DIE GRÄFIN

DIE GRÄFIN“ von und mit Julie Delpy (Fr/D 2008; 98 Minuten; Start D: 25.06.2009); die französische Schauspielerin, Jahrgang ´69, ist bisher vor allem auf sanfte Filmfiguren abonniert („Before Sunrise“; „Before Sunset“/1995 + 2004). Als Regisseurin debütierte sie 2007 mit „2 Tage Paris“, einer charmant-femininen Liebes-Komödie. Jetzt vollzieht sie darstellerisch eine komplette Umkehr, in einem Kostümfilm, den eigentlich niemand mehr braucht.

In „The Countess“, Berlinale-Panorama-Beitrag vom Frühjahr, mimt sie ERZEBET BATHORY, die „Blutgräfin“ der ungarischen Geschichte, die 1611 wegen Mordes an mehr als 80 jungen Mädchen angeklagt und lebendig eingemauert wurde. Der Film erzählt von einer selbstbewußten ungarischen Aristokratin, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einen 18 Jahre jüngeren Grafen (DANIEL BRÜHL) verliebt. Doch dessen Vater (WILLIAM HURT), der selbst vergeblich um die Gräfin geworben hatte, spinnt eine raffinierte Intrige und trickst das Paar regelrecht wie gemein aus. In ihrer Verzweiflung verfällt die Gräfin auf die selbstquälerische Wahn-Idee, das Blut jungfräulicher Mädchen könne ihr zu ewiger Schönheit verhelfen.

Das Projekt wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der Mitteldeutschen Medienförderung, der Filmförderungsanstalt und dem Deutschen Filmförderfonds unterstützt bzw. „aufgepeppelt“. Auf der Berlinale-PK erklärte Julie Delpy, der Film zeige ihre dunkle Seite. Gewiß, aber vor allem setzt er die Potsdamer Friedenskirche, die brandenburgischen Dorfkirchen von Busendorf bei Beelitz und Pechüle bei Treuenbrietzen und zahlreiche Burgen in Sachsen, Thüringen und Rumänien ins feine Licht. Während Delpy mit maskenhaftem Pokerface Verzweiflung und Wahn signalisiert, bleibt Daniel Brühl als leidenschaftlicher Lover reichlich blaß und William Hurt ziemlich eindimensional-schurkisch. Ein trotz des vielen Horrors so blutleeres und eigentlich überflüssiges Kostüm-Drama als Ego-Versuchs-Ballon und –Bühne einer sonst so „lieben“ französischen Aktrice (= 2 PÖNIs).

Preis: EUR 13,62