Inherent Vice Kritik

INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL“ von Paul Thomas Anderson (B + R; USA 2013/2014; nach dem Roman „Inherent Vice“ von Thomas Pynchon/2009; K: Robert Elswit; M: Jonny Greenwood; 148 Minuten; Start D: 12.02.2015); gewiss, ER zählt zu seit Jahren zu den innovativsten amerikanischen Filmemachern überhaupt: PAUL THOMAS ANDERSON. Sämtliche seiner bisherigen sechs Spielfilme, vom Debüt „Last Exit Reno“ (1996) über „There Will Be Blood“ (2007/s. Kino-KRITIK) bis zu seinem letzten spannenden Denk-Hieb, „The Master“ (2011/s. Kino-KRITIK), waren filmische Hochkaräter. Anderson, 44, zählt zu seinen wichtigsten „Ratgebern“ Filmemacher wie Martin Scorsese, Robert Altman, Stanley Kubrick, Orson Welles und Max Ophüls. Komplexe Figuren und vielschichtige Handlungen beinhalten seine Inspirationen, sind seine Intentionen. Der 7. Kinofilm dieses außergewöhnlichen Talents ist völlig aus dem verständlichen Ruder gelaufen.

Hörspiel-Kino. Es wird ununterbrochen geredet. Über wen, mit wem, über was, ist nur fragmentarisch zu entnehmen. Wir befinden uns in einem Film, der so ausschaut, als würden Dauer-Bekiffte einen Kiffer-Movie schaffen. Zu welchem Gedanken- wie Unterhaltungszweck ist kaum auszumachen. Bewegungen, Äußerungen, Erklärungen bleiben zumeist unverständlich. Erkennbar sind: Kiffende Menschen der 1970er Jahre mit Paranoia-Benehmen. In Los Angeles. Jedenfalls: in einer dortigen überkandidelten Outlaw-Region. Von damals. Mit ständig unverständlichen Wahrnehmungen. Wie Handlungsfetzen.

Sein Name: Doc Sportello = „Johnny Cash“ JOAQUIN PHOENIX mit Voll-Frisur, also die pure Haar-Fresse, mit Kotletten bis ganz face-runter, verschrubbeltem Fünftage-Bart und immer eine Kippe in der Gusche. Mit Strohhut und Sandalen. Manchmal barfuß. Soll Detektiv sein. Wird behauptet. Denn eigentlich sieht er aus und benimmt sich lieber wie ein verkackter Junkie, der viel lieber dauerhaft am Strand ein träges Hippie-Rausch-Leben führen würde. Stattdessen taucht eine Ex von ihm auf, die ihm eine wirre Geschichte von ihrem Geliebten mitteilt, dem reichen Bau-Unternehmer Wolfmann (ERIC ROBERTS), dessen Ehefrau und deren Geliebter sie gebeten haben mitzuhelfen, Wolfmann sein Vermögen zu klauen. Mühsam macht sich der zugedröhnte Doc an die Arbeit. Irgendwie wird’s es kompliziert(er). Als er neben dem toten Leibwächter dieses Wolfmann aufwacht, beginnt ein ebenso sonderbarer wie aggressiver „Bulle“, genannt „Bigfoot“ Bjornsen (JOSH BROLIN), mit Hakenkreuz-Tattoo auf der Wange, auf ihn Jagd zu machen. Aber was heißt Jagd, mal quatschen sie „heftig“ herum, mal fährt man irgendwie in Autos durch die Gegend, mal wird zusammen gesoffen. Weitere skurrile Gestalten, die kurz mal auftauchen, was labern und verschwinden: Abzocker, Nutten, Surfer. DER sucht DEN, DIE sucht IHN, MAN sucht DER/DIE/DAS, wie zum Beispiel eine Heroin-Süchtige ihren gar nicht toten Ehemann (OWEN WILSON als immer voll behudelte Jesus-Figur, der nur Unsinn palavert). Mal gibt`s was auf die Fresse, mal wird schnell mal gevögelt, meistens wird aber nur viel abgelabert. Was wo wie warum? Nix genaues weiß man nicht. Erfährt man nicht. Ist anscheinend völlig egal.

Promis wie REESE WITHERSPOON (als verbissene Staatsanwältin), BENICIO DEL TORO (als angeblicher Rechtsanwalt), MARTIN DONOVAN (nicht einzuordnen), MARTIN SHORT (ein geiler Zahnarzt auf Koks) tauchen auf und ab; man nimmt es müde wie gelangweilt zur Kenntnis (der Schwachsinn zieht sich über 148 Minuten hin). Marionetten-Theater ohne Vergnügen, atmosphärisch Retro, also bewusst dauer-übertrieben. Motto: Die volle Überdrehung. Als behämmertes, dussliges Koks-Gebräu. Zitat „New York Post“: „Eine zweieinhalbstündige Belastungsprobe“. Muss ich nicht kino-haben. In „The Guardian“ stand: „Siegeszug im Delirium“.

Ach du Scheiße (= 1 PÖNI; für die bisweilen „charmante“ Musik von „Radiohead“-Typ Jonny Greenwood).