Himmel über Berlin Kritik

DER HIMMEL ÜBER BERLIN“ von Wim Wenders (D 1987; 128 Minuten; Start D: 08.07.1993). Vielgelobt und preisgekrönt von den Franzosen im Frühjahr in Cannes bei den Filmfestspielen. Ein schöngeistiges Märchen. Zwei Engel, der immer etwas zu gramgebeugte Bruno Ganz und der lockere Otto Sander, schauen auf diese Stadt. Lesen in den Gedanken der Menschen. Erkennen die inneren Mechanismen von Lebenslust und Seelentiefe. Hören Schmerz, Wehklagen, Protest und Liebe. Der eine Engel, Bruno Ganz, begegnet einer Frau. Einer Artistin. Gefühle entstehen. Zuneigung. Liebe. Aber dürfen Überirdische lieben?

“Der Himmel über Berlin“ ist Verschiedenes. Zum Beispiel eine Hommage an das Leben und die Phantasie und an die historische Geschichte in dieser Stadt. Ist aber auch, natürlich, ein modernes Märchen. Eine Verbeugung vor dem Kindlichen, vor dem Natürlichen im Menschen. Ist eine Komödie mit viel Poesie und schwermütiger Suche nach dem Sinn unseres Daseins. Dabei besitzen die Bilder des 78jährigen französischen Kameramannes Henri Alekan Seltenheitswert. Solch eine lustvolle, spielerisch-leichte, faszinierende Bilderbeschreibung von Menschen und Dingen gab es im Kino schon lange nicht mehr. Sich alleine an diesen prachtvollen, unangestrengt-schönen Aufnahmen festzusaugen, macht diesen Film zu einem Erlebnis.

Anders dagegen die Texte. Sie stammen teilweise vom Wender‘s Freund Peter Handke. Dessen ungelenke, schwer verständliche und verdauliche Sprache, aufgeblasen und
manieristisch, haben mich des Öfteren veranlasst, einfach rauszugehen, sich nur auf diese einzigartigen Bilder zu konzentrieren, um den Genuss nicht zu zerstören. Ein zwiespältiges Ereignis von Film, dieser neue Wenders. Er wirkt fröhlich und ungezwungen, wenn man sich seinen eigenen Weg durch diese außerirdische Menschwerdung und Liebeserklärung sucht. Dazu verhilft auch teilweise die Musik. Wenders, der Rock-Liebhaber, hat Interpreten wie Nick Cave oder Laurie Anderson eingebaut (= 3 PÖNIs).

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