DER GHOSTWRITER

DER GHOSTWRITER“ von Roman Polanski (Co-B+R; D/Fr/GB 2009; 128 Minuten; Start D: 18.02.2010); der neue Polanski basiert auf dem gleichnamigen Roman des 52jährigen britischen Schriftstellers ROBERT HARRIS aus dem Jahr 2007, der hier auch am Drehbuch mitarbeitete. Nach seinen Romanen „Vaterland“ (von 1992), „Enigma“ (1995) sowie „“Aurora“ (1998) ist „Ghost“, so der Originaltitel, der 4. Harris-Roman, der verfilmt wurde. Für den heute 76jährigen Roman Polanski, der 2002 mit „Der Pianist“ die „Goldene Palme“ von Cannes gewann und im Jahr darauf für diesen Film mit dem Regie-“Oscar“ bedacht wurde, ist es sein 18. Kino-Langfilm. Mit Meisterwerken wie „Wenn Katelbach kommt…“ (1965); „Tanz der Vampire“ (1967); „Rosemaries Baby“ (1968) oder „Chinatown“ (1974) erreichte Roman Polanski cineastisches Spitzenniveau, katapultierte er sich in die Weltbestenliste der Regisseure. Der Co-Produzent STUDIO BABELSBERG realisierte die Dreharbeiten für „Der Ghostwriter“ im Vorjahr auf den hiesigen Inseln Sylt und Usedom sowie in Berlin und den hauseigenen Studios.

Story: Ein vergleichsweise „kleiner“ britischer Autor bekommt völlig überraschend das lukrative Angebot, die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (= deutlich als TONY BLAIR zu identifizieren) zu verfassen. Dieser regierte Großbritannien während der Zeit des Irak-Krieges, wo es offensichtlich „Mauscheleien“ mit den USA (und also der Bush-Administration) gab. Für seine Lebenserinnerungen hat Lang von einem amerikanischen Verleger eine Millionengage zugesagt bekommen. Doch die Zeit drängt, denn das Buch soll „möglichst schnell“ auf den Markt gelangen. Und weil der erste Ghost-Autor soeben bedauerlicherweise bei einem „tragischen Unfall“ starb (fiel von Bord eines Schiffes…), soll nun der neue „Ghost“ blitzschnell wie gescheit „´ran“. Also reist DER in das Standhaus an der amerikanischen Ostküste, in dem Lang derzeit festsitzt. Denn der International Gerichtshof in Den Haag will dem Ex-Premier den Prozeß machen. Vorwurf: Mitwisser oder Beteiligter bei CIA-Foltermethoden gewesen zu sein. Lang soll britische Staatsbürger heimlich an die USA ausgeliefert und sie der Folter überlassen haben. Der öffentliche (Medien-)Druck ist enorm. So daß „Ghost“ kaum zum eigentlichen Arbeiten kommt in dieser klotzigen, hermetisch abgeriegelten Villa, die mit diesen „modernen“ Designermöbeln wie eine Bunkerhöhle aus der aktuellen Architekturzeitschrift ausschaut. Zudem gerät er in die „internen Spannungen“ zwischen Langs Ehefrau Ruth (faszinierend OLIVIA WILLIAMS/s. oben auch in „An Education“) und der blonden Chef-Assistentin Amelia Bly (mit viel erotischem Hauch, die „Sex and the City“-Ikone KIM CATTRALL). Und natürlich stimmt hier aber auch rein gar nichts, denn nicht nur die privaten Turbulenzen lassen „Ghost“ seinen Aufenthalt in ganz anderem Licht erscheinen. Mehr oder weniger zufällig in die Rolle eines Amateurdetektivs getrieben, der eine gigantischen Verschwörung aufzudecken hat, gerät er nun selbst in lebensbedrohliche Situationen/Gefahren.

HITCHCOCK schreit es die ganze Zeit angenehm-süffisant durch den Kinosaal. Roman meets Alfred. In Sachen Kribbeln, in Sachen Falsche-Fährten-Legen, in Sachen Verschwörungstheorien, in Sachen stimmungsvollem Spannungssound (von ALEXANDRE DESPLAT). Der Film besitzt viel warm-dunkle Atmosphäre, in den „normal“-unheimlichen Motiven, in den schmucken Farb-Bildern (Kamera: PAWEL EDELMANN, der auch schon bei „Der Pianist“ für Polanski preisgekrönt photografierte und auch für die hervorragenden Bilder in „Ray“ von Taylor Hackford/2004 zuständig war), in den „geheimnisvollen“ Bewegungen, Äußerungen, Andeutungen. Vor allem aber: Das gesamte Ensemble spielt phantastisch mit. Ex-007 PIERCE BROSNAN mimt den Ex-Briten-Boß als einen aalglatten Polit-Clown und Manipulator, der bisweilen wie ein plumper Gebrauchtwagenhändler agiert. Die beiden Chef-„Furien“ im Haus, Lady und Blondie, zicken prächtig herum. Während Schotten-Boy EWAN McGREGOR (inzwischen 38/von „Trainspotting“/1985 bis „Illuminati“/2008) als „männliche Unschuld“ den sympathischen modernen Philip Marlowe jr. gibt. Der, natürlich…. Unbedingt zu nennen aus dem hochkarätigen Team sind aber auch noch TOM WILKINSON („Michael Clayton“) als einmal mehr undurchsichtiger Oberschichten-Pinkel sowie TIMOTHY HUTTON als Anwalt Langs; der gute, alte ELI WALLACH („Zwei glorreiche Halunken“ von Annodunnemal) als „alter Mann“ aus dem Strandhaus sowie JAMES BELUSHI mit einem Kurzauftritt, gleich zu Beginn, als entscheidender Verleger. Eine feine Clique, in einem erstklassigen Spannungsfilm. Mit unterschwelligen aktuellen politischen Zeitzeichen. Was ja gar nicht so schlecht ist. „Der Ghostwriter“ oder Polanski zeigt sich immer noch bärenstark (= 4 PÖNIs).