Erlösung Kritik

ERLÖSUNG“ von Hans Petter Moland (Dänemark, D, Schweden, Norwegen 2015; B: Nikolaj Arcel; nach dem gleichn. Roman von Jussi Adler-Olsen/2009; K: John Andreas Andersen; M: Nicklas Schmidt; 112 Minuten; Start D: 09.06.2016); ich oute mich gerne: Ich bin vernarrt in skandinavische Thriller. Seit vielen Jahrzehnten. Sowohl literarisch wie auch filmisch. Kann gar nicht genug „davon“ bekommen. DIE besitzen solch einen faszinierenden, atmosphärischen, gruseligen (Gesellschafts-)Sog, dem ich mich nur ganz selten entziehen kann. Angefangen hat alles mit den sozialkritischen Krimis des Paares MAJ SJÖWALL (25.9.1935) & PER WAHLÖÖ (5.8.1926-22.6.1975). Seitdem stehen skandinavische Spannungsromane bei mir immer ganz oben auf der privaten Leseliste. Nach STIEG LARSSON (1954 – 2004) mit seiner „Millenium“-Trilogie und HENNING MANKELL (3.2.1948 – 5.10.2015), dem „Wallander“-Vater, wird nun JUSSI ADLER-OLSEN lesetechnisch und per Kino abgearbeitet. Nach „Erbarmen“ (s. Kino-KRITIK) und „Schändung“ (s. Kino-KRITIK) taucht nun die auch chronologisch dritte Adaption einer Adler-Olsen-Lektüre in unseren Lichtspielhäusern auf. Nachdem die zweite, „Schändung“, Anfang 2015, schwächelte, kommt die aktuelle Spannungszufuhr wieder kräftig in Unterhaltungsfahrt.

Natürlich wieder im Blick- und Mittelpunkt: Diese beiden so unterschiedlichen wie eigenwilligen Kopenhagener Polizei-Ermittler Carl Morck (einmal mehr adäquat mit seiner begeisternd „netten“ Hackfresse: NIKOLAJ LIE KAAS) und sein syrisch-stämmiger Kollege und Kumpel Assad (FARES FARES). Diese von der Polizeiführung mehr geduldeten denn gemochten, weil renitenten Beamten wurden bekanntlich amtlich „in den Keller“ abgeschoben, getarnt als „Sonderdezernat Q“. Dort sollen sie Alt-Fälle bearbeiten, an deren Aufklärung aber kaum jemand noch glaubt. Und an denen seitens der Chef-Etage auch kein großes „Interesse“ mehr besteht. Natürlich werden Carl und Assad immer „fündig“.

Carl Morck, das Wrack. Psychisch und physisch kaputt. Vom beruflichen wie privaten „Keller-Dasein“ gezeichnet. Aber seit Shakespeare wissen wir, da ist (sehr) viel faul im Staate Dänemark. Also müssen Carl & Assad wieder ‚ran. Diesmal-Auslöser: Eine aus Menschenblut geschriebene fragmentarische Post aus der Flasche. Die angespült wurde. Schwer zu entziffern ist. Wahrscheinlich von einem Kind geschrieben wurde. In Todesnot. Die Spuren führen nach Jütland. In eine abgeschottete fundamentalistische Religions-Gemeinde. Die eine Art Parallel-Staat im Staate bildet. Zwei Kinder wurden gerade entführt. Nichts aber soll nach außen dringen. Parallele Altfälle drängen sich für die Polizisten auf. Während ein diabolischer Psychopath zündelt: „Ich bin der Sohn Satans“.

Obwohl der Täter bald identifiziert ist (PAL SVERRE HAGEN als völlig defekter, eisiger Menschen-Feind ist sensationell), bleibt der Spannungspegel hoch. Nervenzerfetzend. Wie „das Böse“ verhindern, wenn es dermaßen heimtückisch auftritt wie hier? Der sowieso ständig unter Nerven-Strom stehende labile Carl Morck stößt an seine emotionale wie seelische Belastungsgrenze. Und will sich, als überzeugter Atheist, von seinem muslimischen Partner nicht auch noch „Glauben“ erklären lassen. Was ist das alles nur für eine verdammte Lebens-Scheiße? Hört DIE und DAS-DENN niemals auf?

„ERLÖSUNG“ oder: Besitzt gute Panik. Ausgezeichnetes skandinavisches Spannungskino ist zu annoncieren (= 4 PÖNIs).