig ist, auf irgendwelchen wichtigen Tagungen. Die 3 beschließen Tabula-Rasa. Sollte der reiche Alte tatsächlich.., muss er auch sterben. Wie eingangs der untreue Dottore Bilderberg. Ihre Recherchen, unter Mithilfe des Taschenbuch-Checklisten-Bestsellers „Ehebruch – Die Top 50“, bestätigen den Verdacht. Jetzt muss ein Killer gefunden werden. Im Milieu. Kitty stößt auf Cliff. Vom Aussehen her eine Art „Frankenstein-Typ“. Mit musikalischer Fan-Macke: Cliff verehrt total CLIFF RICHARD („Cliff ist Gott“). Identifiziert auf dem von Kitty überreichten Foto deren Ehemann als Evert-Jan, Inhaber dreier Musik-Verlage und der umfangreichsten Cliff Richard-Sammlung Europas. Neben 10.000 Honorar-EURO verlangt er deshalb auch die im Besitz von Gatte Evert-Jan befindliche Erstpressung-Single „Summer Holiday“ von 1963. Abgemacht.
Doch von nun ab verläuft die kauzige Chose etwas anders als geplant. Es gibt zwar reichlich Tote, aber darunter befindet sich nie der untreue Kitty-Gatte Evert-Jan. Makabre wie aber auch „zweckerfüllende“ Anschlags-Zufälle häufen sich. Wie es sich danach immer herausstellt. Während der sensible Killer Depressionen kriegt. Und an seinen Fähigkeiten – berechtigt – zweifelt. Die drei flotten Furien sind mehr und mehr aufgebracht: „Wir lassen uns nicht wie Müll behandeln“. Es wird komischer. Im Sinne von noch zynischer.

Der reparierte weibliche Power-Pöbel und der überkandidelte, sich unangreifbar fühlende männliche reiche Abschaum. Dick Maas schlägt ganz überdreht-naiv-schwarzhumorig zu. Motto: „Besser schön künstlich als natürlich hässlich“. Du musst ein Schwein sein auf dieser Welt, sangen mal „Die Prinzen“. Dies ist der niederländische Spaß-Film dazu: Politisch völlig unkorrekt; voll auf auf die freche Geschmacklosigkeit zielend, mit phantastischen Barbie-Darstellerinnen (neben Brache van Doesburgh als Kitty HADEWYCH MINIS als Estelle und SANNE VALLIS DE VRIES als Nicolette). Eine absolute Gift-Gift-Gift-Comedy tut sich hier auf. In Gedanken, Tun und Seele. Mit viel Ulk-Schärfe.
Dick Maas hat wieder einmal doll zugeschlagen. Mit „schönen“ „Killer Babes“. Jetzt auf DVD (= 4 PÖNIs).

P.S.: Schade nur, dass das Making -of-Bonusmaterial nur in der holländischen Originalsprache angeboten wird. Ein Unding.

Anbieter: „Universum Film“.

 

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