Eva will schlafen Kritik

EVA WILL SCHLAFEN“ von Tadeusz Chmielewski (B+R; Polen 1958; 95 Minuten; Start D: 1963).

In jüngster Zeit kommen immer mal wieder ältere Filme zum Vorschein, die mehr als nur das Wiedersehen mit irgendeinem x-beliebigen Oldie bedeuten. “Eins, zwei drei“, die brillante Billy Wilder-Komödie von 1961, war neulich so eine erfreuliche Entdeckung, und für diesen Kino-Sommer sollte dies “Ewa chec spac“ sein, ein polnisches Vergnügen von 1957. Auch hier ein Stück Zelluloid, das wie ein guter Wein im Keller im Verlaufe der Jahre eher gereift und mundiger geworden ist. Dabei ist der Einstieg in die Geschichte ganz und gar mysteriös und völlig unseriös.

In einer dunklen Gasse wird einem Passanten die Aktentasche geklaut. Aber auch der Dieb soll davon nicht viel haben, denn schon entwendet ihm ein andere die Beute, auf die dann ein weiterer Typ scharf ist. Und so weiter…bis der letzte Räuber das Geheimnis lüftete. Nicht Geld und Dokumente waren das Ziel dieser unfeinen Aktionen, sondern ein Buch, aus dem er nun lächelnd zu blättern beginnt. Es heißt “EVA WILL SCHLAFEN“. Und dies ist wörtlich zu nehmen. Denn die ebenso naive wie hübsche Eva (Barbara Kwiatkowska, die später als Karlheinz Böhm-Ehefrau und Barbara Lass hierzulande in einigen Filmen mitwirken wird) ist wirklich schrecklich müde, als sie in dieser sonderbaren Stadt eintrifft, um ihr Studium aufzunehmen. Da sie aber zu früh erscheint und keinen Schlafplatz findet, begibt sie sich zwangsläufig auf die für sie so stressige und nervige, für den Betrachter aber so reichlich amüsante Tour durch die Szene. In der einiges los ist und kaum zwischen Ganoven und Polizisten unterschieden werden kann. Jeder ist auf seine Weise “höllisch“ aktiv und übt sich in schräger Planerfüllung. Zu erzählen, was dabei so alles gagreiches an Grobheiten herauskommt, ist nicht schicklich. Nur so viel: Selbst auf einem Polizeirevier löst die bevorstehende Inspektion Hektik und Alarmstimmung aus, so dass man sich sogar vom Nachbarrevier einen Edel-Verbrecher ausborgt, um das entsprechende Festnahme-Soll vorweisen zu können. Der ab wiederum wird dann zufällig in eine Uniform gesteckt, um erste Hilfe zu leisten. Was Eva damit zu tun hat?

Nun, sie sitzt doch als vermeintliche Selbstmordkandidatin in der Waffenkammer und droht scheinbar alles in die Luft zu jagen. Außerdem verwechselt man sie auch noch mit einer Strich-Neuen, währenddessen in der nächtlichen Hochschule ein honoriger Professor über die Ungeschicklichkeiten und Schwächen beim Straßenraub doziert. Und so geht es ständig weiter. Man verwechselt sich gegenseitig, versucht die Moral Aufrecht zu halten, wo doch die Unmoral ständig “versehentlich“ ins Bild rutscht, eine Schandtat folgt der nächsten, und ein braver, verliebter Obermiliz wird schließlich sogar zum ungekrönten 0-anovenkönig des Reviers. Eine schöne Bescherung, die Co-Autor und Regisseur Tadeusz Chmielewski, Absolvent der Filmhochschule von Lodz, bei seinem Kino-Debüt da eingerichtet hat. Nichts hat er dem Zufall überlassen, der Film platzt schier aus allen Nähten vor lauter üppiger, wunderbarer Narrerei. Mit hämischer Genüsslichkeit und in einer durchtriebenen Mixtour aus Witz, Satire und Slapstick zieht er gegen die Ordnung komisch zu Felde und lässt nur die Besten wie Stan Laurel & Oliver Hardy, Tati und natürlich Chaplin Pate stehen. Ein Hoch, ein Loblied auf die Anarchie, ein feiner Spott auf alle Obrigkeit. Eine charmante, spielerische.

Das Abenteuer einer Nacht als überdrehter, spielerischer Zauber nach dem Motto “Noch ist Polen nicht verloren“. Eine kleine Perle der Komödie, ideenreiche Filmkunst mit Sinn und viel Heiterkeit (= 3 ½ PÖNIs).