Kalter Hauch Kritik

Am letzten Donnerstag, 07.04.2011, startete in unseren Kinos das Remake unter dem einstigen Originaltitel: „The Mechanic“. Mit Jason Statham in der Hauptrolle als exzentrischer Profi-Spitzenkiller (s. KINO-KRITIK). In dieser Woche kommt das 38 Jahre alte Hollywood-Original bei uns auf DVD heraus:

KALTER HAUCH„, von Michael Winner (USA 1972; B: Lewis John Carlino; 96 Minuten; Start D: 14.12.1972; Video-Premiere: 18.5.2004; DVD-Veröffentlichung 14.4.2011; jetzige FSK-Empfehlung: ab 16 Jahren, weil „komplett“).

MICHAEL WINNER, geboren am 30. Oktober 1935 in London, wurde vor allem mit dem zwei Jahre danach gedrehten New Yorker Rache-Thriller „Ein Mann sieht rot“ weltweit „umstritten“-populär. Gemeinsam mit seinem Lieblingsschauspieler CHARLES BRONSON (3.11.1921 – 30.8.2003) in der „typischen“ Hauptrolle. Denn der durch die schweigsame Rache-„Mundharmonika“-Figur in Sergio Leones Western-Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ von 1968 weltberühmt gewordene Schauspieler paßte brillant in das Typen-Schema des exzellenten Action-Regisseurs. Wie hier.

Als „The Mechanic“ Arthur Bishop: „Ich rege mich nie auf. Ich bin Mechaniker“. Identifiziert sich der kühle Profikiller. Der seine hochkarätigen Aufträge von einer international operierenden „Organisation“ bekommt und sie ebenso „sauber“ wie unauffällig und unerkannt profitabel ausführt. Als Solist. Während der ersten Filmviertelstunde wird nicht gesprochen, sind nur die „quere“, mitunter reißerische Musik (von JERRY FIELDING) und die „Außengeräusche“ zu hören. Während Arthur seinen Job cool ausführt. Nach 15:12 Minuten fällt das erste Wort überhaupt: „Ja“, nölt der Bronson-Arthur ins Telefon. Er hat wieder einmal bestens „funktioniert“. Macht es sich „danach“ in seinem großen luxuriösen Haus im roten Bademantel bei klassischer Musik und Rotwein gemütlich. Um dann einen weiteren Auftrag zu übernehmen. Diesmal ist sein unmittelbarer Chef „dran“.

Das Zielobjekt ist Harry McKenna (KEENAN WYNN). Raffiniert „löst“ er auch diesen Job. Bei der Beerdigung trifft er auf Harrys Sohn, Draufgänger Steve (JAN-MICHAEL VINCENT). Der sich einfach nicht abschütteln lässt. Und weil Arthur inzwischen sowieso gesundheitlich einige „Aussetzer“ hat, nimmt er Steve unter seine Fittiche. „Bildet“ ihn quasi aus. Lässt ihn mitmachen und erklärt ihm – wir befinden uns im Jahr 1972/Watergate; Palästinenser-Attentat bei den Olympischen Spielen in München; die RAF in der BRD – die tödliche Philosophie: „Mord ist nur Töten ohne Lizenz, und wer tötet nicht alles: Regierungspräsidenten, Polizisten, Militärs…“. Doch seine Vorgesetzten/Auftraggeber sind längst misstrauisch geworden. Schicken ihn nach Italien „zur Bewährung“. Wo er erstmals gegen seine Prinzipien „arbeiten“ muss: „Es will sorgfältig und in Ruhe durchdacht werden. Zum Schluss ist man entweder todsicher oder tot. Eine zweite Chance gibt es nicht“. Der alte Haudegen muss nun verdammt aufpassen.

„KALTER HAUCH“ ist ein Klasse B-Movie der 70er Unruhe-Jahre. Einfach, schnörkellos, direkt. Ohne Fallstricke. Mit dicksten Buchstaben läuft anfangs der „nervöse“ Vorspann durch, zugleich mit dieser „auch-unruhigen“ Begleitmusik; dazu dieses „asiatisch“ aussehende Pokerface des Charles Bronson. Der im Milieu herumstakst. Besonnen recherchiert. Sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ein Kerl, der einfach weiß, „wie man´s macht“. Um dann, „nach Feierabend“, auch schon mal „gemütlich“ ins Bild zu blicken wie „Kommissar Maigret“, so mit dampfendem Pfeifchen und wissender Insich-Ruhe. In einem schicken roten Schlafanzug. Bevor er dann abdüst, um irgendwo wieder einmal „loszulegen“. Was soll er auch sonst machen? „Es gibt Killer und Killer“, sagt er einmal im Wachsfigurenkabinett zu seinem Schützling Steve, als sie an Hitler vorbeischlendern.

„KALTER HAUCH“ unterstreicht auch, dass Charles Bronson kein besonders guter Schauspieler war. Was er brillant beherrschte, war, SICH darzustellen, zu präsentieren zu spielen: Eindimensional, aber faszinierend; minimalistisch, mit undurchdringlichem Gesichtsausdruck, dabei aber äußerst spannend. Ein toller Reiz-Typ. Auch ohne tiefe Charakterzüge. „Ich vermute, ich sehe aus wie ein Steinblock, den man in die Luft gesprengt hat“, beschrieb er mal sich selbst. Und wurde dennoch, dank Sergio Leone und „Spiel mir das Lied vom Tod“, zur Kultfigur. Die in Frankreich die Ehrenbezeichnung „HEILIGES MONSTER“ bekam. Hier nun taucht er wieder einmal, aus aktuellem (Remake-)Anlass, in der filmischen DVD-Erinnerung auf. Das unterhaltsame Entzücken über „jene Zeiten“, da ER im Action-Film dominierte, ist gewaltig (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „EuroVideo“

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