ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

PÖNIs:     (2,5/5)

„ES GILT DAS GESPROCHENE WORT“ von Ilker Catak (Co-B + R; D 2018; Co-B: Nils Mohl; K: Florian Mag; M: Marvin Miller; 122 Minuten; deutscher Kino-Start: 01.08.2019); der Debütfilm des 1984 in Berlin geborenen Autoren-Regisseurs ILKER CATAK von 2017 – „Es war einmal Indianerland“ (s. Kino-KRITIK) – ließ aufhorchen, machte auf diesen Filmemacher neugierig. Mit seinem zweiten Werk „rudert“ er leider etwas zurück. Ist – mit 122 Minuten – vor allem in der letzten halben Stunde viel zu langatmig. Entwickelt nach langer Zeit sensibel-spannendem Beziehungsdampf plötzlich (als ZDF-ARTE-Produktion) viel TV-Dramaturgie-Muff. Aber der Reihe nach.

Der Titel? Stammt von der Standesbeamtin gleich beim Filmstart, als Marion (ANNE RATTE-POLLE) ihren Baran (OGULCAN ARMAN USLU) heiratet. „Ihren“? Gewiss nicht, denn – es ist eine Schein-Ehe. Marion aus Hamburg, Anfang 40, von Beruf Pilotin, lernt IHN anlässlich eines spontanen Kurz-Urlaub-Trips in der türkischen Touristenhochburg Marmaris kennen. Sie will die heimatliche Diagnose Krebs verarbeiten, während der 23-jährige Baran dort als gutmütiger, schlitzohriger „Unterhalter“ unterwegs ist. Mit dem unbedingten Ziel, einen Pass zu bekommen, um künftig in Deutschland besser leben zu können. Man bleibt auch nach ihrer Rückkehr in Kontakt. Schließlich willigt sie in eine (Schein-)Ehe ein. Gefühle, Liebe allerdings sind nicht vorgesehen. Doch Emotionen lassen sich nicht – mehr – ausschließen. Es beginnt ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.

Was sich geraume Zeit als neugierig bleibende, spannend aufbereitete Beziehungsgeschichte betrachtet, vor allem dank der großartigen beiden Hauptdarsteller, deren körpersprachliche Sensibilität beeindruckt, wird durch eine – plumpe – Nebenschienenstory mit einem verheirateten Liebhaber von ihr erheblich „gestört“. Dadurch wird und wirkt der Streifen zunehmend „schwer“ und schwerer, „deutsch-haft“ halt. Und auch, dass schon wieder „Krankheit“ als Auslöser-Motiv und Bestandteil einer Personalie herhalten muss, um ins Motiv-Laufen zu kommen, macht aus dieser ambitionierten aktuellen Gesellschaftsgeschichte eine überzeichnete Konstruktion. Mit unnötig (zu) viel Krampf.

Ein Unentschieden-Film, der demnächst im Fernsehen sicherlich „mehr“ hermacht als auf der gerade „überforderten“ großen Leinwand (= 2 1/2 PÖNIs).

 

 

 

 

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