Elementarteilchen Kritik


ELEMENTARTEILCHEN“ von Oskar Roehler (D 2006; 113 Minuten; Start D: 23.02.2006); einem provokanten Drehbuch-Autor und Regisseur, den vor allem zwischenmenschliche Beziehungen mit selbstzerstörerischem Charakter interessieren (Debütfilm: „Sylvester Countdown“/1996; „Der alte Affe Angst“/2002). Mit seinem 3. Spielfilm „DIE UNBERÜHRBARE“, dem eindrucksvoll-erregenden Porträt über seine Mutter, der Schriftstellerin Gisela Elsner, gelang ihm 1999 – mit der großartigen HANNELORE ELSNER in der Hauptrolle – der vielprämierte Durchbruch. Danach allerdings scheint ihm bereits die „phantasievolle Puste“ ausgegangen zu sein: Sein vorletztes Werk, „Agnes und seine Brüder“, war 2003 zutiefst dilettantisch-langweilig.

In seinem neuesten Film bezieht er sich auf den 1998 erschienenen gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers MICHEL HOUELLEBECQ, einem provokant-pessimistischen, sehr erfolgreichen Gesellschaftspanorama um die „68er Generation“, das vor allem wegen seiner drastischen Schilderung sexueller Aktivitäten und der moralischen Schlussfolgerungen als unverfilmbar galt. Roehler, der sonst gerne in seinen Filmen lautstark „über Grenzen“ geht, bleibt hier geradezu „anmaßend lau“: Die in Deutschland spielende Geschichte um ein „destabiles Halbbrüderpaar“ um die 35, Forscher Michael und Lehrer Bruno (der Eine a-sexuell, der Andere voller Triebhaftigkeit), sieht sich in seiner Onanie-Lächerlichkeit, in seiner stupiden künstlichen Bewegung, in seiner aufgesetzten/verquasten Papier-Sprache und in seiner erbärmlichen Gedankenlosigkeit manchmal wie „Schulmädchenreport, Teil 17 – Wenn Lehrer stöhnen“ und manchmal wie eine neckische, fehlgeleitete Version von „Brothers Grimm“ an.

CHRISTIAN ULMEN („Herr Lehmann“) tapert wie ein müder Tanzbär durch die Szenerie und kommt über zwei Ausdrucksweisen – eine mit Brille/eine ohne – nicht hinaus; während MORITZ BLEIBTREU (zuletzt eher unangenehm aufgefallen in „Vom Suchen und Finden der Liebe“/Helmut Dietl und eben „Agnes und seine Brüder“) chargiert ungebremst wie ein geiler, uninspirierter Pfau. (Der „Silberne- Darsteller-Bär“ DAFÜR auf der soeben zu Ende gegangenen Berlinale ist Schwachsinn). Dass dieses Männer-Selbstfindungsgejammer SO wurde wie es wurde, ist sicherlich nicht zuletzt auch dem sonst so cleveren, packende Themen „riechenden“ Münchner Produzenten BERND EICHINGER („Der Untergang“) zuzuschreiben, den hier ganz offensichtlich sein Instinkt verlassen hat, als er sich entschloss, das zynische, nihilistische Porno-Buch „sanft“/soft/“romantisch“ für die Leinwand adaptieren zu lassen.

In weiteren Rollen darf MARTINA GEDECK („Bella Martha“) Strapse und Leder-Klamotten tragen und bemitleidenswert „auf verrucht“ machen, während immerhin u.a. Uwe Ochsenknecht, Franka Potente, Corinna Harfouch und NINA HOSS („Die weiße Massai“) als lausig-gekünstelte Stichwortgeber/Mitstreiter auftreten. Die provokant-reißerische Roman-Geschichte um den moralischen Werteverfall einer Gesellschaft verkommt hier zu einer Überdosis von abgeschmackter Neurose mit Billig-Geschmack und dauerhafter Langeweile-Qual (= 1 PÖNI).