Esmas Geheimnis Kritik


ESMAS GEHEIMNIS“ von Jasmila Zbanic (B+R; Österreich/D/Kroatien/Bosnien; 90 Minuten; Start D: 06.07.2006), heißt im Original „Grbavica“ und war bei der diesjährigen Berlinale der Siegerfilm/bekam den „Goldenen Bären“. Grbavica heißt der Stadtteil Sarajewos, der während des Krieges von der serbischen Armee besetzt gehalten und in ein Kriegslager umgewandelt worden war, in dem die Zivilbevölkerung gefoltert und vergewaltigt wurde.

Der bosnische Film, mittlerweile mit Preisen überhäuft, handelt von einem „Bastard-Kind“, seiner traumatisierten Mutter und der Frage, wer der Vater ist. Anhand einer sensibel wie realistisch nachgestellten Mutter-Tochter-Beziehung im heutigen Sarajewo thematisiert dieser aufwühlende Film die Massenvergewaltigungen serbischer Soldaten an bosnischen Frauen. Die gezwungen wurden ihre Kinder auszutragen. Und deren Kinder heute Fragen stellen. Der 99minütige Film, der auch ein überzeugendes Bild vom Alltag im heutigen Sarajewo liefert, hat in Bosnien und Serbien für Aufruhr gesorgt. Einerseits, weil es sich um ein Tabu-Thema handelt, andererseits, weil „die Sache“ doch lieber weiterhin totgeschwiegen werden sollte. Denn die Frauen werden in Bosnien bis heute nicht als Kriegsopfer anerkannt, was nunmehr – über den Film – für Diskussionen gesorgt hat. Während in Banja Luka, dem serbischen Teil Bosniens, der Film als „unerwünscht“ gilt und nicht gezeigt wird.

Ein unter die Haut/in den Kopf gehender einfühlsamer, traurig-wütend machender kleiner GROßER Film über eine bosnische Mutter, die jetzt über/durch ihre (geliebte) Tochter gezwungen ist, ihr Selbstschutz-Gerüst aus Lüge und Verdrängung endlich abzubauen, um sich der (grauenvollen) Verarbeitungs-Wahrheit zu stellen (= 4 PÖNIs).