Elsa und Fred Kritik


ELSA UND FRED“ von Marcos Carnevale (Argent./Spanien 2005; 108 Minuten; Start D: 13.04.2006); einem 42jährigen Spanier, der viele Jahre erfolgreich als Werbefilmer und TV-Autor arbeitete und nun als (Co-)Drehbuch-Autor und Regisseur seinen 3. Spielfilm vorstellt, eine Co-Produktion Spanien/Argentinien aus dem Jahr 2005. Zweifaches thematisches Zitaten-Motto dabei: „MAN BRAUCHT SEHR LANGE, UM JUNG ZU WERDEN“ (Pablo Picasso) und „ALTER SCHÜTZT VOR LIEBE NICHT, aber LIEBE VOR DEM ALTERN“ (Coco Chanel/frz. Modeschöpferin).

Elsa und Fred: Sie gibt vor, 77 zu sein, Er ist tatsächlich 78 und ihr neuer Wohnungsnachbar. Gerade ist er Witwer geworden, dieser hypochondrisch veranlagte und etwas scheue Mann, der zeit seines Lebens immer DAS gemacht hat, was man von ihm erwartete: Brav, pflichtbewusst, treu. Nun lässt er sich müde hängen und von seiner Tochter herumkommandieren. Die lebenslustige Elsa bricht wie ein Tornado in sein Leben ein. Entschlossen, die restliche Lebenszeit voll zu genießen, schnappt SIE sich IHN – mit ihrer Kodderschnauze und ihrem umwerfenden, aufdringlichen Überrumplungs-Charme. Lässt erst gar keine Widerrede zu und lebt los. Erst zögerlich, dann inspiriert und schließlich überwältigt…genießt auch ER das unerwartete neue Lebensgefühl und Liebesglück.

Bertolt Brecht und seine (auch verfilmte) Kalendergeschichte „Die unwürdige Greisin“ stand ebenso Pate wie FELLINI: Denn Elsas Schutzpatronin ist ANITA EKBERG, und ihr größter Wunsch/Traum ist es, einmal wie ihr Idol (in „Das süße Leben“) am berühmten Trevi-Brunnen in Rom zu verweilen. Und Fred also „gibt“ schließlich den Marcello (Mastroianni). Ein liebevoller, verspielter, wunderbar pointierter, sehr unterhaltsamer großer-kleiner Film über „Helden des Alters“; ganz unaufdringlich, charmant, atmosphärisch und ohne jedwede Peinlichkeit oder platte Rührseligkeit erzählt und gespielt. Mit Argentiniens großer Diva CHINA ZORILLA und dem spanischen Grandseigneur MANUEL ALEXANDRE in den überzeugenden/nahegehenden Hauptrollen. Was für eine feine, amüsante Entdeckung für das Arthouse-Kino (= 4 PÖNIs)!