HOLY FLYING CIRCUS – VOLL VERSCHERZT

PÖNIs:       (4,5/5)

Anfangs tat ich mich mit ihrem „speziellen Humor“ außerordentlich schwer. Dann wurde es besser. Und immer besser. Schließlich gehörte die britische wie exzentrische Komiker-Gruppe MONTY PYTHON in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts mit ihren TV-Slapstick-Serien-Gags und den eigenwilligen Kinofilmen zu den Highlights in Sachen ganz schrägem, ganz hintersinnigem, ganz surreal-komischem Humor. Den im Laufe der Jahre, auch über die vielen TV-Wiederholungen, mehr und mehr ein hymnischer Kultgeruch umwölbte. Aus dem Begriff „kafkaesk“ entstand bei DENEN das schwarz-ulkige Spaßstil-Prädikat „pythonesk“.

Die respektlosen Typen um GRAHAM CHAPMAN (*1941 – †1989), JOHN CLEESE (Jahrgang 1939), TERRY GILLIAM (1940), ERIC IDLE (1942), TERRY JONES (1942) und MICHAEL PALIN (1943) wurden zu frechen, bahnbrechenden Satire-Ikonen. Deren Text-, also Denk- und Mach-Art einen gewaltigen Einfluss auf viele internationale Humoristen in der Folge haben sollte. 1983 löste sich die legendäre Gruppe auf. Jetzt kam die Meldung, dass sie wieder auftreten werden. Ab Januar 2014 soll (inzwischen: wird) es in London neue Live-Shows geben. Mit den „Monty Schlangen“, von denen JOHN CLEESE die umfangreichste Solo-Karriere danach machte („Oscar“-Nominierung als Co-Drehbuch-Autor für den herrlichen Kinojux „Ein Fisch namens Wanda“/1988, in dem er auch mitspielte; über Jahre der Bond-Obertechniker „Q“). Zuletzt war er zwei Jahre lang auf Live-Tour unterwegs, angeblich um die Kosten für die teure Scheidung von seiner dritten (Ami-)Frau zu bezahlen. Deshalb nannte er auch sein Solo-Programm selbstironisch „Die Alimente-Tour“. Nun also das nicht (mehr) für möglich gehaltene Doch-Noch-Wieder-Zusammenkommen der fünf kauzigen Oldie-Musketiere, das mit Sicherheit riesige Einnahmen garantiert. DIE MONTYS AUS PYTHON SIND WIEDER DA!!!

1979 schufen die Pythons eine ihrer typischen „Anti“-Komödien, die im Verlaufe der Jahre und Jahrzehnte immer mehr Zuspruch wie Anhänger fand: „DAS LEBEN DES BRIAN“. Der Spielfilm – Co-Produzent: Ex-Beatle George Harrison (mit seiner Firma „HandMade Films“); Drehbuch: Monty Python; Regie: Terry Jones; Musik u.a.: Eric Idle – erzählt vom naiven Brian, der zur gleichen Zeit wie Jesus geboren wird und durch (arge) Missverständnisse unfreiwillig als Messias „hofiert“ wird. Weil er sich auch gegen die römischen Besatzer stellt, findet er schließlich in einer Massenkreuzigung sein sinnloses Ende. Das hierbei am Kreuz gemeinsam wie beschwingt gesungene Lied „Always Look on the Bright Side of Life“ (Gesang: Eric Idle) wurde zum populären Pop-Gassenhauer. Natürlich sorgte der Spielfilm damals schon im Vorfeld für immenses Aufsehen. Weil einiges aus dem Drehbuch vorab „herauskam“. Insbesondere religiöse Fundamentalisten erregten sich „auffällig“, ohne den Streifen gesehen zu haben. Jetzt ist hierzulande ein britischer TV-Spielfilm im Heimkino veröffentlicht worden, in dem es um genau diese prekäre „Python-Ära“ damals geht:

„HOLY FLYING CIRCUS – VOLL VERSCHERZT“ von Owen Harris (GB 2011; B: Tony Roche; K: Richard Mott; M: Jack C. Arnold; 90 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 29.11.2013).

