Every Thing Will Be Fine Kritik

EVERY THING WILL BE FINE“ von Wim Wenders (D/Kanada/Fr/Schweden/Norwegen 2014; B: Bjorn Olaf Johannessen; K: Benoit Debie; M: Alexandre Desplat; 118 Minuten; Start D: 02.04.2015); komisch, bei Wim Wenders empfinde ich es immer als „Kulturschändung“, wenn man diesen weltweit hochdekorierten Cineasten kritisch beäugt. So auch hier wieder. Wo er uns eine Lektion in Sachen Seelen-Trauer erteilt. Vorführt. In 3 D, wo „schon so ein Staubkorn zum Ereignis“ wird (Peter Zander in der „Morgenpost“/11.2.15). In der Tat, an der wohl temperierten Seelen-Optik liegt es nicht, dass dieses neue Wenders-Werk trotz imposanter Tiefen-Bilder wenig berührt.

Wim Wenders, der am 14. August dieses Jahres 70 wird, und seine Lebens-Ausrufungszeichen! Mit schlimmen Empfindungs-Fakten. Zum Thema: Das Da-Sein und seine „Schwierigkeiten“. Wim Wenders will einmal mehr BELEHREN. AUFZEIGEN. ERKLÄREN. Düster erhellen. Wie er kürzlich dem Magazin „Cicero“ verriet: „Lernfähig ist der Großteil der Menschheit nur durch den Ernstfall“. Und: „Umdenken im Kleinen und im Großen ist ein Prozess, der auch im Ökologischen und Sozialen eigentlich eher durch Katastrophen passiert. (…) Leider ist die Katastrophe oft die einzig mögliche Katharsis. Das sage ich nicht gern, aber de facto kann man sich dem nicht entziehen“. Aha = Ach so.

Schwere „Anschuldigungen“. Eines weisen Film-Gurus. Der davon erzählt, wie es ist, zur falschen Sekunde am falschen Ort zu sein. Was eine Katastrophe auslöst. Im winterlichen Kanada. Wo die monumentale Landschaft herrlichen 3 D-Zauber verströmt. Er heißt Tomas (JAMES FRANCO) und ist Schriftsteller. Ein Winterabend. Eine Landstraße. Es schneit, die Sicht ist nicht optimal. Aus dem Nichts kommt der Schlitten einen Hügel herunter. Vollbremsung. Ein kleiner Junge ist tot. Sein Bruder, Christopher, hat überlebt. „Machen Sie sich keine Vorwürfe“, erklärt die ermittelnde Polizistin. Niemand habe hier „richtig“ Schuld. Selbst Kate, die Mutter des ums Leben gekommenen Kindes (CHARLOTTE GAINSBOURG), sieht das so. Doch Tomas ist fertig. Verschließt sich. Seine Beziehung zu seiner Partnerin Sara (RACHEL McADAMS) zerbricht. Einzig auf seine Kreativität kann er jetzt vertrauen: Sein neues Buch wird ein Bestseller. Zwölf Jahre gehen ins Land. Tomas hat eine neue Beziehung mit der alleinerziehenden Mutter Ann (MARIE-JOSÉE CROZE) aufgebaut. Langsam verschwinden die Dämonen der Vergangenheit. Bis Christopher auftaucht (ROBERT NAYLOR), inzwischen 17, um die Last des gemeinsamen Schicksals aufzuarbeiten.

Trauer. Verzweiflung. Leere. Ein Blei-Drama. Dick aufgetragen, routiniert wie kühl zu empfinden. Innen, in den Räumen, von Schwere, also Schuld, erfüllt; draußen, in der großzügigen kanadischen Weite-Schönheit, von magischem Atem. Die Schauspieler – Marionetten, die der Meister merkbar lenkt. Mit trockenen Stakkato-Bewegungen. Lese bei „critic.de“ (11.2.15) das passende Fazit: „Der watteweiche Pfad aus dem Trauma. Wim Wenders erforscht die dritte Dimension der Oberflächlichkeit“. Stimmt. Leider (= 2 ½ PÖNIs).