GLORIA – DAS LEBEN WARTET NICHT

PÖNIs:      (4/5)

„GLORIA – DAS LEBEN WARTET NICHT“ von Sebastián Lelio (Co-B + R; USA 2017/2018; Co-B: Alice Johnson Boher, Gonzalo Maza; K: Natasha Braier; M: Matthew Herbert; 102 Minuten; deutscher Kino-Start: 22.08.2019); meine Kritik-Texte sind – natürlich – gnadenlos subjektiv. Und deshalb erlaube ich es mir auch, jeden Film mit IHR, der „Oscar“-Preisträgerin JULIANNE MOORE („Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“/s. Kino-KRITIK), Jahrgang 1960, aus North Carolina, definitiv GUT zu finden. Weil, ich SIE eben – ständig – GUT finde.

Und IHR gehört auch hier einmal mehr DIE BÜHNE. Aber – von Anfang an. Der Beginn ihres neuen Films geht zurück in die Zeit 2012/2013. Wo der chilenische Filmemacher SEBASTIÁN LELIO – in Co-Produktion Chile/Spanien – den Film „Gloria“ drehte. Mit diesem in den Berlinale-Wettbewerb von 2013 eingeladen wurde, wo seine Titeldarstellerin, PAULINA GARCÍA, den „Silbernen Bären“ als „Beste Hauptdarstellerin“ zugesprochen bekam. Als der Film hierzulande Anfang August 2013 in die (Arthaus-)Kinos kam, wurde er viel zu wenig beachtet. Das soll und sollte sich jetzt (wenigstens) ändern, denn der chilenische Regisseur, der im Vorjahr für sein 2017er-Werk „Una Mujer Fantástica“ – „Eine fantastische Frau“ den Auslands-„Oscar“ gewann, durfte in den USA seinen „Gloria“-Film noch einmal drehen.

Mit eben, „dem Zugpferd“: JULIANNE MOORE im Titelmodus. Gloria, in Los Angeles. Schon lange geschieden, die Kinder sind erwachsen und haben ihre eigenen Familien, ein Enkel. Der Bürojob okay, aber nicht das Lebensgelbe vom Ei. Julia, die Mitfünfzigerin, würde sich gerne mehr „gebraucht“ fühlen. Jemanden um sich wissen, der mit ihr zum Beispiel ihre Tanz-Leidenschaft teilt. Bei einer dieser Ü-50-Discoabende lernt sie Arnold (JOHN TURTURRO) kennen. Aber natürlich begegnet man sich in diesem Alter nicht ohne seelische Wunden oder alte Narben. In seinem Falle: besteht immer noch eine Abhängigkeit von seinen lebensuntüchtigen erwachsenen Töchtern und seiner telefonisch penetrant in sein Leben eingreifenden Ex-Frau. Doch weil er dies zulässt, „davon“ nicht loskommt, zieht Julia die Reißleine. Emotional wie praktisch. Doch er „fordert“ eine zweite Chance.

JULIANNE MOORE vermag Seele „zu spielen“. Sie, die kürzlich beim Festival im tschechischen Karlovy Vary (im böhmischen Kurort Karlsbad) für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, füllt jede Szene und fasziniert. Mit kleinsten Gesten, Bewegungen, Anspannungen; außerordentlich einfühlsam. Mit ihrem Mut zur Tragik, bei ihrer sinnlichen Körperlichkeit, wenn sie tanzt. „Manchmal bin ich glücklich, manchmal nicht“, und dann bewegt sie sich nach „ihrer“ Gloria Gaynor-80er-Hymne „Never Can Say Goodbye“ und natürlich zur Laura Branigans „Gloria“-Version.

JULIANNE MOORE ist IMMER einen geballten, gebannten, wunderbaren Besuch im Kino wert (= 4 PÖNIs).

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