Flying Scotsman Kritik


FLYING SCOTSMAN – Allein zum Ziel“ von Douglas MacKinnon (GB/D 2006; 96 Minuten; Start D: 05.07.2007); einem erfahrenen Fernsehregisseur, der hier sein Kino-Debüt abliefert. Der im Sommer 2005 in nur 32 Tagen entstandene Streifen erzählt die authentische Geschichte des schottischen Radsportlers GRAEME OBREE. DER, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, ist ein hochtalentierter wie ambitionierter Bahnradfahrer. Dessen Traum-Ziel es ist, den Stundenrekord auf der Bahn zu brechen.

Als er sein Ziel nach vielen Mühen, Rückschlägen und Neu-Versuchen endlich erreicht, wird ihm „offiziell“ die Anerkennung seitens des Radweltsportverbandes dennoch verweigert. Wie viele Radprofis der 90er probiert auch Obree eine neue ungewöhnliche Sitzposition aus, um die Geschwindigkeit zu erhöhen: Den Oberkörper weit nach vorne gebeugt, die Ellbogen eng an den Körper herangezogen, die Hände auf einen winzigen Lenker gestützt. Es funktioniert, weil die Haltung der Aerodynamik entgegenkommt, doch der oberste Verband bzw. seine engstirnigen Funktionäre „mögen“ dies nicht und verweigern ihre/die Zustimmung. Der ohnehin teilweise schwerst-depressive Obree zerbricht daran fast. Doch dann gelingt ihm 1995 in Frankreich doch noch einmal das Comeback, er wird Weltmeister in der Einer-Verfolgung. Seine Haltung geht daraufhin als die „Superman-Position“ in die Radsportgeschichte ein.

MacKinnon hat diesen Überlebenskampf SOLIDE erzählt/bebildert. Motto: Ein arbeitsloser Amateur, mit selbst gebasteltem Rad, wagt es, die gesponserten Profis mit ihren sündhaft teuren Maschinen herauszufordern. Leider aber benutzt das auf der Autobiographie Obrees basierende Drehbuch (von John Brown, Declan Hughes und Simon Rose) eine zu unentschlossene Spannungs-Dramaturgie: Einerseits blickt er vehement auf die Vorbereitungen zu den entscheidenden Rennen; andererseits ist die Interpretation/Darstellung der Offiziellen/der Weltverbands-Bürokraten viel zu eindimensional und kaum nachvollziehbar. Und auch die Problematisierung der seelischen Erkrankung Obrees wird viel zu „nebenbei“ betrachtet/behandelt, bleibt dadurch viel zu unklar-folgenlos.

In der Rolle des gepeinigten Rad-Besessenen macht dagegen JONNY LEE MILLER („Trainspotting“) eine ausgesprochen gute Figur. Ein Film, der bekanntlich in ausgesprochen miesen Radsport-Doping-Zeiten auftaucht, wofür er aber nichts kann. Allerdings scheint er mir letztlich auf einem TV-Bildschirm/im Heimkino besser platziert/aufgehoben zu sein als auf der Großen (unterforderten) Kino-Leinwand (= 2 ½ PÖNIs).