Il Postino – Der Postmann Kritik

Die filmische Wiederbegegnung mit einem „kleinen Meisterwerk“ aus Europa ist ein Sonnenschein inmitten des vielen Krachs im derzeitigen Heimkino-Aufgebot. Es ist als „Special Edition“ erschienen und wurde mit großzügigem Bonusmaterial – wie Regie-Kommentar, einer Featurette über Pablo Neruda, Trailer sowie einer Bildergalerie -ausgestattet:

IL POSTINO – DER POSTMANN“ von Michael Radford (B + R; Italien/Fr/Belgien 1994; nach dem Roman „Mit brennender Geduld“ von Antonio Skármeta; K: Franco di Giacomo; M: Luis Einriquez Bacalov; 109 Minuten; Kino-Start D: 07.12.1995; Video-Start: 5.6.1996; aktuelle Heimkino-Veröffentlichung: 25.02.2016).

PABLO NERUDA (12. Juli 1904 – 23. September 1973) war ein chilenischer Dichter und Schriftsteller, der sich mit / in seinen Werken vor allem gegen den Faschismus in seinem Heimatland Chile und in Spanien einsetzte. 1971 erhielt der den Nobelpreis für Literatur.

ANTONIO SKÁRMETA, geboren am 7. November 1940, ist ein chilenischer Schriftsteller. Sein bekanntester Roman heißt „Mit brennender Geduld“; der Titel des Buchs, dessen Handlung in einem chilenischen Fischerdorf spielt, geht auf ein Zitat von Arthur Rimbaud zurück: „Im Morgengrauen werden wir, bewaffnet mit brennender Geduld, die Städte betreten“; bei Skármeta liest es sich: „Nur mit brennender Geduld werden wir die strahlende Stadt erobern, die allen Menschen Licht, Gerechtigkeit und Würde schenken wird. So wird die Poesie nicht vergebens gesungen haben„.

1983 verfilmte Antonio Skármeta im deutschen Exil seinen Roman selbst. Gedreht wurde „Ardiente paciencia“, so der Originaltitel, in Portugal mit chilenischen Schauspielern. Der deutsche Kinotitel übernahm den Romantitel, „Mit brennender Geduld“, der Darsteller von Pablo Neruda, Roberto Parada, kam für die Dreharbeiten direkt aus Chile.

1994 adaptierte der britische Drehbuch-Autor und Regisseur MICHAEL RADFORD, Jahrgang 1946, bekannt durch seine George Orwell-Adaption „1984“ von 1984 (mit John Hurt und Richard Burton in seinem letzten Auftritt), den Roman von Antonio Skármeta erneut. Versetzte die Handlung auf die kleine sizilianische Insel Salinas. Hierhin hat es den Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (PHILIPPE NOIRET) ins Exil verschlagen, wo er mit seiner Frau lebt. Und täglich viel Post aus aller Welt bekommt, die ihm der schüchterne Briefträger Mario (MASSIMO TROISI) bringt. Zwischen den ungleichen Männern entwickelt sich nach und nach eine tiefe Freundschaft, als Mario „die Poesie“ entdeckt, „vermittelt“ bekommt, angespornt durch die Liebe zur schönen Beatrice (MARIA GRAZIA CUCINOTTA). Und sein Freund Pablo ihm zu den „richtigen Worten“ verhilft, damit er um sie werben kann.

Der Intellektuelle und der einfache Mensch: Auf diesen simplen Nenner gebracht beeindruckt der Film „Il Postino – Der Postmann“. Der Welt-Poet und der liebenswerte Träumer. Dieses Zusammenspiel funktioniert, weil ihr verschmitztes verbales Duell diese an sich filmische Leichtigkeit zu einer einfühlsamen Kostbarkeit, zu einem wunderbaren klugen Lebensstreich, werden lässt. Abseits jedweden Klischees. Voll menschlicher Ironie und weiser Humanität. Der Franzose Philippe Noiret vermittelt den Grandseigneur der Worte und Gedanken, Pablo Neruda, mit faszinierender Körpersprache und listigem Vergnügen; sein italienischer Kollege Massimo Troisi, der kurz nach den Dreharbeiten (am 4. Juni 1994) verstarb und dem dieser Film gewidmet ist, lässt als männliche Unschuld vom Lande, sprich von der Insel, ein großes melancholisches Herz spüren. Empfinden. Ihr beider Spiel ist triumphal-leise. Lächelnd kostbar.

„Il Postino – Der Postmann“ bedeutet für Liebhaber feiner emotionaler Töne und hervorragender Schauspielkunst ein charmantes sowie landschaftlich farbenprächtiges Vergnügen. Ein Spektakel der schönen Sinne. Der Film, der weltweit mit 18 Filmpreisen bedacht wurde, darunter 1995 mit dem italienischen „Oscar“, dem „David di Donatello“, sowie 5 „Oscar“-Nominierungen erhielt (wovon er schließlich einen, für die „beste Filmmusik“, bekam) und 1997 den „Prix Lumière“ für den „besten ausländischen Film“ erhielt, ist auch heute wieder eine wunderbare filmische Entdeckungs-Leichtigkeit des Seins (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „Koch Media“

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