Hochstapler Kritik

DIE HOCHSTAPLER“ von Alexander Adolph (D 2006; 84 Minuten; Start D: 26.04.2007); ist der Debütfilm des Münchners, Jahrgang ´65. DER absolvierte nach einem Studium der Rechtswissenschaften das 1. + 2. bayerische juristische Staatsexamen. Bereits während des Studiums entstanden Hörspiele + Features (für „Radio Bremen“ und den „Südwestfunk“). Seit 1995 ist Alexander Adolph als freier Autor, Journalist und Regisseur in München tätig. Als Autor – für u. a. die ARD-„Tatort“-Krimi-Serie – hat er sich dabei einen guten Namen gemacht; besonderes Aufsehen erregte die Reihe „Unter Verdacht“, die er für das ZDF entwickelt hat. Für seine Drehbücher bekam er u.a. zwei „Adolf-Grimme-Preise“ (z.B. 2002 für „Tatort: Im freien Fall“) und den „Deutschen Fernsehpreis“ (2003/“Unter Verdacht – Eine Landpartie“). Seit 2002 arbeitet er auch als Dozent – an der Internationalen Filmschule Köln, der HFF München sowie an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Dieser lange biographische Vorlauf ist wichtig, um seinen exzellenten ersten Kinofilm einordnen zu können: Es handelt sich dabei um einen ganz außergewöhnlichen DOKUMENTARFILM, der sich nach dem wahren Motto richtet: Die spannendsten Kinogeschichten – s. auch „Die Kinder von Golzow“ – kommen oftmals/handeln meistens von „ganz normalen“ MENSCHEN. Wie hier. Und: Gegensätzlicher könnte der filmische Empfehlungs-Kontrast in dieser Kino-Premieren-Woche gar nicht sein: Eben noch das gewaltige Historien-Epos, jetzt der vergleichsweise „kleine“ innere Blick auf deutschen Betrug/einheimische Betrüger/deren Opfer. Auf TATSÄCHLICHE Manipulation, Gier, Trickserei, auf eine geradezu unglaubliche Hochstapelei von Gaunern/Kriminellen, die bereitwillig, beängstigend intelligent und „ruhig“ vor der Kamera ihr Lug-und-Betrug-Dasein/ihre Existenz/ihre Biographie ausbreiten.

„Die Hochstapler“ ist ein spannendes, informatives, mitteilsames 88 Minuten-Kammerspiel, vermittelt einen haarsträubend-unglaublich anmutenden Hinter-die-Kulissen-Blick um lustvoll- kriminelles „Nehmen“ und mitunter gieriges „Geben“(-Wollen). Was hier zum Vorschein/zur Anhörung kommt, besitzt auch so etwas wie eine charmant-verblüffende Dramaturgie hollywoodschen Drehbuch–Ausmaßes, entpuppt sich aber „irgendwie normales“ Vorkommnis aus deutschem Betrüger-/Betrugs-Alltag. Dabei erzeugt „Die Hochstapler“ solch einen faszinierend-spannenden Sog, der mit herkömmlichen INTERVIEW-Filmen wenig zu tun hat. Alexander Adolph hat mit seinen 4 „Protagonisten“ auskunftgebende Täter gefunden, die ebenso tiefe wie erstaunliche, mitunter geradezu „komische“ und dabei offensichtlich wahre Einblicke in ihre Motive/Hintergründe/Person/Seele geben. Und dadurch eben WIRKLICH so bestürzend-„real“/authentisch-nahe ´rüberkommen. Die Fiktion von Kino ist/wird hier aufgehoben. Das Mit- und dann vor allem das NACH-Denken ist hier höchst unterhaltsam wie ergiebig.

Einer der erstaunlichsten wie überzeugendsten deutschen Dokumentarfilme der letzten Zeit/der letzten Jahre (= 4 PÖNIs).

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