„Was ist daran verkehrt, Leute zu beleidigen?“, lautet der ironische Tenor. Dieses gespielten pseudo-dokumentarischen Stoffes. Um das aufsehenerregende Geschehen anno 1979. Die fünfwöchigen Dreharbeiten für „Das Leben des Brian“ in Tunesien sind vorüber, die Phase für den Schnitt und die Vorbereitungen für die Kino-Premiere sind in vollem Gange. Doch religiöse Eiferer, besser hier – gestörte Religionsfanatiker, Sittenwächter, selbsternannte Moralapostel und die öffentliche Zensur („Diese Szene enthielt anstößige Formulierungen und dezente Satire“) sind alarmiert. Niemand hat das umstrittene Produkt bislang gesehen, aber die „Pfui Deibel“-Rufe gegen das angeblich „blasphemische Machwerk“ ertönen immer lauter. Intensiver. Die Kontroversen um die Veröffentlichung des Films finden ihren Höhepunkt bei einem Interview, das John Cleese (DARREN BOYD) und Michael Palin (CHARLES EDWARDS) am 9. November 1979 in der satirischen BBC-Sendung „Friday Night, Saturday Morning“ mit Mervyn Stockwood, dem damaligen Bischof von Southwark, und dem christlichen Autor Malcolm Muggeridge führen. Die den Film nicht oder nur teilweise gesehen haben. Danach ist im britannischen Filmkulturbetrieb nichts mehr so wie es vorher war.

Dieses gute Stück von scharfem Film lief erstmals am 19. Oktober 2011 im britischen TV-Kanal „BBC Four“. Der Titel „Holy Flying Circus“ nimmt dabei Bezug auf die Fernsehserie „Monty Python’s Flying Circus“ (1969 – 1974). Der begeisternde Film kreist zwischen authentischem Geschehen und dieser Bigotterie jener Epoche. Ist sehr detailliert gezeichnet und mit gnadenlosem britischem Witz durchsetzt. Also schroff in dem überzeugenden Spagat zwischen Überhöhung und – aktueller – Ernsthaftigkeit. Mit zugleich erfrischend lästerlicher Clownerie durchatmend: Gedanklich, im Ton und vor allem in der Darstellung der Python-Front-Kämpfer. Gegen den „guten Allgemeingeschmack“. Dabei erweist sich vor allem Darren Boyd mit der Interpretation von John Cleese als hinreißender Charakter-Narr. Dessen arrogant-lässigen wie lakonisch-coolen, schwarzkomischen Charme und fiese Biestigkeit („Komiker sind besser als Gott“) vorzüglich treffend. Aber auch die anderen „Pythons“ sind als fesche Karikaturen wunderbar süffisant getroffen. Sowohl in der körpersprachlichen Bewegung wie im anarchisch-mimischen und vor allem im pointierten Ausdruck („Es gibt doch Komiker, die Christen sind!“ – „Wirklich?“). Und natürlich gibt es auch diese typischen Schmankerl aus dem lästerlichen Hause dieser originellen Schreckmaten, wenn der Schauspieler RUFUS JONES nicht nur als Terry Jones, sondern auch als Michael Palins Ehefrau auftritt. Um köstlich-verbale non-regelkonforme Nadelstiche abzulassen.

„HOLY FLYING CIRCUS“ oder die ewige Lust- und Intelligenz-Frage: Über WAS darf man eigentlich NICHT Witze machen? Ist Lachen nicht irgendwann Fehl am kopfigen Mund-Platze? Die filmische Antwort ist eindeutig. Ein sehr ansprechender, picobello unterhaltsamer Diskurs. Mit gefühlt feuriger (Song-)Qualität: „Always Look on the Bright Side of Life“ – natürlich. Um nichts anderes geht es doch. Nicht nur im unnützen Leben des Brian… (= 4 1/2 PÖNIs).

Anbieter: „Polyband“

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