DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME

PÖNIs:       (4,5/5)

„DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME“ von Zhang Yimou (B + R; Hongkong/China 2006; K: Zhao Xiaoding; M: Shigeru Umebayashi; 114 Minuten; deutscher Kino-Start: 26.04.2007), einem der bekanntesten + erfolgreichsten chinesischen Filmemacher überhaupt. Yimou, Jahrgang 1950, ist „Oscar“-Preisträger (2003 für „Hero“), erhielt 1994 in Cannes den Jury-Spezialpreis für „Leben!“, gewann zweimal den „Goldenen Löwen“ von Venedig („Die Geschichte der Qiu Ju“/1992 + für „Keiner weniger“/1999), bekam den „Silbernen Löwen“ für „Rote Laterne“ (1991), erhielt für seinen Debütfilm „Rotes Kornfeld“ auf der Berlinale von 1988 den „Goldenen Bären“, schuf weitere renommierte, weltweit beachtete und ausgezeichnete Filme wie „Judou“ (1990), „Happy Times“ (2001) sowie „House of Flying Daggers“ (2004), ein phantastisches Abenteuer-Melodram, mit Peking-Oper-Touch und Klasse-Martial-Arts-Duellen.

Viele seiner Filme, anklagende Parabeln über Autorität + Willkür, unterlagen lange Zeit Aufführungsverboten der chinesischen Behörden; gleichzeitig aber wurden sie auf internationalen Festivals gezeigt und trugen damit stark zur Reputation des modernen chinesischen Kinos bei. Inzwischen haben sich Zensur + Künstler „arrangiert“, folgerichtig wurde ZHANG YIMOU, der ehemalige Dissident, als Chefregisseur für die Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten der Olympischen Spiele von Peking 2008 bestimmt. In seinem neuen Werk bekommt DAS AUGE/bekommen DIE SINNE „Futter“ ohne Ende: Denn SOOOOO VIEL KINO GAB ES WOHL NOCH NIE wie hier in diesem opulenten Schmachtfetzen. Er spielt im China des 10. Jahrhunderts, in der Zeit der Tang-Dynastie, einem Zeitalter des Prunks und der totalen Prachtentfaltung. Wo gerade die Vorbereitungen zum pompösen Blumenfest im Gange sind. Blickt dabei hinter die Kulissen des Machtzentrums/hinein in den privaten „Apparat“ der Macht, erzählt von Intrigen, Korruption, Machtkämpfen, handelt von köstlich-ausschweifender Dekadenz. Sozusagen: SHAKESPEARE trifft auf das „Bastei“-(„Seifenoper“-)CHINA: Liebe, Eifersucht, Machtgier, abgrundtiefer Hass inmitten wahnsinnig-betörender Dekorationen.

Der dämonische Kaiser vergiftet seit Jahren „nach und nach“ seine zweite Frau mit vermeintlicher Medizin; die Gattin weiß davon, kann sich aber nicht auflehnen; pflegt dazu ein „inniges“ Verhältnis mit einem ihrer Stiefsöhne; DER wiederum plant den kriegerischen Umsturz, während seine zwei Brüder eigene Komplotte aushecken. Die REBELLISCHE erste Frau des Kaisers, von allen tot gewähnt, taucht auf und vervollständigt schließlich das höfische Drama, aus dem es kein Entrinnen gibt. Denn ALLE-hier sind im Grunde Gefangene im Netz der Tradition/der Zeremonie; befinden sich wie eingesperrt in einem GOLDENEN KÄFIG. Agieren wie Marionetten/wie Rädchen-Teile in einer tödlichen Maschinerie. Der Cinemascope-Schauwert ist enorm und einmalig; die Schwertkämpfe einmal mehr exzellent choreographiert. Ninja-Kämpfer fliegen schwerelos durch malerische Gebirgsschluchten, an der Entscheidungsschlacht haben über tausend Soldaten der chinesischen Volksarmee als Statisten mitgewirkt. Im darstellerischen Mittelpunkt-dabei: der inzwischen längst auch in Hollywood angekommene/etablierte Hongkong-Star CHOW YUN FAT („The Replacement Killers“/1998, wo er Til Schweiger nach 45 Sekunden erschießt; „Anna und der König“/1999/mit Jodie Foster; „Tiger & Dragon“/2001) sowie der internationale China-Star GONG LI (neulich „Hannibal Rising“; „Miami Vice“; „Die Geisha“, „2046“).

Über allem aber thront: DER TOTALE BILDER-RAUSCH/der faszinierende Dauer-AUGEN-SCHMAUS/dieser phänomenale Aufwand = mit dieser geradezu unglaublichen Farben-Pracht-Optik, mit diesen überwältigenden, gigantischen/monumentalen Bauten, mit diesen prächtigen Kostümen („Oscar“-Nominierung) sowie mit dieser fein-tückischen Giftpfeil-Geschichte, nach dem alten chinesischen Sprichwort „Eine Fassade aus Gold und Jade, aber darin krabbeln die Spinnen“… hintergründig illustriert.

Wirklich: Ein 1A-Spektakel der Extra-Klasse; eine KINTOPP-Verwöhn-Show der absoluten Spitzenqualität (= 4 ½ PÖNIs).

Teilen mit: