ELIZABETH

PÖNIs:      (4/5)

England, Mitte des 16. Jahrhunderts: Unter der Regentschaft von Königin Mary, der Ersten, einer fanatischen Katholikin, erlebt das Land seinen totalen Niedergang. Der Staat ist nahezu bankrott, und das Volk leidet zunehmend unter den von der Krone ständig neu angefachten religiösen Auseinandersetzungen. Am Hofe ereifern sich die Intriganten, so dass Mary ihre Politik der Repression und Verfolgung von Protestanten noch verschärft. Selbst ihre jüngere Halbschwester und rechtmäßige Erbin, Prinzessin Elizabeth, gerät ernsthaft in Gefahr, wegen vermeintlichen Hochverrats zum Tode verurteilt zu werden. Doch Elizabeth übersteht alle Angriffe gegen ihre Person und wird nach dem baldigen Tode von Mary zur neuen Königin gekrönt. Ihr engster und treuester Ratgeber, Sir William Cecil, und einige Berater zeichnen als erstes ein düsteres Bild vom Zustand des Landes. Doch Elizabeth, die Erste denkt gar nicht daran, auf ihre Jugendliebe Robert Dudley, einem höfischen Oberstallmeister, zu verzichten. Das jedoch wird von Neidern, Missgünstigen und mächtigen männlichen Adligen sowie von der konservativen katholischen Kirchen-Elite als willkommene Angriffswaffe gegen die Königin benutzt. Denn: Nicht nur der Staat steht vor dem Ruin, auch von außen gibt es immer lautere Bedrohungen durch Frankreich, Spanien und den Vatikan. Elizabeths einziger Verbündeter wird der Meisterspion Sir Francis Walsingham. Aber auch der kann nicht verhindern, dass sich die Herrscherin zu einem Krieg gegen Schottland verführen lässt, der in einer bitteren Niederlage endet. Elizabeth, die Erste resigniert vor einem Scherbenhaufen. Als einzige Frau in einer komplett von Männern dominierten Hof-Welt fällt es Elizabeth zunehmend schwerer, politisch und physisch zu überleben. Attentate verfehlen knapp ihr Ziel, lassen aber die Königin begreifen und sich verändern. Der neue britische Kinofilm:

„ELIZABETH“ von Shekhar Kapur (GB 1998; B: Michael Hirst; K: Remi Adefarasin; M: David Hirschfelder; 124 Minuten; deutscher Kino-Start: 29.10.1998) handelt von der Emanzipation einer sensiblen, klugen Frau der Geschichte. Die für den Preis der Macht ihre gesamte Identität verändern muss: “Ich bin verheiratet mit England“, lautet ihr berühmter Satz, mit dem sie sich dann auch äußerlich als d i e legendäre “Virgin Queen“ zeigt: So, wie sie in die Geschichte eingehen soll.

Der in Indien geborene Regisseur SHEKHAR KAPUR‚ der vor einigen Jahren mit dem kontroversen, provokanten Anarcho-Drama “Bandit Queen“ weltweite Schlagzeilen machte, schuf mit “Elizabeth“ ein ungemein, spannendes, sinnliches Werk. Der Historien-Thriller entpuppt sich als opulenter, detailgetreuer und an vielen authentischen Schauplätzen inszenierter “Opern“-Film, dessen Musikalität in Bild und Ton sehr beeindruckt. Aus der hochkarätigen internationalen Besetzung, darunter Geoffrey Rush und Sir Richard Attenborough, ragt die australische Schauspielerin CATE BLANCHETT heraus: Sie überzeugt außerordentlich in der nuancierten Skizzierung Elizabeths von der unbedarften, jungen Prinzessin zur unbezwingbaren, ikonenhaften Monarchin.

Ein grandioser Unterhaltungsfilm in Sachen europäische Geschichte, das ist “Elizabeth“ von Shekhar Kapur; das erste “große Kinoereignis“ in diesem Herbst (= 4 PÖNIs).

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